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Leben in Hannover Schönheits-Papst Werner Mang: "Ich bin ein Hypochonder"
Hannover Leben in Hannover Schönheits-Papst Werner Mang: "Ich bin ein Hypochonder"
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15:02 13.03.2015
Von Mirjana Cvjetkovic
BU im Foto linksbündigBU
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Professor Mang, in der Warteschleife Ihrer Bodenseeklinik läuft „Wind of Change“ von unseren Scorpions aus Hannover. Sagen Sie bloß, die gehören zu Ihren Stammgästen!
Klaus Meine ist ein wirklich guter Freund und kein Patient (lacht). Besonders gut erinnere ich mich noch an seinen 60. Geburtstag. Gerhard Schröder war witzig: Er hatte Klaus gesagt, dass er sich keine Sorgen machen muss, weil er die besten Ärzte um sich herum hat. Madjid Samii für den Kopf und mich fürs Aussehen (lacht).

Nach 25 Jahren Bodenseeklinik: Haben sich Schönheitsideale verschoben?
Die Menschen sind immer anspruchsvoller und mit sich unzufriedener geworden. Das finde ich schade. Äußerlichkeiten sind doch nicht alles und so vieles im Leben hängt doch überhaupt nicht davon ab. Glück kann man sich ja auch nicht kaufen. Ansonsten war es früher so, dass Patienten zwischen 20 und 60 Jahren kamen, heute klopfen bereits 14-, 15-Jährige an.

Und was sagen Sie denen dann?
Dass sie ihre Schule beenden sollen und es wichtiger ist, was sie im Kopf haben und nicht außerhalb. Mit 18 können sie dann gerne nochmal vorbeikommen. Patienten sind aber auch deutlich älter geworden. Kürzlich war eine 84-Jährige aus New York für ein Lifting hier bei uns.

Da hat die Dame aber einen weiten Weg auf sich genommen.
Tja, das Mekka der Schönheitschirurgie liegt eben nicht in London oder München, sondern in der Provinz am Bodensee (lacht).

Und wohin geht der Trend in Sachen Schönheit?
Weg von aufgespritzten Lippen, Barbiepuppen- und Botox-Gesichtern. Die Lippen werden wieder dünner, die Liftings schonender, unblutiger. Markus Schenkenberg zum Beispiel hat sich bei mir einer Eigenblutbehandlung unterzogen. Ein Vampirlifting. Das klingt zwar furchtbar, ist es aber nicht. Nichtsdestotrotz kann man nicht alle Wünsche erfüllen und jeden Patienten zufriedenstellen.

Haben Sie noch auf dem Schirm, wie viele Nasen Sie gerichtet haben? Als wir uns 2004 an der MHH gesprochen hatten, waren es um die 10 000 ...
Da habe ich auch aufgehört zu zählen. Es dürften aber einige mehr geworden sein. Ich stehe auch nach 25 Jahren noch täglich im OP. Meine Mang-Nase hat mich berühmt und auch reicht gemacht (lacht). Ich will das aber nicht überbewerten. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich bodenständig bin und kein Jetset-Leben führe.

Und bei welchen Prominenten würden Sie gerne mal schreien: „Jetzt reichts aber mit den Operationen!“?
Bei Mickey Rourke, der sieht mittlerweile wirklich furchtbar aus. Bei Donatella Versace reicht es auch. Und das, was Kim Kardashian mit ihrem Po, Busen und Gesicht angestellt hat, finde ich auch nicht schön.

Schönheits-OPs bei Männern sind längst nichts Ungewöhnliches mehr. Was lassen die Herren eigentlich am liebsten machen?
In Deutschland sind bei Männern um die 50 Korrekturen der Schlupf- lider und Tränensäcke beliebt. Bei Männern ab 40 wird gerne Fett an Bauch und Hüfte abgesaugt, an dritter Stelle steht die Nasenkorrektur. Und seit Jürgen Klopp sich geoutet hat, wollen viele auch neue Haare haben. Grundsätzlich lassen Männer vieles machen, was mit Falten zu tun hat. Machten Männer im Jahr 2000 noch einen Anteil von zehn Prozent aus, waren es 2014 schon mehr als 20 Prozent.

Und Sie - wo würden Sie bei sich Hand anlegen, wenn Sie könnten?
Bei Tränensäcken und Schlupf- lidern. Aber weil ich sehr ängstlich und ein Hypochonder bin, lasse ich das lieber.