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Leben in Hannover Paul Maar - Der Samspapa wird Märchenonkel
Hannover Leben in Hannover Paul Maar - Der Samspapa wird Märchenonkel
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15:47 09.12.2016
Von Maike Jacobs
SCHRÄGES TRIO: Mit den hannoverschen Musikern Konrad Haas (links) und Wolfgang Stute(rechts) zeigt Paul Maar seineganz eigene Sicht auf Märchen.  Foto: privat
SCHRÄGES TRIO: Mit den hannoverschen Musikern Konrad Haas (links) und Wolfgang Stute (rechts) zeigt Paul Maar seine ganz eigene Sicht auf Märchen. Quelle: privat
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Sie haben gerade Ihren 79. Geburtstag gefeiert. Wie geht es Ihnen?

Ich fühle mich ziemlich fit, dafür bin ich wirklich sehr dankbar.

Nächste Woche kommen Sie mit einem ganz besonderen Buch zu Lesungen nach Hannover - „Schräge Märchen und schiefe Geschichten“ heißt es. Mögen Sie Märchen so sehr, dass Sie ihnen jetzt ein Buch widmen?

Ich mag Märchen. Wobei manche Geschichten auch sehr grausam sind und ich sie kritisch sehe. Ich habe sie dann etwas abgeändert, als ich sie meinen Kindern vorgelesen habe.

Inwiefern?

Zum Beispiel bei „Rumpelstilzchen“. Ich habe schon als Kind nicht verstanden, dass die Müllerstochter den König heiratet, obwohl der gedroht hat, ihr den Kopf abzuschlagen, wenn sie kein Stroh zu Gold spinnen kann. Wer heiratet denn jemanden, der schon im Vorfeld solche Brutalität androht? Das habe ich natürlich umgeschrieben.

Hatten Sie als Kind ein Lieblingsmärchen?

Mein Lieblingsmärchen war „Der Eisenhans“. Das war für mich ein echtes Trostmärchen. Ich hatte ein sehr schwieriges Verhältnis zu meinem Vater, er war sehr autoritär und hat mich als Kind gedemütigt. Er meinte, ich sei nichts wert und bringe es höchstens zum Straßenkehrer. Meinen inneren Kern konnte er aber nicht zerstören. Denn ich war mir immer sicher: Ich bin jemand. Ich bin ich. Und ich kann viel mehr, als mein Vater sagt. Und so wie der Prinz im Eisenhans sein goldenes Haar unter der Mütze verbirgt und letztendlich sein Glück erfährt, so würde es auch mir gelingen.

In Ihrem Buch wird kein Märchen nacherzählt - Sie stellen sie unter einem anderen Blickwinkel vor oder fügen einen ganz anderen Gedanken dazu, wie bei „Der Wind, der Wind“ ...

Ja, da erkläre ich, warum das Märchen von „Hänsel und Gretel“ nicht „Jakob und Mariechen“ heißt. Die waren vorher am Hexenhaus, hatten aber Glück, weil der Wind tatsächlich so sehr blies, dass die Hexe lieber in ihrem Lehnstuhl sitzen blieb.

Dieses Mal lesen Sie nicht nur, es wird auch musiziert und gesungen. Der Hannoveraner Konrad Haas taucht als Liedermacher Konrad sogar in einer Geschichte auf. Wie ist diese Zusammenarbeit entstanden?

Konrad Haas habe ich in Bamberg, wo ich wohne, getroffen, als er dort mit Kindern aus Hannover sein Kindermusical aufführte. Wir kamen ins Gespräch und fingen sofort an zu planen, Konrad hat dann noch Wolfgang Stute dazugeholt, und ich habe einige Texte für neue Lieder geschrieben. So ist die Lesung viel lebendiger geworden, die Musiker spielen nicht nur, sondern haben auch kleine Sprechrollen. Das kommt grandios an.

Ihre bekannteste Figur ist das Sams. Bei aller Begeisterung für Märchen - wie geht es dem eigentlich?

Ich schreibe gerade an einem neuen Buch: „Das Sams feiert Weihnachten“. Ich gehe in die Zeit vom Anfang des zweiten Bandes zurück. Das Sams hat keine Punkte, und Frau Rotkohl ist noch die Vermieterin von Herrn Taschenbier. Das Buch wird nächstes Jahr herauskommen.

NPVISITENKARTE

Geboren am 13. Dezember 1937 in Schweinfurt. Paul Maar begann Kinderbücher zu schreiben, weil er fand, dass es nicht genug gute Literatur für junge Menschen gab. Maar war Bühnenbildner, Theaterfotograf, Lehrer und Kunsterzieher, bevor er sich dem Schreiben widmete. Verleger Friedrich Oetinger war von Maars erstem Manuskript so begeistert, dass er ihm das Versprechen abnahm, nur noch Kinderbücher zu schreiben. Neben zahlreichen Preisen hat Paul Maar für das Gesamtwerk den Jugendliteraturpreis bekommen. Der 79-Jährige ist mit seiner Nele (78) verheiratet, das Paar hat drei erwachsene Kinder, zwei von ihnen sind Schriftsteller.