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Leben in Hannover Nächste Station: Hauptbahnhof
Hannover Leben in Hannover Nächste Station: Hauptbahnhof
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22:32 28.08.2012
Von Maren Weitz
REBECCA SIEMONEIT-BARUM: Die rote Mähne ist zum Markenzeichen der Schauspielerin geworden
REBECCA SIEMONEIT-BARUM: Die rote Mähne ist zum Markenzeichen der Schauspielerin geworden
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Hannover

Was denkt der gestresste Berater auf dem Weg zur Bahn? Wie lange wird die Wochenendbeziehung des jungen Pärchens noch halten? Ist der Mann von der Reinigungsfirma frustriert von seinem Job? Sich einmal in die Köpfe anderer Menschen reinzappen, wissen, was sie denken - wer hat sich das noch nicht gewünscht?

Die Produktion „Hannover Central Station“ ist ein Kurztrip in die Gedankenwelten von Menschen, an denen man sonst vorbeihetzt. Mit Audio-Guidesgehen die Zuschauer am Spielort Hauptbahnhof auf Entdeckungsreise. Noch bevor sie die Darsteller sehen, tauchen sie in deren Gedankenwelt ein.

„Ein unglaublich spannendes Projekt. Ich habe die Ausschreibung gesehen und gleich gewusst, dass ich das machen will“, sagt Rebecca Siemoneit-Barum. Stolze 22 Jahre lang hat sie in der „Lindenstraße“ die Iffi Zenker gespielt. Doch nicht ihre Fernsehkarriere, sondern ihre vagabundengleiche Vergangenheit hat sie zu der freien Theaterproduktion in Hannover gebracht. „Ich bin die einzige Schauspielerin, die ihre eigene Geschichte erzählt. Das wird schon ein sehr intimer Einblick“, sagt Siemoneit-Barum.

Wie ist es, in einem Zirkus aufzuwachsen? Ständig an einem anderen Ort zu leben? Dann alles zu ändern und in der „Lindenstraße“ verwurzelt zu werden? Plötzlich sesshaft zu sein? „Ich lasse die Zuschauer schon sehr dicht ran an meine eigene Geschichte“, so die Schauspielerin. Ihre Bühne wird einer der vielen Bahnsteige sein. „Auch als Kind habe ich viel Zeit am Gleis verbracht. Meine Eltern habe ich nur mit dem Zug besuchen können“, verrät die 34-Jährige, die ihre Texte gemeinsam mit Regisseur Sascha Schmidt geschrieben hat. Die Texte wurden auf Tonband aufgenommen und werden über die Audio-Guides abgespielt. „Du sitzt da und bewegst die Lippen zu deinem Text und weißt nicht, wer ist Zuschauer, wer ist Reisender“, erzählt Siemoneit-Barum. Bei den Proben hat bisher niemand auf die Schauspieler im Bahnhof reagiert, die mit sich selber sprechen. „Da merkt man einfach, dass man in einer Großstadt ist und die Leute Freaks gewohnt sind“, sagt sie lachend.

Nach ihrem Ausstieg aus der Lindenstraße im vergangenen November hat sich die Zirkustochter neuen Projekten gewidmet. Sie war mit dem Musical „Cinderella“ auf Tour, konzipiert als Produzentin und Regisseurin das „Weihnachtsspektakel“ auf dem Göttinger Schützenplatz und probt neben dem Stück in Hannover in Braunschweig für die Komödie „Dänische Delikatessen“ - „Ja, ich bin ganz gut beschäftigt“.

Trotzdem wird sie in den Köpfen der „Lindenstraße“-Fans wohl noch lange Iffi Zenker bleiben. „Das wäre auch albern zu sagen, ich will das nicht. Ich habe die Rolle schließlich 22 Jahre lang gespielt“, sagt Siemoneit-Barum, „aber ich werde immer häufiger mit meinem richtigen Namen angesprochen.“

„Hannover Central Station“, Premiere am 31. August. Tickets: 13, ermäßigt neun Euro, www.freie-theaterproduktionen.de.