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Leben in Hannover Schaffrath und Dietl spielen in Hannover Theater
Hannover Leben in Hannover Schaffrath und Dietl spielen in Hannover Theater
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22:10 12.03.2014
Von Mirjana Cvjetkovic
GEMEINSAM AUF DER THEATERBÜHNE:Michaela Schaffrath und Harald Dietl tourengerade mit dem Stück „Urlaub mit Papa“ als Tochter und Vater durch Deutschland.
GEMEINSAM AUF DER THEATERBÜHNE: Michaela Schaffrath und Harald Dietl touren gerade mit dem Stück „Urlaub mit Papa“ als Tochter und Vater durch Deutschland.
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Können Sie sich an einen besonderen Urlaub mit den Eltern erinnern?
Schaffrath: Oh ja (lacht)! Als ich so um die 18 war, bin ich mit ihnen nach Teneriffa geflogen. Ich war schwer verliebt, hatte meinen damaligen Freund gerade mal zwei Wochen vorher kennengelernt und er war nicht dabei. Hölle, ich konnte den Urlaub gar nicht genießen. Mein Papa hat mich damals ganz schön aufgezogen. Dietl: Als ich jung war, war Krieg. Deswegen drehe ich das um: Als meine Enkel konfirmiert wurden, durften sie sich was wünschen.

Das hört sich schon mal gut an.
Dietl: Und sie wünschten sich ausdrücklich Urlaub mit den Großeltern. Die erste wollte auf ein Discoschiff, Aida, eine Woche durchs Mittelmeer. Die zweite: eine Woche ins Eishotel am Nordpol, also sind wir dahin. Das war die teuerste Jugendherberge meines Lebens. Die dritte wünschte sich Schwimmen mit Delfinen, das haben wir auf Kuba gemacht. Unsere Mittlere hat auch zwei Kinder, die durften sich auch eine Reise wünschen: die WM ins Südafrika habe ich abgelehnt, diese Vuvuzelas hätten mich verrückt gemacht, New York war okay. Eine Fotosafari wurde auch erfüllt. Als wir mit allen Enkeln durch waren, sollte es wieder von vorn losgehen (lacht). Schaffrath: Ich glaube, dass ihr coole Großeltern seid. Dietl: „Ja, so einen Großvater hätte ich auch gern gehabt!“ Das sagte Frank Elstner mal in seiner Sendung „Menschen der Woche“.

Was war der größte Graus?
Schaffrath: Manchmal ist es ja heute noch so, dass meine Mutter mich fragt: Kind, hast du auch eine Strumpfhose an? Dieses Betüddeln halt. Und Papa hat immer genau geguckt, mit welchen Jungs man sich so unterhält. Das Nicht-Loslassen-Können der Eltern, das konnte manchmal nerven. Aber wenn ich sie heute besuche, ist es auch wieder schön, Kind zu sein: Was willst du essen, was soll ich kochen - ach, das ist toll.

Dietl: So ein Discoschiff ist ja groß (grinst), ich hatte Gelegenheit, mich zurückzuziehen. Wenn es nach mir und meiner Frau gegangen wäre, wären wir schon am ersten Abend von Bord gegangen.

Die Geschichte von Dora Heldt erzählt auf lustige Weise vom Vater-Tochter-Konflikt. Was ist der größte Konflikt zwischen den Generationen heute?
Dietl: Ein Fluch der Technik sind Handys. Da kommt ein junges Paar in ein Lokal, bestellt und dann (tippt auf dem Tisch herum) gucken sie auf ihre Handys. Wir waren in New York: Meine Frau und ich stehen an der Reling, als die Fähre an der Freiheitsstatue vorbeifährt. Und unser Max mailt seiner Freundin: ‚Fahre grade an der Freiheitsstatue vorbei.‘ Ich sage: ‚Guck Sie dir doch mal an!‘ Er sagt, ‚okay‘ und macht ‚klick, klick, klick‘ mit dem Handy. Also ist es ein Fluch. Die Leute hören sich nicht mehr zu, es werden keine Briefe geschrieben, es wird nur noch gemailt und SMS geschrieben.

Schaffrath: Traurig, wenn nur noch per Handy kommuniziert wird. Ich schreibe gerne Briefe!

Dietl: Ich habe noch keinen bekommen.

Schaffrath: Wir sehen uns doch auch jeden Tag (Gelächter). Ich vermisse die Kommunikation, bei der man sich in die Augen schaut. Die junge Generation muss aufpassen, das nicht zu verlernen. Und Danke und Bitte zu sagen.

Was macht die Theaterbühne für Sie so besonders?
Dietl: Ein russischer Filmwissenschaftler hat mal gesagt: Theater braucht mindestens einen Zuschauer. Ein Film-Vorführer im Kino schaltet den Film ein, egal ob da einer drinsitzt oder nicht. Theater ist die Mutter oder die Ehefrau, Film und Fernsehen sind zeitweilige Geliebte. Theater ist die Mutter, zu der man immer wieder zurückkehrt. Schaffrath: Das Schöne am Theater ist, dass man eine Rolle erarbeiten und ihr Leben einhauchen kann. Es ist ein Stück weit ehrlicheres Handwerk ohne doppelten Boden. Man kann nicht sagen „Ich habe meinen Text vergessen, können wir das bitte nochmal machen.“ Das direkte Feedback aus dem Publikum liebe ich. Neben TV-Produktionen habe ich mein Zuhause im Theater gefunden, fühle mich dort sehr wohl.

Sie kommen für vier Vorstellungen nach Hannover. Was verbinden Sie mit der Stadt?
Dietl: Ich habe in Hannover mal einer Frau im Hotel das Leben gerettet, sie war zu lange in der Sauna und wurde ohnmächtig. Das ist 1000 Jahre her. Jetzt an Karfreitag gehe ich mit meiner Frau ins GOP, da feiere ich meinen Geburtstag.Schaffrath: Ich habe vor zwei Jahren schon mal in Hannover gespielt und mich wahnsinnig wohl gefühlt. Eine schöne Stadt. Ich mag den Maschsee, es gibt tolle Lokale und ich mag auch die Hannoveraner: nett, liebenswert, aufmerksam und freundlich.

Sie arbeiten erneut mit Komödienspezialist Florian Battermann. Warum?
Schaffrath: Er ist zuverlässig, hat ein tolles Team, es herrscht familiäre Atmosphäre. Ich ziehe meinen Hut vor ihm, viele haben ihn anfangs belächelt. Er kann stolz sein, sich so gut etabliert zu haben. Dietl: Dem kann ich nichts hinzufügen.

> „Urlaub mit Papa“ läuft am 20., 21. und 22 März um 20 Uhr im Theater am Aegi, am 22. März auch um 16 Uhr. Karten kosten zwischen 21,60 und 39,90 Euro.

www.kd-hannover.de