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Leben in Hannover Niels Weberling: Der total schräge Typ vom Kleinen Fest
Hannover Leben in Hannover Niels Weberling: Der total schräge Typ vom Kleinen Fest
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19:15 25.07.2012
Von Jörg Meyer
DIE MALERROLLE: Herr Niels hat dieklassische Pantomime, bei der eine fiktiveWand abgetastet wird, für sich erweitert. Fotos: Heusel
DIE MALERROLLE: Herr Niels hat die klassische Pantomime, bei der eine fiktive Wand abgetastet wird, für sich erweitert. Quelle: NANCY HEUSEL
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Hannover

„Hey! Warum gehst’n du schon? Ich bin doch auch nicht gegangen, als du gekommen bist!“, frotzelt Niels Weberling eine Zuschauerin an. Sie hatte es gewagt, während seiner Show beim Kleinen Fest die Ränge zu verlassen - ein willkommenes Sprungbrett für eine Stand-up-Einlage und ein typisches Beispiel für die Show des als „Herr Niels“ bekannten Mimen. Er kombiniert in seiner Show Pantomime mit Stand-up-Comedy: „Außer mir macht das keiner in dieser Weise“, sagt der 50-Jährige, der schon seit über 25 Jahren auf der Bühne steht. Und das äußerst erfolgreich. „Ich war immer vom Glück beseelt“, erzählt er, „brotlos war meine Kunst Gott sei Dank nie.“

Angefangen hat alles mit einem Kurs an der Volkshochschule Hannover bei Pantomime Diego Leon. Die erste Unterrichtsstunde war wie eine Infizierung: „Nach zwei Minuten war ich vollkommen verloren.“ Von da an war die Liebe des damaligen Oberschülers für die Kunst der Körpersprache entfacht. Leon hatte sein Talent erkannt und ihn zum Studium des Darstellenden Spiels mit Schwerpunkt Körpersprache ermutigt. So machte er die Leidenschaft zum Beruf, die bis heute ungebrochen ist.

Seine Paraderolle Herr Niels begleitet ihn fast von Beginn seiner Karriere und bildet das in seiner Show stumme Pendant zur Stand-up-Performance. Unverkennbares Markenzeichen: der herrlich dämliche Blick. „Neben der Malerrolle natürlich“, ergänzt der Entertainer. Die bekannte Pantomime-Nummer mit einer fiktiven Wand wird von Weberling erweitert. Er bearbeitet sie nicht nur mit den Händen, sondern auch mit dem Malerutensil.

Dabei beweist er beeindruckende Körperbeherrschung in Kombination mit urkomischen Elementen. Herrlich pointiert, wenn er am Ende schulterzuckend den Trick verrät. Und welches Geheimnis steckt hinter dem Schrägstand, der ebenfalls bei keinem Auftritt fehlen darf? Alles verrät Weberling dann doch nicht. Aber auch bei ihm sei vieles eine Frage der Präsentation und Ablenkung des Publikums - wie bei einem guten Magier. „Ich liebe diese Mischung aus Illusion und realem Gegenstand“, erzählt er. Mittlerweile habe er ein festes Team an Technikern und Bastlern, die neue Ideen für Tricks umsetzen. Ob er sich den einen oder anderen Tipp bei Magier Hans Klok geholt hat, der ebenfalls gerade in Herrenhausen die Besucher verzaubert? Wir wissen es nicht. Was die Begeisterung der Zuschauer angeht, so steht der Comedian dem holländischen Illusionskünstler zumindest in nichts nach.

Mit feinem Humor und großem Ausdruck gewinnt Herr Niels die Gunst des Publikums. Seit acht Jahren spielt er schon beim Kleinen Fest. Es ist eine Art Heimspiel für den Künstler, der mit seiner Familie in Burgdorf lebt. „Ich bin Heimschläfer, und da ist es äußerst praktisch, in Hannover zu spielen“, gibt er zu. Das sei natürlich nur eines von vielen Argumenten für das Kleine Fest. „Der Große Gartenist wunderschön, eine tolle Kulisse“, schwärmt er, „außerdem genieße ich die heimelige Atmosphäre unter den Künstlern.“ Frau und Kinder kämen neben der Arbeit häufig zu kurz - kein Wunder. Herr Niels gilt als einer der besten Visual Comedy Acts weltweit. Ein Auftritt bringe meist zwei neue Anfragen: „Ich kann schlecht Nein sagen, wenn ich von einer Sache überzeugt bin.“

Letztes Jahr war Weberling zum ersten Mal in Japan. Beim „Daidogei Worldcup“ in Shizuoka, einem der größten Straßentheaterfestivals der Welt. Einen Preis hat er dort auch bekommen: den „Special Award“. „Ein wahnsinnig tolles Erlebnis und ein absolutes Highlight in meiner Karriere“, betont Weberling, der sonst meist durch Deutschland und Europa tourt. Er scheint auch nach 25 Jahren noch die Rolle seines Lebens zu spielen - von Schaffenskrise keine Spur.