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Leben in Hannover Milan Peschel: Theater ist seine Grundnahrung
Hannover Leben in Hannover Milan Peschel: Theater ist seine Grundnahrung
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10:03 11.06.2014
Hannover, Milan Peschel im Schauspielhaus   (Foto: Frank Wilde)
Hannover, Milan Peschel im Schauspielhaus (Foto: Frank Wilde) Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Sein Auftritt ist großartig. Milan Peschel (46) stürmt auf die Intendanz-Etage des Schauspielhauses, der blaue Anzug ein bisschen verknittert von der Zugfahrt aus Berlin, er wirft die lederne Reisetasche auf einen Stuhl. Peschel kommt etwas zu spät (dafür entschuldigt er sich mehrmals) - und in zwei Stunden muss er auf der Bühne stehen. Als Portier Kleie („eine undurchsichtige Figur“) in „Das Mädchen Rosemarie“ - seiner eigenen Inszenierung.

Eigentlich hätte Peschel gar nicht mehr so häufig in der Stadt sein sollen. Aber während der Generalprobe verletzte sich Mathias Max Hermann (48), der den Portier spielen sollte: „Er hat eine Szene, in der er so Pina-Bausch-mäßig tanzt, da ist es passiert.“ Fieser Achillessehnenriss. Kurz vor der Probe hatte Peschel noch im NP-Interview gesagt: „Wenn jemand ausfallen sollte - was ich nicht hoffe -, könnte ich jede Rolle übernehmen.“ Hat er etwa prophetisches Talent? Peschel lacht: „Nein. Und man sollte auch nicht alles glauben, was in der Zeitung steht.“

Dass er einspringen musste, findet er inzwischen ganz schön - eigentlich: „Man muss sich nicht so verabschieden von der Arbeit. Man fällt nicht in so ein Loch. Nicht so schön ist, wie ich dazu kam. Für Mathias Max Herrmann tut es mir sehr leid!“

Wenn Peschel über seine Arbeit redet, ist er weniger stürmisch als bei seiner Anreise. Der 46-Jährige stützt das Kinn auf die Faust, wägt die Worte ab. Für ihn sei die Rolle als Portier ein Erkenntnisgewinn, meint er. Sich selbst mal in einem Stück zu besetzen, hat er aber nicht vor. „Mir würde der Überblick fehlen“, glaubt der Regisseur.

„Rosemarie“ ist seine zweite Inszenierung in Hannover nach „Aus dem bürgerlichen Heldenleben“ von 2012. Welchen Eindruck hat er abseits vom Theater („Das Publikum ist immer sehr freundlich“)? „Hannover ist nicht die schönste aller Städte, aber das macht ja nix. Umso bewundernswerter finde ich, wie die Leute der Stadt das Leben abtrotzen.“ Während der „Rosemarie“-Proben hat er in Linden-Süd gewohnt, über einem Billigklamottenladen an der Deisterstraße. Das Viertel hat ihm gefallen. Weil es unaufgeregter ist als bei ihm zu Hause in Berlin: „Ich mochte das. Ich bin immer zu Fuß ins Theater gegangen.“

Überhaupt Berlin. Seine Geburtsstadt, immer noch seine Heimat. Hier wohnt er mit seiner Frau Magdalena Musial (46, Bühnen- und Kostümbildnerin), Sohn Stasys (15) und Tochter Sofia (13). Nicht zu überhören, bei dem Dialekt. „Ich berlinere gerne“, sagt er, „nur wenn ich mich selber höre, denke ich manchmal: ,Oh Mann, hätte ich mal weniger berlinert.’“

Ohne Dialekt war Peschel zu-letzt auch im Kino zu sehen. In der Komödie „Irre sind männlich“, neben Fahri Yardim (34, der Sidekick von Til Schweiger, 50, aus dem Hamburg-Tatort) spielt er einen Herzensbrecher. Ist er lieber beim Film oder auf der Bühne? „Ich brauche beides. Aber Theater brauche ich zum Überleben. Das ist eine viel direktere Art zu arbeiten, viel unmittelbarer. Theater ist für mich wie eine Grundnahrung.“

Neben Theater und Film widmet Peschel sich der Malerei: „Im Zug auf dem iPad. Zurzeit übermale ich häufig Fotos. Früher habe ich viel in Öl gemalt. Dazu komme ich momentan nicht.“ Die Bilder zeigt er seinen Fans bei Facebook (immerhin 14 000!) und möglicherweise demnächst zusammen mit Werken seiner Frau in einer Ausstellung: „Vielleicht machen wir im Juli etwas in ihrem Atelier.“

Bis dahin haben Hannoveraner noch Gelegenheit, ihn als Portier Kleie auf der Bühne zu sehen. Wenn sie ihn den erkennen - im roten Livree und mit kleinem Schnauzer.

3 „Das Mädchen Rosemarie“: morgen, 19. und 26. Juni, 1. Juli, 19.30 Uhr. Karten kosten 14 bis 32,50 Euro.