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Leben in Hannover „Ich bin ein Showgirl“: Nikita Troy lädt ein in ihre bunte Welt
Hannover Leben in Hannover

"Queer Society" in Langenhagen: Nikita Troy lädt in ihre bunte Welt

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07:00 15.11.2021
Pink trifft Blau: Nikita Troy in einem ihrer rauschhaften Kostüme im Nordstadt-Bahnhof. Das Fotoshooting fand mitten im Corona-Lockdown statt – „uns war langweilig“.
Pink trifft Blau: Nikita Troy in einem ihrer rauschhaften Kostüme im Nordstadt-Bahnhof. Das Fotoshooting fand mitten im Corona-Lockdown statt – „uns war langweilig“. Quelle: Alexander Grosse–Strangmann
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Hannover

Die Frage nach dem Alter wird gleich zu Gesprächsbeginn resolut geklärt: „Ich bin ein Showgirl, wir verraten unser Alter nie“, sagt Nikita Troy und amüsiert sich herzlich über bürgerliche Konventionen. Auch Namen sind in ihren Augen Schall und Rauch – Nikita Troy stand natürlich nicht auf ihrer Geburtsurkunde.

Verwandlung ist ihr Markenzeichen. Ob als „Palast-Diva“ im GOP, wo sie sechs Jahre lang bei fast allen Vorstellungen die Gäste begrüßte. Als Tänzerin und Walk-Act auf Technopartys. Als kreativer Geist mit eigenen Shows. Oder als Gastgeberin einer neuen Partyreihe. Die erste „Queer Society“ soll am 20. November starten. Ihr Wunsch: „Menschen verschiedenen Alters, verschiedener Herkunft und Orientierung sollen gemeinsam feiern.“

Nikita Troy macht Lavastein-Schmuck im Lockdown

Darauf musste nämlich auch Nikita Troy eineinhalb Pandemie-Jahre verzichten, die Sehnsucht ist deshalb groß. „Corona hat mich von 100 auf Null gebracht“, sagt sie, doch ihre Stimme klingt trotz dieser ernüchternden Bilanz hoffnungsvoll und optimistisch. Die Frau in den schillernden Outfits, die im Frühjahr 2020 „gut gebucht“ war, machte das Beste daraus: Sie blieb zu Hause, entwarf bunten Schmuck aus Lavasteinen, um sich zu beschäftigen.

Nikita Troys Markenzeichen sind die schrillen Outfits – auf einer Techno-Party entstand auch die Freundschaft zu DJ-Legende Marusha. Quelle: privat/Handout

Komplette Entschleunigung für einen Menschen, der „schon früh ins Nachtleben eingetaucht“ ist, wie Nikita Troy erzählt. „Ich hab mich schon mit elf Jahren daheim rausgeschlichen und bin auf Partys gegangen.“ Eine Karriere mit Glitzer und Glamour – diesen Weg sah die Hannoveranerin schon mit sechs Jahren vor ihren Augen: „Mein Vater hat mich damals in den Zirkus Roncalli mitgenommen.“

Fasziniert war die kleine Nikita von den Trapezkünstlern. „Ich wollte da ganz oben sein, ich wollte fliegen“, erzählt sie. Mit 15 Jahren wechselte sie an eine Artistenschule in Berlin („allein in der großen Stadt“). Eine heftige Zeit, wie sie im Rückblick bilanziert: „Du musstest die Figur einer Magersüchtigen haben, aber stark sein wie Arnold Schwarzenegger.“ Mit 18 ging sie ohne Abschluss – weil ihr das Traumziel Trapez verwehrt wurde.

Es folgten aufregende Jahre in Hannovers Nachtleben. „Ich war viel in der Gay-Szene unterwegs“, erzählt sie über ihre Zeit in „Alcazar“, „Men’s Factory“ und „Café Caldo“. Schillernde Gestalten, eine Welt voller Illusionen – die junge Hannoveranerin schlüpfte für Bühnenauftritte in die Rolle einer Drag-Queen. „Viel Schminke, wahnsinnige Perücken, megahohe Heels.“ Und ein gewisser Widerspruch, da Nikita Troy ihr wahres Geschlecht anfangs verheimlichen musste. „Ich musste mich als Mann verkaufen, der vorgibt, eine Frau zu sein.“

Modenschau im menschenleeren Nordstadt-Bahnhof: Nikita Troy nutzte den Lockdown für ein Fotoshooting. Quelle: Alexander Grosse-Strangmann

Vieles habe sie aus der Zeit mitgenommen: „Ich habe gesehen, wie schwer es sein muss, wenn man sich und seine Persönlichkeit nicht ausleben kann. Wenn man mit Vorurteilen und Klischees konfrontiert wird.“ Und worauf es beim Feiern ankommt: „Jeder soll so sein können, wie er ist.“

Einige Zeit verbrachte Troy auf der griechischen Party-Insel Mykonos („das war meine Welt“), 2010 kehrte sie nach Hannover zurück, der Todernst des Lebens holte sie ein: „Mein Vater lag im Sterben, ich habe ihn begleitet. Ich bin dankbar, dass ich bei seinem letzten Atemzug dabei sein konnte.“ Auch elf Jahre später merkt man dem „Showgirl“ an, dass die Erinnerung noch schmerzhaft ist.

Nikita Troy bleibt in Hannover

Troy blieb in Hannover, die Stadt wurde der neue Mittelpunkt ihres Orbits. Mit Auftritten bei den „Horror Nights“ von Kurzzeit-Hannoveraner Marc Terenzi (43) im Wasserturm, mit Engagements im GOP (seit dem Neustart nach den Corona-Lockdowns ist sie aber nur noch bei besonderen Events dabei), immer mit Kostümen, die ein Rausch an Farben und Material sind.

Für jede Show ein Kostüm: Nikita Troy war sechs Jahre Empfangsdame im GOP-Varieté.e Quelle: Behrens

Sören Witt (39) ist für Troys Outfits verantwortlich, er hat auch für die TV-Show „The Masked Singer“ in der Schweiz gearbeitet. „Ich habe keinen Kleiderschrank, ich habe einen ganzen Kleiderkeller“, sagt Troy über ihren Fundus an Kostümen und etwa 50 Perücken. Als ihr und ihrem Fotografen-Freund Alexander Grosse-Strangmann im Corona-Lokdown die Decke auf dem Kopf fiel, inszenierten sie im menschenleeren Nordstadt-S-Bahnhof ein Shooting. Blaue Kacheln an den Wänden, quicklebendige Kleider in Pink, Neongelb, Orange. „Das musste sein, Nikita Troy hatte zu lange geschlafen.“

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„Viel Tamtam, viel Glitzer“ verspricht sie auch für die „Queer Society“-Premiere im neuen Club „Pi 32“ in Langenhagen. Der versteht sich als „Kinky & Erotic Lifestyle-Location“, verfügt nicht nur über Bar, Tanzfläche und Bühne für Lesungen, Vorträge und Konzerte, sondern auch über Whirlpool, Sauna und Separees.

„Queer Society“ orientiert sich an New Yorks „Studio 54“

Klingt ganz schön verrucht. Troy verweist auf Location-Vorbilder wie „KitKat-Club“ und „Berghain“ in Berlin, für ihre „Queer Society“-Party sei aber eher das legendäre „Studio 54“ in New York das Leitbild – dort feierte in den 1970er und -80er Jahren die offene und liberale Gesellschaft. Die Party-Organisatorin will die Leute wegholen von Nischen- und Klischeedenken, „ich will die Menschen verbinden.“ Die unendliche Kreiszahl Pi sei als Name des Clubs mit Bedacht gewählt: „Sie steht für unendliche Möglichkeiten“, erklärt Nikita Troy.

Für alle Sinne: Nikita Troy organisiert die Partyreihe „Queer Society“. Quelle: privat/Handout

Denn von Grenzen will Nikita Troy in diesen Novembertagen nichts hören, auch für Silvester hat sie eine Party im „Pi 32“ geplant – sie will die goldenen 20er-Jahre feiern mit Flying Buffet, Champagner, Show-Acts und Burlesque-Auftritten (Tickets ab 79 Euro). Denn der Jahreswechsel 2020 sei zwar lustig gewesen, reiche aber als einmaliges Erlebnis in Corona-Zeiten. „Zu zweit allein“ habe sie um Mitternacht mit ihrem Showpartner und guten Freund Myles angestoßen. „Ich trug einen goldenen Overall“, betont sie. Wie sich das gehört für Showgirls. „Aber dieses Jahr will ich wieder Trubel und Glitzer.“

„Queer Society“ im „Pi 32“ (Hans -Böckler-Straße 32, Langenhagen) am 20. November ab 21 Uhr. Tickets kosten 15 Euro, mit frisch gemixten Welcomedrink 20 Euro. Es gilt die 2G-Regel. An den Turntables stehen Diskopeitsche und Nice, Show-Act ist Drag-Queen Paula Jackson, es gibt Tänzer und eine Fotowand. Tickets bei „Ullis Ullikat“ (Schmiedestraße 6), „Stefan“ (Marstall 7) oder unterwww.pi32.de

Von Andrea Tratner

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