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Leben in Hannover Purple Schulz will Hannovers Herzen erreichen
Hannover Leben in Hannover Purple Schulz will Hannovers Herzen erreichen
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18:30 12.11.2014
Von Mirjana Cvjetkovic
SPIELT IN HANNOVER:Purple Schulz kommtam Sonnabend in die Stadt.
SPIELT IN HANNOVER: Purple Schulz kommt am Sonnabend in die Stadt.
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Herr Schulz, der 9. November wurde gerade gefeiert. Ihr Hit „Sehnsucht“ galt wegen des Schreis „Ich will raus“ als zweite Nationalhymne der DDR - inoffiziell, versteht sich. Wie denken Sie heute darüber?
Das war echt überraschend damals. Im Januar und August 1989 waren wir in der DDR auf Tour. Da wurde uns erzählt, dass der Song auf vielen Kassetten kursierte, die man unter der Hand kriegen konnte. Damals fragte ich mich noch, ob ich die Leute, die unsere Konzerte besucht haben, wohl jemals wiedersehen werde. Im August hat man jedenfalls schon gemerkt, dass das Land in einem sehr maroden Zustand war, man konnte durchaus spüren: Hier passiert demnächst irgendwas. Die Stimmung war ungewöhnlich, es hat echt gebrodelt.

Erklären Sie uns doch bitte mal, wie Sie zu Ihrem Spitznamen Purple gekommen sind. Dass Sie eigentlich Rüdiger heißen, weiß kaum jemand.
Als ich 13 Jahre alt war, war ich oft in einem Orgelgeschäft, da stand so eine wunderbare Hammondorgel, für mich unbezahlbar. So habe ich eben im Geschäft auf ihr gespielt, immer wieder „Child in Time“ von Deep Purple. Und irgendwann verpassten mir die Verkäufer eben den Spitznamen Purple.

Und was hat Purple in den vergangenen Jahren so gemacht? An vorderster Chart-Front hat man Sie ja nicht mehr erlebt.
Ich war ständig live unterwegs, habe zwei Kindermusicals geschrieben, mit dem Ensemble der Kölner Stunksitzung Theater gespielt und an zahlreichen Projekten mitgewirkt - allerdings ohne viel Medienpräsenz. Von den 80ern bis Mitte der 90er landete jedes Album, jede Single-Auskopplung in den Charts. Aber seit dieser Zeit hat sich die Radiolandschaft deutlich verändert.

Inwiefern?
Es entstanden immer mehr Sender, die Formate änderten sich. Im Radio laufen zwar immer noch 80er-Jahre-Hits, aber meine Songs, die nach 1995 entstanden sind, finden nicht mehr statt. Das ist sehr schade, denn ich mache nach wie vor Popmusik. Sogar vom Fernsehen bekomme ich Anfragen, nochmal „Verliebte Jungs“ zu singen. Ich habe aber kein Interesse daran, den Purple Schulz der 80er zu konservieren, besser gesagt: zu mumifizieren. Ich bin älter geworden, habe mich weiterentwickelt und widme mich heute den Themen meiner Generation, die im Pop, wie er im Radio läuft, leider nicht mehr vorkommen.

Zum Beispiel haben Sie die Songs Ihres neuen Albums „So und nicht anders“ mit Ihrer Frau Eri geschrieben. Ein schwieriges Unterfangen, so unter Eheleuten?
Nein, überhaupt nicht. Im Gegenteil, ich habe mich gefragt, warum wir das nicht schon viel früher gemacht haben (lacht). Wir ticken gleich, wissen, was wir wollen, und kommen beim Texten auf den Punkt.

Arbeiten mit der ganzen Familie scheint bei Ihnen sowieso ganz wunderbar zu funktionieren.
Stimmt! Mit meinen Söhnen habe ich zusammengearbeitet, Dominik ist Filmemacher und Gitarrist, Ben Texter und Sänger. Und meine Enkelin Merle hat im Video zu „Ich habe Feuer gemacht“ mitgespielt. Wir haben schon viel Kompetenz in der Familie. Und im Freundeskreis.

Sie haben ja auch mit Heinz Rudolf Kunze gemeinsame Sache gemacht.
Im wahrsten Sinne, so heißt eine Reihe von mir. Da haben auch schon Stoppok und Ulla Meinecke mitgewirkt. Es sind spontane Konzerte mit Kollegen, ohne vorher gemeinsam zu proben, ganz natürlich. Heinz hat das Ganze so viel Spaß gemacht, dass wir in vier Jahren 180 Konzerte gespielt haben.

Wie haben Sie sich eigentlich kennengelernt?
Er hat mir mal eine Postkarte geschrieben und mich darauf hingewiesen, dass es in meinem Lied „Kleine Seen“ nicht „Sie sind dir - meine Tränen“, sondern „Sie sind dein - meine Tränen“ lauten muss. Da habe ich ihm geantwortet: Ich bin kölscher Junge, ist mir doch egal (lacht). Der Grammatikfehler hat dem Song aber nicht geschadet.

Sonnabend spielen Sie bei uns in einer kleinen Location. Was macht den Gig so besonders?
Ich habe Open-Air-Bühnen mit 100 000 bespielt, und meine Musik ging in die Ohren der Leute. Aber mein Motto lautet ja: Kindern erzählt man Geschichten zum Einschlafen, Erwachsenen zum Wachwerden. Vor kleinem Publikum gehen die Geschichten direkt ins Herz. Dorthin, wo sie hingehören.

Sie kommen ja mit dem Gitarristen Schrader.
Ja, das wird richtig lustig. Da nehmen wir das Publikum mit auf eine Achterbahnfahrt: Wir machen einen Riesenspagat von der Affigkeit bis zum bitteren Ernst des Lebens. Und das funktioniert mit Lachen, mit Weinen und allem, was dazugehört - weil unser Leben mit uns ja nichts anderes macht. Du weißt nie, was hinter der nächsten Ecke hervorkommt.

Purple Schulz tritt Sonnabend bei „Step by Step“ an der Melanchthonstraße 57. auf. Beginn: 20.20 Uhr (Einlass: 19.19 Uhr). Tickets kosten 28, ermäßigt 22 Euro.

www.stepbystep-hannover.de