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Leben in Hannover Mousse T. - der Mann für den starken Soul
Hannover Leben in Hannover Mousse T. - der Mann für den starken Soul
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06:16 22.09.2012
Von Maren Weitz
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Hannover

„Soul Ya 4“ ist ein Album mit vielen bisher unveröffentlichten Songs.

Da ist auch ’ne Menge altes Zeug drauf.

Und doch ist es nicht die Platte, die seit einigen Jahren angekündigt wird - das dritte eigene Mousse-T.-Album.

Das stimmt. Meine letzte Künstlerplatte ist von 2004. Aber im Frühjahr 2013 soll die neue kommen. Die erscheint bei Universal.

Nicht im eigenen Label?

Ich brauche ein wenig Druck. Wenn ich das nur mit mir mache, dauert es länger. Die Plattenfirma wird irgendwann den Hammer rausholen und sagen: „Jetzt machen Sie das mal fertig.“

Ist das auch der Grund, warum es mit der eigenen Platte so lange dauert?

Sicherlich. Ich lasse mich gerne von meinen Prioritäten ablenken. Ich habe jetzt zwei Kinofilme gemacht und bin außerdem an der NDR-Produktion „Der Tag der Norddeutschen“ beteiligt. Und dann haben mich Gleichgesinnte angesprochen und mir „Soul Ya 4“ vorgeschlagen.

Das war also gar nicht Ihre Idee?

Zu 50 Prozent war es meine Idee. Wir haben überlegt, wie eine Zusammenarbeit aussehen könnte, und es hat funktioniert. Es ist ein Album geworden, das man einfach besitzen möchte, mit tollem Booklet und viel schöner Musik.

Zum Teil sind neue Remixe drauf.

Ja. Das ist ganz lustig. Da sind zwei, drei Stücke von 1996 dabei. Und dann sagen dir die Leute, das klingt neu. Da muss ich schmunzeln und bedanke mich für das Kompliment.

Zum Erscheinungstag der Platte am 28. September legen Sie im Monkeys am Raschplatz auf. Ist es Ihnen wichtig, den Anlass in Hannover zu feiern?

Klar. Ferry macht bestimmt seit 25 Jahren das Palo Palo, und jetzt hat er den Club Monkeys. Es ist eine tolle Gelegenheit, um zu sagen: Wir machen das Wohnzimmer voll! Ein klein wenig bin ich auch schon aufgeregt. Auftritte in Hannover sind für mich eher selten. Das ist schon etwas Besonderes.

Etwas Besonderes ist für Sie auch die Produktion des Soundtracks zu „Mann tut, was Mann kann“, der im Oktober in die Kinos kommt.

Ja. Der Regisseur Marc Rothemund hat sich letztes Jahr gemeldet und mich gefragt, ob ich Lust habe. Und ich habs gemacht. Da haben sich ein paar ganz tolle Dinge ergeben. Ich habe zum Beispiel mit Ivy Quainoo die Single „Men Do what they Can“ aufgenommen. Mit Marc arbeite ich schon wieder an einem neuen Film.

Trotz vieler Projekte in anderen Städten und Ländern sind Sie Hannover immer treu geblieben. Was macht diese Stadt für Sie aus?

Dass sie so unaufgeregt ist. Und das meine ich positiv. Ich weiß zum Beispiel, dass Coldplay vor ihrem Auftritt am Wochenende in einer kleinen Kneipe essen gehen werden. Wo ist das schon möglich? Außerdem sind es meine drei F’s, wie ich gerne sage: Freunde, Familie, Firma.

Nehmen Sie denn wirklich aktiv am Stadtleben teil?

Klar, so wie es mein Tagesablauf zulässt. Ich gehe essen, auf Konzerte. Im Sommer war ich mit meinem Sohn im Freibad in Hemmingen oder beim Boot-Boo-Hook-Festival. Alles kein Problem. Aber ich bin ja auch nicht Michael Jackson oder Robbie Williams.

Dennoch einer der bekanntesten Produzenten und Remixer. Wie hat das Ganze angefangen?

Mein Vater hat mich gefragt, ob ich ein Instrument lernen möchte, und ich habe mich für die Heimorgel entschieden, weil sie so viele Knöpfe hat. Typisches Jungen-Ding. Das war aber schnell erledigt. Danach habe ich mir von meinem Vater ein Keyboard sponsern lassen. Mit 17 habe ich angefangen, im Keller meiner Eltern Songs zu schreiben. 1986 kam dann die erste Platte. Und so ging es dann von einem zum anderen.

Dann standen Ihre Eltern immer hinter Ihrer Musik-Karriere?

Der Anschub kam von meinen Eltern, keine Frage. Ohnehin ist meine Mutter mein größter Fan. Als mein Vater allerdings mitbekommen hat, dass ich nicht mehr studiere, fand er das nicht witzig. Er wollte, dass ich etwas Richtiges mache. Als ich 1998 für den Grammy nominiert wurde, schickte Herbert Schmalstieg ein Dankesschreiben an meinen Vater.

An den Vater?

Ja, irgendwie komisch. Na ja, da hat er jedenfalls verstanden, was ich mache. Er stand mit feuchten Augen vor mir und hatte den Brief des Oberbürgermeisters in der Hand.

Haben Sie schon mal daran gedacht, türkische Musik zu machen?

Definitiv ja. Als junger Mensch ist man so unglaublich arrogant. Meine Mutter hat früher Tom Jones rauf und runter gehört, und ich fand es richtig schlimm. Mein Vater hat türkische Musik gehört, in meinen Ohren klang das furchtbar. Und plötzlich stand ich mit Tom Jones im Studio. Aber das ist ja auch das Tolle am Leben, dass man sich weiterentwickelt und dazulernt.

Mousse T. verbindet man mit House-Music, das war aber nicht immer so, oder?

Ich komme ursprünglich vom Rock, bin großer AC/DC-Fan. Im Internet gibt es auch noch zwei, drei Bilder von mir mit langen Haaren. Die habe ich dann irgendwann abgeschnitten. Ich glaube, dass ich Elektronik und Live so gut kombinieren kann, liegt auch an meinen Erfahrungen aus der Zeit.

Stilmix spielte auch bei Ihren bisherigen Alben eine Rolle. Wird es den auf der kommenden Platte auch geben?

Es wird ein Stilmix werden. Ich will das Ganze aber sehr groovig machen. Mit Tom Jones habe ich dafür schon ein Stück aufgenommen, das einen tollen Beat hat. Es muss etwas Besonderes werden. Ich möchte mich und die Leute überraschen.