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Leben in Hannover Roncalli-Direktor setzt in Hannover die rote Nase wieder auf
Hannover Leben in Hannover Roncalli-Direktor setzt in Hannover die rote Nase wieder auf
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18:27 03.07.2012
Von Garmin Wendt
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Hannover

Der gemütliche Mann mit der getönten Brille und den Zauselhaaren wirkt ein wenig geschmeichelt - das Publikum habe ihn unbedingt wieder auf der Bühne sehen wollen.

Vor 35 Jahren spielte Paul schon den Clown, zeitweise musste Zippo mit Gelegenheitsauftritten den ganzen Zirkus über Wasser halten. Doch mit dem Roncalli-Erfolg wuchs auch der Bürokratie-Aufwand, 150 Menschen arbeiten heute für das Unternehmen: Zippo musste der Schreibtischarbeit weichen. Oft wurde Paul nach seiner Clownsnummer gefragt. So oft, dass er jetzt in Hannover wieder Zippos rote Nase aufsetzt. Eine Dame habe ihm gesagt „Sie haben es wohl nicht mehr nötig!“, erzählt Paul in Wiener Schmäh, das sei der nötige Ansporn gewesen.

Mit 65 Jahren ist an Aufhören nicht zu denken. Seine drei Kinder Vivien (23), Adrian (21) und Lili (14) übernehmen neben Nummern in der Manege zwar auch immer mehr Aufgaben hinter dem Vorhang. „Aber ich sehe mich wie einen Schutzengel, der ständig aufpasst, dass sie alles richtig machen“, so Paul. Ein Alterswohnsitz, zum Beispiel sein Haus auf Mallorca, komme für ihn nicht in Frage. Seit 35 Jahren ständig auf Tournee, das prägt: „Wenn ich zu lange an einem Ort bin, langweilt es mich“, sagt er. Der Zirkus sei sein Dorf. „Ich bin nicht auf Reisen. Es ist mehr so, als ob die Welt an mir vorüberzieht, die Städte zu mir kommen“, erklärt der Wiener.

Seine Kinder hätten sich ohne sein Drängen für das Zirkusleben entschieden. „Für die ist der Zirkus ein Biotop, eine heile Welt. Hier gibt es keine Schlägereien, keine Drogen, keinen Suff.“

Roncalli kann eine weitere Generation erfolgreich bleiben, da ist Paul optimistisch. „Für den Zirkus an sich sehe ich allerdings schwarz.“ Zu viele schwarze Schafe in der Branche würden Besuchern die Freude verderben - Tierquälerei, unseriöse Menschen. Bei Roncalli habe man sich deshalb abgekapselt, man hole sich neue Ideen nicht bei Kollegen, sondern im Theater und bei Rockkonzerten. Und was gehört noch zum Roncalli-Erfolgsrezept? „Ich leide unter meinem Perfektionismus“, sagt Paul lächelnd, „wenn irgendwo eine Glühbirne kaputt ist, tausche ich die aus. Ich kann nicht anders.“