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Leben in Hannover „Baumkronen“ und Co.: Diese Gesellschaftsspiele sind der Natur auf der Spur
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NP-Spieleexperte: So sind Baumkronen, Fröschis und Savannah Park

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07:57 21.10.2021
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Hannover

Was ist das? Der Kosmos-Verlag feiert dieser Tage doppeltes Jubiläum: Vor 25 Jahren erschien mit dem Kartenspiel zum Klaus-Teuber-Klassiker „Catan“ das erste Spiel der Reihe „Spiele für Zwei“, die heute – tatsächlich noch schlichter – „Für zwei Spieler“ heißt. Nun erscheint mit „Baumkronen“ der 50. Titel in der bekannten kleinen quadratischen Schachtel.

„Unter den Wipfeln des Regenwalds“, so der Untertitel, bemühen sich die Duellanten, die größtmögliche Balance in dem symbiotischen Ökosystem herzustellen. Dazu lassen sie über drei Jahreszeiten, also Runden, hinweg Bäume wachsen, siedeln andere Pflanzen und auch Tiere an – idealerweise paarweise, jedem seine eigene kleine Arche Noah.

Wie spielt es sich? 140 Regenwald-Karten bilden den spielerischen Kern von „Baumkronen“; als „Spielplan“ bezeichnet die Anleitung einen Streifen aus Pappe. Zentrale Regel ist der Nachziehmechanismus: Die Karten werden anfangs in drei gleich große Stapel für die drei Jahreszeiten unterteilt. Immer einer davon liegt rechts unter besagtem „Spielplan“, links davon drei „Wachstumsstapel“ aus zunächst einer, zwei und drei verdeckten Karten. Und wenn man nun dran ist, schaut man sich die Stapel links beginnend an, bis man einen wählt. Auf die anderen kommt eine neue Karte des Nachziehstapels, so dass stets wechselt, was zur Auswahl steht.

Baumkronen Quelle: Verlag

Jede Karte nun trägt auf unterschiedliche Weise zur Punktejagd bei, die über Sieg und Niederlage entscheidet. Da gibt es Stämme, die man zu mächtigen Bäumen staffelt; da kommt es an jedem Rundenende auf die Länge an. Von Tieren gibt es zwei Karten jeder Art: eine mit Sonderregeln, eine, die mehr Punkte mit sich bringt, wenn man ein Paar gesammelt hat; das zählt am Spielende. Und die restlichen Pflanzen werden nach jeder Jahreszeit gewertet. Sie blühen und vergehen eben. Hinzu kommen noch Wetter und Gefahren wie Dürre, Feuer und Krankheit.

Man merkt „Baumkronen“ an, wie sehr sich Autor Tim Eisner in das Thema vertieft hat. Beim Wetter sollten sich zum Beispiel Sonne und Regen die Waage halten; sonst werfen sie keine Punkte ab. Wichtig ist das auch bei der Ansiedlung empfindlicher Orchideen, einer Zusatzkarten-Art aus der anspruchsvollen Variante, die ebenfalls in der kleinen Schachtel vorhanden ist: Wenn man zu viele Wetterarten einer Sorte hat, gehen sie ein und müssen abgeworfen werden.

Die gefräßigen Blattschneiderameisen vernichten Karten (was im Fall von Gefahren auch von Vorteil sein kann). Der weitsichtige Tukan erlaubt Einsicht in die Wachstum-Stapel. Und so weiter: Der Sinn und Zweck fast jeder Karte lässt sich aus dem natürlichen Vorbild erschließen.

Was taugt es? Dies ist ein Spiel, das Wissen schafft, indem es beides, das Spiel und das Wissen, ernst nimmt. „Baumkronen“ ist abwechslungsreich und dabei außergewöhnlich thematisch. Auch wenn man nur Karten auf der freien Fläche der eigenen Tischseite ausbreitet, entsteht eben doch ein kleines Ökosystem. Und das ist auch noch schön anzusehen.

Tim Eisner: „Baumkronen“. Kosmos, für zwei Personen ab zehn Jahren, etwa 20 Euro.

Für zwischendurch – Snowhere

Was ist das? Die Welt brennt, und wir müssen sie löschen und mit Schnee bedecken – in „Snowhere“, der ersten Neuheit in der plastikfreien NSV-„Nature-Line“.

Wie spielt es sich? 111 Karten werden – die Feuerseite nach oben – auf dem Tisch verteilt und durcheinandergewuselt. Wer dran ist, nimmt eine Karte auf und legt sie mit der Schneeseite nach oben wieder ab. Aber: Die Karte muss freiliegen, und das abzuschätzen wird immer schwieriger.

Snowhere Quelle: Verlag

Was taugt es? Autor Steffen Benndorf ist Meister der vereinfachten Idee. Bei Spielen ist das ein Tugend. Dieses Mikado mit Karten ist eine ungewöhnliche und sehr reizvolle Herausforderung.

Steffen Benndorf: „Snowhere“. NSV, für eine oder mehr Personen ab acht Jahren, etwa zwölf Euro.

Für Kinder – Puzzle Memo

Was ist das? Das erste „Puzzle Memo“ spielte im Regenwald und landete 2020 auf der Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres. Jetzt geht es in den Ozean.

Wie spielt es sich? Ein Bild wird gepuzzelt – aber (und hier kommt der Memo-Effekt ins Spiel) strikt von unten nach oben. Man muss sich also merken, wo noch einmal die fehlenden Plättchen lagen. An den Regeln wurde ein wenig Feinschliff betrieben, der das Spiel nicht generalüberholt, aber abrundet.

Was taugt es? Ein gutes Spiel wird noch besser. Nun warten wir auf Lizenzversionen: „Puzzle Memo Star Wars“ – warum nicht?

Günter Burkhardt: „Puzzle Memo Ozean“. Drei Hasen in der Abendsonne, für zwei bis vier Personen ab fünf Jahren, etwa 23 Euro.

Für die Familie – Savannah Park

Was ist das? „Tikal“, „Pueblo“, „Verflixxt“ – die beiden Altmeister Wolfgang Kramer („6 nimmt!“) und Michael Kiesling („Azul“) haben einige ihrer größten Erfolge gemeinsam entwickelt. Ihre neue Zusammenarbeit führt sie nach Afrika, wo die Spielenden angehalten sind, Landlebewesen in der Savanne möglichst artgerecht anzusiedeln.

Ihr „Savannah Park“ passt somit hervorragend zum Programm von Deep Print Games, einem jungen Verlag alter Hasen wie Peter Eggert (eggertspiele) und Matthias Nagy (Frosted Games): Der setzt mit plastikarmer Verpackung und auch thematisch (mit Spielen wie „Renature“ und „Kyoto“) auf ökologische Themen.

Savannah Park" Quelle: Verlag

Wie spielt es sich? „Savannah Park“ ist ein Legespiel, mit dem originellen Einfall, dass hier alle Plättchen schon anfangs auf allen Spielertableaus liegen; man muss sie nur umverteilen. Antilopen, Zebras, Nashörner, Elefanten, Giraffen und Strauße sind darauf in unterschiedlichen Kombinationen abgebildet, mal einzeln, mal zu zweit, mal zu dritt. Am Ende der Partie bilden sie hoffentlich möglichst große Herden gleicher Art und haben ausreichend Zugang zu Wasserlöchern, die sich auch auf manchen Plättchen finden.

Die Plättchen haben alle Spieler anfangs zufällig auf den Sandplätzen ihrer Tableaus verteilt. Die Voraussetzungen sind also unterschiedlich, doch mit Beginn der Partie gelten für alle die selben Regeln, und die sind einfach, aber nicht ohne Tücken: Der Startspieler der Runde wählt ein Plättchen aus, dreht es auf seine farbige Seite und legt es anderswo wieder hin. Alle anderen am Tisch müssen das mit genau dem selben Plättchen tun.

Savannah Park Quelle: Verlag

Baum- und Gräserflächen dürfen überbaut werden (das kostet aber am Ende Punkte), der Felsen, der in der Mitte im Weg herumliegt, und die Buschbrände jedoch nicht. Die vernichten am Ende, noch vor der Schlusswertung, Tierplättchen. Das muss man bedenken – und noch so vieles mehr: „Savannah Park“ bietet trotz Schlichtheit der Regeln einiges an Herausforderungen.

Ständig muss man vorausblicken, überlegen, in welcher Ecke des eigenen Spielplans man welche Tierart am besten ansiedelt. Man muss darauf achten, wo jedes Plättchen einmal liegen könnte – und nicht, wo es das anfangs tut; das ist trügerisch. Und nach ein paar Partien ist es auch ratsam, die Auslagen der Mitspielenden im Blick zu behalten und entsprechend die Plättchen zu wählen – da gibt es eine Menge wohltuendes Ärgerpotenzial.

Was taugt es? Kramer und Kiesling haben es mal wieder geschafft, mit wenigen Regeln eine erstaunliche Spieltiefe und viel Abwechslung zu erreichen. „Savannah Park“ ist wie dafür gemacht, es wieder und wieder mit der Familie zu spielen.

Und wenn man etwas weiter ist, geht man vielleicht in der Solovariante auf Highscore-Jagd, testet die vereinfachte Version für Kinder oder probiert es mit einem variablen Aufbau der Felsen und Buschbrände. Es steckt viel Spiel in dieser Packung.

Wolfgang Kramer und Michael Kiesling: „Savannah Park“. Deep Print Games/Pegasus Spiele, für eine bis vier Personen ab acht Jahren, etwa 30 Euro.

Für alle – Fröschis

Was ist das? Etwa einmal im Jahr haut „Halli Galli“-Erfinder Haim Shafir ein neues Kinderspiel raus. Meist sind sie richtig gut. Manche aber sind so toll, dass erwachsene Spieler etwas versäumen, wenn sie nicht auch mitmachen. „Fröschis“ gehört gegen alle Erwartungen dazu.

Fröschis Quelle: Verlag

Wie spielt es sich? Anfangs acht Karten liegen verdeckt vor allen Teilnehmenden aus. Am Ende soll dort eine lückenlose Zahlenreihe liegen. Wer dran ist, nimmt eine Karte, entweder vom Nachzieh- oder vom offenen Ablagestapel und sortiert sie an die richtige Stelle. Passt auch die Karte dort, kann auch sie verlegt werden. Und so weiter. Frösche – im Spieljargon: „Fröschis“ – sind Joker. Und Müll ist doof im Froschteich; die entsprechenden Karten werden abgeworfen, und der Zug endet. Wer seine Reihe zuerst vervollständigt, beginnt den nächsten Durchgang mit einer Karte weniger. Bis man auch – nach mindestens acht Durchgängen – auch die letzte Karte loswird.

Was taugt es? „Fröschis“ ist ein pures Glücksspiel. Man hat keinerlei Einfluss darauf, welche Karten verdeckt vor einem liegen und welche im Nachziehstapel. Was passieren kann, ist, dass man eine passende Karte auf dem Ablagestapel übersieht; das ist ärgerlich. Aber sonst überwiegt hier das pure Vergnügen. Es macht einfach Spaß, an seiner Kartenreihe zu basteln. Man freut sich, wenn man Passendes aufdeckt, und wenn das nicht geschieht, ist das auch nicht wild. So einfach, so pur und so schön kann Spielen sein.

Haim Shafir: „Fröschis“. Amigo, für zwei bis vier Personen ab fünf Jahren, etwa acht Euro.

Von Stefan Gohlisch