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Leben in Hannover Leisewitzstübchen mit neuem Besitzer
Hannover Leben in Hannover Leisewitzstübchen mit neuem Besitzer
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16:03 13.02.2015
Von Mirjana Cvjetkovic
STÖSSCHEN!  Diesen Trinkspruch in der Wirtschaft übernehmennun Dirk Wroblewski und Ede Nagy (rechts).
STÖSSCHEN! Diesen Trinkspruch in der Wirtschaft übernehmen nun Dirk Wroblewski und Ede Nagy (rechts). Quelle: Dröse
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Hannover

Eins muss man ja zugeben: Es ist schon komisch, wenn man die Tür zur „Wirtschaft“ im Zooviertel öffnet und einem kommt nicht gleich Pit Seidel (70) entgegen. Und seine typische, etwas kratzige, Stimme ist auch nicht mehr zu hören. Denn der Leib-und-Seele-Wirt betreibt den kultigen Eckladen nicht mehr, er hat das „Leisewitzstübchen“ nach gut 14 Jahren abgegeben! „Die Wirtschaft war wie mein neugeborenes Kind, klar vermisse ich sie“, gesteht Neu-Rentner Seidel der NP. Aber, und das weiß er am besten, jünger wird auch er nicht, die Kräfte sind nicht mehr die gleichen wie noch vor ein paar Jahren: „Mein Leben lang habe ich 15 Stunden täglich gearbeitet. Jeden Tag.“ Es wurde Zeit für Ruhe, Zeit für Veränderung.

Schon länger hatte der 70-Jährige nach einem adäquaten Nachfolger gesucht. Einem, der seinem Konzept der rustikalen, bürgerlichen Küche treu bleibt. Mit Dirk Wroblewski (51) ist Seidel fündig geworden, schon im Sommer tauschten die beiden erste Ideen aus, nach mehreren Verhandlungsrunden war man sich zum Jahresende dann einig. „Ich kenne die Wirtschaft und Pit schon lange, war hier oft zu Gast“, erzählt der neue Chef, der wie schon mit dem „Gattopardo“ mit einer Betreibergesellschaft das Geschäft übernommen hat: „Ich fand die Wirtschaft schon immer geil. Der Laden hat Kultstatus.“ Deshalb will der 51-Jährige auch nicht allzu viel verändern: „Den Charakter wollen wir auf jeden Fall beibehalten.“ Klar, müsse an der einen oder anderen Stelle entstaubt, erneuert und vor allem jüngeres Publikum als bisher angelockt werden. Dafür hat Wroblewski Ede Nagy (32) zum Geschäftsführer gemacht.

Viele werden den Mann mit den bunten Tattoos und dem ansteckenden Lachen aus dem „Gattopardo“ in der City, da war er bis zuletzt Chefkoch, und dem „Au Camembert“ kennen. In der Küche steht er aber nicht mehr, er hat als Geschäftsführer andere Aufgaben. Klinkenputzen gehört auch dazu. „Wir müssen zusehen, dass Nachwuchs kommt“, sagt er etwa. Außerdem hat er die Karte auf deutsche Weine umgestellt und will bald einen Mittagstisch etablieren. Die Speisekarte wurde schon aufgepeppt, Zanderfilet (16,50 Euro) findet sich jetzt darauf, genauso wie geräucherte Schweinebäckchen mit geschmortem Sauerkraut, Birnen-Zwiebel-Kompott und Kartoffelpüree (12,50 Euro), Hirschgulasch (13,50 Euro) und süße Leckereien wie Apfelschlupfer (5,50 Euro). „Fast 15 Jahre hat es die gleiche Karte gegeben“, so Nagy. Er grinst: „Hunde und Kinder sind jetzt auch erwünscht.“

In der Küche steht jetzt Henning Müller (50), ein Profi, der Reibekuchen selbst macht und beim gebeizten Lachs ebenfalls selbst Hand anlegt: „Aus der Tüte kommt bei uns garantiert nichts.“ Beibehalten will das neue Team auf jeden Fall das legendäre Enten- und Gänseessen im Winter. Wer die bei Seidel schon mal gekostet hat, weiß, warum. In der vergangenen Saison sind 550 Gänse über den Tresen gewandert, möglicherweise wird das 2015 noch getoppt. Die schlechte Nachricht ist aber: „Wir sind jetzt schon komplett ausgebucht“, sagt Wroblewski - dabei ist ja noch nicht mal der Frühling in Sicht. Wenn der dann da ist, soll die Terrasse noch aufgehübscht werden, damit Feste wie Tanz in den Mai und Ähnliches gemütlich gefeiert werden können.

Da guckt dann vielleicht auch mal Pit Seidel vorbei. Der bringt aber erst mal alle Vorsorgeuntersuchungen bei diversen Ärzten hinter sich, wie immer im Februar: „Ich möchte ja noch viele Jahre machen.“ Und mit seiner großen Liebe Lilly Marx will er schließlich auch noch viel unternehmen, reisen zum Beispiel. „Jetzt habe ich ja ein bisschen Zeit“, sagt er und lacht sein kratziges Lachen.

www.leisewitzstuebchen.de