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Leben in Hannover „Meine zweite Geburtsstadt“
Hannover Leben in Hannover „Meine zweite Geburtsstadt“
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19:59 26.05.2014
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Hannover

Herr Kaiser, in welchen Bahnen ist Ihre Seele derzeit unterwegs?

Der Titel „Seelenbahnen“ ist eine liebevolle Beschreibung für Falten im Gesicht. Alles, was wir erleben und unsere Seele im Laufe eines Lebens bewegt, hinterlässt Spuren. Positive wie negative Erlebnisse.

Was hat in Ihrem Gesicht denn Spuren hinterlassen?

Da gibt es zahlreiche Erlebnisse. Lachfalten, Sorgenfalten. Alle Höhen und Tiefen sind Teil meines Lebens und haben mich zu dem gemacht, der ich heute bin. Deshalb möchte ich auch mein Gesicht bewahren und keine Spuren verwischen. Also bitte auch Botox vermeiden (lacht).

Das neue Album ist ein Mix aus alter Roland-Kaiser-Tradition und modernem Sound. Wie kam es dazu?

Ja, das liegt wohl daran, dass ich meine Firma gewechselt habe. Mit meinem Freund und Produzenten Peter Wagner wollte ich etwas Neues ausprobieren. Ich habe mich als Texter dieses Mal komplett zurückgehalten. Ich dachte mir, andere Menschen, die weiter entfernt sind, können vielleicht klarer sehen.

Till Lindemann von Rammstein ist ziemlich weit weg vom Schlager. Trotzdem haben Sie mit ihm gearbeitet.

Gerade deswegen. Wir kennen uns schon einige Zeit, haben uns auf mehreren Open-Airs getroffen und haben auch privaten Kontakt. Er ist ein großartiger Autor, der tolle Gedichte und Bücher schreibt. Wir hatten schon länger die Idee, etwas zusammen zu machen. Aber gemeinsam auf einer Bühne zu stehen, wäre für beide Seiten ein Verbiegen. Und so schrieb er halt für mich, genau wie Maite Kelly. Das war unglaublich bereichernd.

Müssen Ihre Fans denn jetzt mit einem Image-Wandel in Richtung harter Rock rechnen?

Ach Quatsch. Nein, überhaupt nicht. Der Song von Till ist ja auch gar kein harter Rock. Es geht um einen Mann, der eine Frau liebt, obwohl sie ihn offensichtlich bescheißt. Es ist das Thema schlechthin: Wie kann die Beziehung zwischen Mann und Frau klappen.

Ist der Gang ins Tonstudio nach 40 Jahren zur Routine geworden?

Dieses Album ist etwas ganz anderes. Die Studioaufnahmen waren purer Spaß!

Wieso?

Ich habe die Lieder erstmals mit meiner Band eingespielt. Da musizieren noch Musiker aus Fleisch und Blut und die Instrumente kommen nicht aus dem Computer. Dieses charakteristische Live-Gefühl ist etwas ganz Besonderes.

In der Ankündigung schreiben Sie, Sie hätten leidenschaftlich gelebt. Was meinen Sie damit?

Na jeder hat doch in seiner Jugendzeit vermutlich Dinge getan, die er heute nicht mehr machen würde. Einfach vieles ausprobiert, getestet und kennengelernt.

Was für Dinge sind das bei Ihnen?

Früher habe ich nächtelang durchgemacht, das tue ich heute nicht mehr. Es geht darum, dass man sich selber findet.

Durch Ihre Krankheit haben Sie eine besondere Verbindung zu Hannover.

Hannover ist meine zweite Geburtsstadt. Seit der Lungentransplantation Anfang 2010 komme ich regelmäßig zur Routinekontrolle in die Stadt. Das ist schon eine ganz intensive Bindung. Zumal ich hier auch schon tolle Konzerte gespielt habe.

Was hat sich seit der Transplantation geändert?

Mein Leben, ich bin wieder gesund! Dadurch bin ich natürlich viel entspannter und genieße jeden Tag.

Streben Sie nach Ihrem Auftritt im „Tatort“ eine zweite Karriere als Schauspieler an?

Nein. Das war keine Schauspielerei. Ich betrachte meine Rolle eher als Mitwirkung, eine sehr interessante und spannende Erfahrung. Ich habe einen Schlagersänger verkörpert, das war nicht weiter schwer. Große Gefühle könnte ich nicht überzeugend spielen - wie zum Beispiel beim Verlust eines Partners. Ich habe meinen Traumberuf bereits gefunden.

Wie lange wollen Sie denn noch singen?

Solange er da oben mich lässt, ich Freude an der Musik habe und das Publikum den Kaiser hören will. Nur mein Publikum kann mich abwählen.