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Leben in Hannover So entdeckt Heike Wolpert „Glücksmomente“ in Hannover
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Neues Buch: Heike Wolpert über "Glücksmomente" in Hannover

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07:27 10.01.2022
Glücksmomente in Hannover: Eine Geschichte in ihrem Buch hat Heike Wolpert der Rettung des Neuen Rathauses gewidmet.
Glücksmomente in Hannover: Eine Geschichte in ihrem Buch hat Heike Wolpert der Rettung des Neuen Rathauses gewidmet. Quelle: Ilona Hottmann
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Hannover

Der Augenblick, in dem Quiz-Master Günter Jauch (65) gratuliert, weil man erfolgreich die Eine-Million-Frage beantwortet hat – „Café K“-Inhaber Ralf Schnoor (60) hat diesen „Glücksmoment“ erlebt. Und in den vergangenen elf Jahren oft darüber gesprochen. „In meinem Buch durfte er trotzdem nicht fehlen“, sagt Heike Wolpert (55). Die Nord/LB-Analystin und Katzenkrimi-Autorin hat in ihrem Büchlein „Unsere Glücksmomente – Geschichten aus Hannover“ (Wartberg, 80 Seiten, 12 Euro) noch 19 weitere Storys gesammelt, die ein wohliges Heimatgefühl auslösen sollen.

Die HAZ-Weihnachtshilfe, die jedes Jahr Geld für Bedürftige sammelt, kommt vor. Ein Kapitel über die Per-Mertesacker-Stiftung („Man spürt die Begeisterung, etwas zu bewegen“) hat Wolpert ebenso aufgenommen. Aber auch sehr persönliche Geschichten, amüsante Episoden, interessante Details – zum Beispiel darüber, wie knapp einst die Entscheidung für die Expo 2000 in Hannover war. „Bei meinen Krimis brauche ich Fantasie, hier war eher journalistische Arbeit gefragt“, resümiert die Autorin.

„Zurück zum Glück“ und die älteste Buchhandlung

Manchmal war die Suche ganz einfach – wenn der Buchtitel im Namen steckte. „Zurück zum Glück“ nannten die Schwestern Julia und Sonja Faber vor elf Jahren ihr Restaurant im Zooviertel. Wolpert erzählten sie, welche Gedanken hinter dem preisgekrönten Projekt stecken. Manchmal fand Wolpert die Wurzeln des Glücks auch in der Vergangenheit: Ein Kapitel ist „Cruses Buchhandlung“ gewidmet – wo seit 1815 Literatur verkauft wird. An der Hildesheimer Straße gehen die Kunden mit einem Lächeln aus Hannovers ältester Buchhandlung.

Bringt Glücksmomente: Peer Krall leitet „Cruses Buchhandlung“. Quelle: Florian Petrow

Zum Gespräch treffen wir Heike Wolpert am Trammplatz. „ich hatte in der Nord/LB einige Jahre ein Büro mit Blick auf das Neue Rathaus – die schönste Aussicht der Stadt“, erzählt die 55-Jährige, die für die Bank Fehleranalysen betreibt. Ein Ausblick, der Ergebnis einer Heldentat war. Denn das imposante Gebäude sollte in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs eigentlich dem Erdboden gleichgemacht werden – die Nazis wollten vor dem Einmarsch der Alliierten wichtige Gebäude zerstören. „Der mutige Hausmeister Wilhelm Plenge hat das verhindert“, erzählt Wolpert.

Heike Wolpert: „Glücksmomente – Geschichten aus Hannover“, Wartberg, 80 Seiten, 12 Euro. Quelle: Wartberg-Verlag

Der Legende nach sei es ihm an zwei Tagen hintereinander gelungen, die mit gefüllten Munitionskisten angerückten SA-Männer von ihrem Vorhaben abzubringen. Zunächst mit gekappten Telefonleitungen, die den Kontakt zur Führung verhinderten. Dann mit einem „guten Schluck“ aus den Weinfässern im Keller des Rathauses. „Mit Dokumenten offiziell belegt ist diese Geschichte natürlich nicht“, räumt Wolpert ein. „Aber es wurde so berichtet.“

Heike Wolpert

*26. Februar in Bad Mergentheim (Baden-Württemberg). Schon als Kind denkt sich Wolpert Geschichten aus und schreibt sie auf. Nach dem Abitur wird das Mathe-Ass Software-Entwicklerin. 1990 zieht sie nach Hannover, arbeitet seitdem als Business-Analystin bei der Nord/LB. 2013 schreibt sie ihren ersten Roman „Schönheitsfehler“, drei weitere Katzenkrimis folgen. Literatur ist für Wolpert „weiterhin ein Hobby. Aber in der Coronazeit fehlen mir die Lesungen sehr.“ Mit ihrem Mann Peter (67) und Kater Socke lebt sie in Mittelfeld. Mehr Infos unter www.heike-wolpert.de

Und darum geht es der Autorin: „Aha-Erlebnisse. Neue Einblicke in das Leben in Hannover.“ Sie stützt sich bei der Recherche vieler der Geschichten auf Zeitungsartikel, aber auch auf Archive und persönliche Tipps. „Wobei die Arbeit schwierig war.“ Und zwischen Extremen pendelte: Ihre „Dunklen Geschichten aus Hannover“ (Wartberg, 80 Seiten, 12 Euro) über Serienmörder Fritz Haarmann, den „Todesengel von Krähenwinkel“ oder Hanebuths Räuberhöhle hatte sie im ersten Corona-Lockdown geschrieben, die Suche nach „Glücksmomenten“ fiel in den langen zweiten Lockdown. „Da ging nur telefonieren, Mails schreiben.“

Auf die Ideen kam sie, weil sie wie bei allen Projekten ihren Freundeskreis („meine Informanten“) anzapfte. „Viele verschiedene Blickwinkel sind gut.“ Und hartnäckig Spuren verfolgte. „Ich war sicher, dass eine Souffleuse im Opernhaus spannende Geschichten zu erzählen hat.“ Die 55-Jährige behielt Recht, Leser können sich auf die Geschichte über eine gerettete Musical-Vorstellung freuen.

Heike Wolperts Spezialität sind Katzenkrimis, für ihr aktuelles Buch suchte sie Glücksmomente in Hannover. Quelle: Ilona Hottmann

Im Oktober 2021 kam der Band heraus – „in der Euphorie dachte ich damals, die Pandemie ist vorüber, die Leute freuen sich auf positive Geschichten.“ Doch dann kam Omikron. Im Nachhinein ist Wolpert froh, dass sie das Manuskript bereits im März 2021 abgegeben hatte. „Für mich hatte das Jahr leider nicht so viele Glücksmomente.“

Wolpert hat lange keine Zeile geschrieben

Denn ihre beiden Eltern starben – die gebürtige Taubertalerin hatte Vater und Mutter schon vor Jahren nach Hannover geholt, um die beiden in ihrem Lebensabend begleiten zu können. „Den Rest des Jahres habe ich keine Zeile geschrieben.“

Ihr Krimiheld: Heike Wolpert mit Kater Socke, der ihr vor zwölf Jahren zugelaufen ist. Quelle: Nancy Heusel

Das galt auch für ihre Krimireihe über Kater Socke. „Er ist jetzt wieder dran, auch die Fans fragen nach neuen Büchern“, sagt Wolpert und wirkt gelöst und optimistisch, wenn sie über den Kater spricht, der ihr vor gut zwölf Jahren zugelaufen ist. Und der im vergangenen Jahr zumindest in anderen Texten vorkam: Von einer Katzenkrimi-Kollegin („es gibt einige von uns“) hatte Wolpert im Magazin „Our Cats“ eine Kolumne übernommen. Die Leserinnen und Leser erfuhren einmal im Monat, was der Kater in Mittelfeld so treibt.

Von Andrea Tratner