Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Leben in Hannover Marcus und ihr Roman über einen Lindener Lokomotivfabrikanten
Hannover Leben in Hannover

Martha Marcus: Historischer Hannover-Roman über Lindener Lokomotivfabrikanten

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:07 18.10.2021
Liebt die Reise in die Vergangenheit: Martha Sophie Marcus schreibt Historienromane.
Liebt die Reise in die Vergangenheit: Martha Sophie Marcus schreibt Historienromane. Quelle: privat
Anzeige
Hannover

Wenn sie sich in ihrem Lieblingssport betätigt, ist Martha Sophia Marcus (49) maximal konzentriert. Sie fokussiert sich, lässt sich nicht beirren, zielt – und trifft ins Schwarze. Und zwar so gut, dass sie sogar mal Vize-Europameisterin im Bogenschießen wurde. Den Sport betreibt die gebürtige Neustädterin als Hobby: „Es bringt mich weg vom Schreibtisch nach draußen“, erzählt sie, „für mich ein ganz wichtiger Ausgleich.“

Wenn die 49-Jährige am Schreibtisch sitzt, dann schreibt sie Romane. Historienromane genauer gesagt. Am 18. Oktober erscheint mit „Der Glanz der Novemberrosen“ (Goldmann, 448 Seiten, zehn Euro) der zehnte seiner Art. Dafür benötigte Marcus – der Name ist ihr Pseudoynm, im Perso steht Heike Oltrogge – auch einige der Fähigkeiten aus dem Bogenschießen: sich auf ein Ziel fokussieren. Und das war in diesem Fall, endlich einen Roman zu veröffentlichen, der im 19. Jahrhundert spielt. „Das war eine so wahnsinnig spannende Zeit, in der sich so viel tat“, erklärt sie im Hinblick auf die Industrialisierung und damit einhergehende Abwanderung der Bevölkerung in die Städte. „Eine Zeit, in der schnell aufsteigender Reichtum im Gegensatz zu der schlecht gestellten Arbeiterklasse stand, die Schere immer mehr auseinanderging.“

Treffsicher: Martha Sophie Marcus bei ihrem Lieblingssport, dem Bogenschießen. Quelle: privat

Ihr aktuelles Werk spielt in Hannover, die reale Familie des Lindener Unternehmers Georg Egestorff (†66, Gründer der „Eisen-Gießerey und Maschinen-Fabrik“, aus der später die „Hanomag“ wurde) diente als Ideengeber für die Protagonisten der Familie Brinkhoff im Roman, „der aber völlig fiktiv ist“, betont sie. Es ist eine Familiensaga während der Industrialisierung, es erzählt von sozialer Gerechtigkeit – und einer Liebesgeschichte.

Martha Sophie Marcus: „Der Glanz der Novemberrosen“. Goldmann, 448 Seiten, zehn Euro. Quelle: Random House

Der heutige Stadtteil Linden ist Marcus nicht fremd, als Studentin lebte sie hier einige Zeit. „Aus meiner Wohnung konnte ich auf den Schützenplatz gucken“, erinnert sie sich an die Zeit Mitte der 1990er Jahre. „Ich war viel im Apollo-Kino, habe Konzerte in der Faust und dem Bad besucht.“ Mit dem Wegzug 1997 nach England, zwei Jahre später nach Bremen und schließlich nach Lüneburg, wo sie heute noch lebt, wurden Hannover-Aufenthalte rar, „aber ich habe die Zeit dort sehr geliebt, ich war sehr in Hannover zu Hause.“ In ihrem aktuellen Buch ist sie das heute noch, das Folgewerk „Die Blüte der Novemberrosen“ erscheint übrigens im März nächsten Jahres.

Marcus ist schon als Kind eine Leseratte

Als Kind und Jugendliche hat Martha Sophia Marcus „so ziemlich alles gelesen, was ihr in die Finger gekommen ist“. Sie verbrachte viel Zeit in der Bibliothek, lieh sich Bücher von Astrid Lindgren (†94), Enid Blyton (†71) und Erich Kästner (†75) aus. „Ich habe mit zwölf auch, Moby Dick’ gelesen und nur die Hälfte verstanden. Und Karl May, einfach weil’s da war.“ Im Prinzip erinnert sie sich an sich selber „als ein Kind, das immer mit einem Buch in der Hand unterwegs gewesen ist“.

Den Hang zu(r) Geschichte entstand nicht in der Schule, „ich war keine gute Geschichtsschülerin. Was aber nicht bedeutet, dass mich Geschichte nicht interessierte“. Es waren allerdings weniger die komplizierten politischen Begebenheiten („das kam später“), sondern eher die Neugier an dem, wie die Menschen damals gelebt haben. Im Studium – sie hat sich für Germanistik, Soziologie und Pädagogik an der Uni in Hannover eingeschrieben – wählte sie „unterbewusst“ Schwerpunkte, die sie interessierten, etwa mittelalterliche Literatur.

Martha Sophie Marcus

*12. Februar 1972 in Neustadt. Sie wächst als Heike Oltrogge in Bad Nenndorf auf. Ihr Abitur absolviert sie 1991, studiert anschließend in Hannover Germanistik, Soziologie und Pädagogik. Mit ihrem damaligen Freund und späteren Ex-Mann geht sie 1997 nach England, mit ihrer Tochter an Bord, kehren sie zwei Jahre später nach Bremen zurück. Der Job ihres Ex führt sie nach Lüneburg, da haben sie bereits ihr zweites Kind bekommen, einen Sohn. Seit 2003 schreibt sie unter ihrem Pseudonym Romane, darunter zwei, die in der Wikingerzeit spielen, außerdem Frauenromane und ein Kinderbuch. Mit ihrem Lebensgefährten und einem Hund lebt sie in Lüneburg, über das Bogenschießen hat sich das Paar kennengelernt. www.martha-sophie-marcus.de

Geschrieben hatte die Autorin auch schon, allerdings für sich. Dass das ins Professionelle umschlagen sollte, dafür müsste sie sich eigentlich bei ihren beiden Kindern bedanken. „Nach dem sie auf die Welt gekommen waren, bin ich zu Hause geblieben“, erzählt sie. „Das war großartig, hat mich aber auch wahnsinnig gemacht. Ich war zwar ständig beschäftigt, aber es war nicht immer spannend.“ Dieses Vakuum empfand Marcus als sehr belastend. Also tat sie das, was sie schon immer ausprobieren wollte: einen Roman zu schreiben. „Wenn du es tun willst, dann jetzt“, sagte sie sich, nachdem sie ihren Sohn in den Kindergarten gebracht hatte.

Fünf Jahre dauert es, bis ihr erstes Buch gedruckt ist

Themen entwickeln, Welten kreieren, das faszinierte sie. „Ich belegte Schreibkurse, bildete mich weiter“, erinnert sie sich an die Anfänge, in langer Form zu schreiben, in denen es inhaltlich galt „sehr lange Zeiten zu überblicken“. 2003 begann sie an ihrem Erstlingswerk „Herrin wider Willen“ zu arbeiten, 2008 verkaufte sie die Geschichte, die im 30-jährigen Krieg spielt, an einen Verlag, zwei Jahre später wird das Buch schließlich veröffentlicht.

Freut sich wie beim ersten Buch: Martha Sophie Marcus hält erstmals ihr neues Buch in den Händen. Quelle: Instagram/Martha Sophie Marcus

Das Gefühl, als sie es erstmals in den Händen hielt, vergisst sie nicht: „Es war so richtig schön glänzend und duftend. Ich war wahnsinnig stolz und wollte es nur noch ans Herz drücken und streicheln. Ein superschönes Gefühl.“ Eines, dass Martha Sophie Marcus ab dem Zeitpunkt noch öfter erfahren sollte. „Vielleicht lässt es ein bisschen nach. Aber eigentlich ist es heute noch genau so.“

Zu Hause in Neustadt: Da heißt Martha Sophie Marcus noch Heike Oltrogge und gehört zu einer tierliebenden Familie. Es gibt Pferde, Schildkröten, Hunde – die Eltern züchten Jagdhunde. Hier sitzt sie als Schulanfängerin mit dem ersten Deutsch-Kurzhaar-Wurf. Quelle: privat

Die Frage nach einem Plan B neben der Schriftstellerei stellte sich übrigens so gut wie nie, „das hatte sich mit Erscheinen meines ersten Romans erledigt“ – die Resonanz war groß, einhergehend der Erfolg. Denkbar wäre gewesen, ins Verlagswesen einzusteigen und Buchmarketing zu betreiben, eher Lektorin anstatt Autorin zu werden. Marcus hat ihren Platz in der Literatur gefunden, es ist weitaus mehr als eine Nische, Historienromane sind en vogue.

Eine Reise in die Vergangenheit? Nur für einen Tag

Gibt es denn eine Zeit in der Geschichte, in die sie unbedingt reisen wollen würde? Die Frage wird ihr des Öfteren gestellt, so die Autorin. Ihre Antwort: „Für einen Tag vielleicht. Einen Tag, an dem es ungefährlich ist, an dem mal nichts Tragisches passiert. Da würde ich schon gerne mal durch die Augen von Kurfürstin Sophie auf ihren Hofstaat schauen.“ Eine Zeitreise für länger käme für sie nicht infrage: „Wir sind heute knapp in einem Zustand angekommen, in dem man als Frau nicht in ständiger Lebensgefahr ist“, benennt die 49-Jährige das über Gewalt gelebte Geschlechterverhältnis, eine Zeit, in der Frauen über den männlichen Vormund Vater, Bruder, Onkel, Ehemann definiert waren.

Von Mirjana Cvjetkovic