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Leben in Hannover Kult-DJ Ferry Ghods über Leidenschaft und Musik
Hannover Leben in Hannover Kult-DJ Ferry Ghods über Leidenschaft und Musik
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11:51 20.04.2015
Von Maike Jacobs
Hannover, Ferry Ghods, "Reden wir über Musik" im Mokeys   (Foto: Frank Wilde)
Ferry Ghods im Mokeys. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Der Beruf DJ stand nicht unbedingt auf Ferry Ghods ’ (47) Wunschliste als junger Mensch. Seine Familie war nicht besonders musikalisch: „Ich weiß nicht, woher meine Leidenschaft kommt. Vielleicht wollte ich ja in meinem letzten Leben vergeblich Musiker werden und habe es jetzt immerhin zum DJ geschafft“, sagt er mit einem Lachen. Doch eine Sängerin verbindet er mit seiner Jugend: Seine Mutter war großer Fan von Donna Summer († 63), sie liebte deren Songs. Ghods hat sogar noch Singles aus dem Besitz seiner Mutter, er schätzt die Disco-Queen, die 2012 an Lungenkrebs starb: „Leider habe ich sie nie live erlebt.“

1985 zog Ghods von Frankfurt nach Hannover, auf der IGS Mühlenberg lernte er Kasi Hashemi (49)kennen, bis heute sein enger Freund und Geschäftspartner. Die Schule trat in den Hintergrund, Ghods interessierte sich zunehmend für Musik und verbrachte seine Freizeit in Plattenläden - immer auf der Suche nach dem Soul-Sound. Und er wurde fündig: „In Hannover gab es in den 80er und 90er Jahren viel Input, das war eine ganz tolle Szene.“

Ghods studierte Kunst und Design und jobbte in Kneipen. Da ihn dort die Hintergrundmusik nervte, stellte er auf Kassetten Titel zusammen, die er während seiner Arbeitszeit abspielte. Und plötzlich kamen die Leute wegen der Musik! Er begann mal hier, mal dort aufzulegen, machte sich einen Namen. „Mein Leben besteht aus vielen Zufällen - zum Glück!“, lacht er. Einen ersten DJ-Job bekam er über eine Anzeige in der „Maga-Scene“ in der Disko Bella: „Hannover war in Aufbruchstimmung. Es gab viel Musik, DJs, Bands und tolle Clubs: das Bad, das Sub, die Osho-Disko, Orly, Checkers, Capitol, Backstage und mehr. Jeder Club stand für eine bestimmte Musikrichtung und auch für ein bestimmtes Publikum.“

1989 eröffneten Ghods und Ha-shemi das Palo Palo am Raschplatz - mit einer klaren Aufgabenverteilung: Hashemi kümmerte sich um die Gastronomie, Ghods um die Musik. „In der Passerelle gab es damals viele Grabbeltische mit Platten. Ich konnte an keinem Stand vorbeigehen, ohne etwas zu kaufen“, erinnert er sich. „Es sprach sich rum, wenn der Plattendealer beim DJ war: Dann waren alle ganz gespannt, was der Neues auflegt.“

In diesen Anfangstagen war der DJ ein Multiplikator, sein Musikgeschmack konnte Bands zum Durchbruch verhelfen: „Da gab es keine Downloads. Wenn einem ein Song gefiel, schrieb man den Titel auf, ging zum Plattenladen und kaufte ihn.“ Und da die Palo-Songs so gut ankamen, besann sich Ferry auf seine alte Kassettenzeit. Nur dass er jetzt - in den 1990er Jahren - seine Lieblingssongs auf CD brannte: Das war die Geburt der legendären Palo-Sampler: „Wenn man mich nach der Musik meines Lebens fragt, dann sind das genau diese Songs - auf den Samplern sind alle drauf.“

1994 erschien der erste Sampler mit 16 Stücken, ein sensationeller Erfolg. „Cajun Moon“ von Juliet Edwards lässt sofort die alte Palo-Zeit aufleben, Größen wie Fred Wesley (71) mit „House Party“, Roy Ayers (74) mit „Everybody Loves the Sunshine“ (eine legendäre Liveversion) sind zu hören, Fury in the Slaughterhouse mit einem Soul-Mix von „Every Generation“. „Die Leute haben die CD gekauft und sich dann im Plattenladen weiter durch die einzelnen Interpreten gehört“, weiß Ghods, der jedes Jahr einen neuen Sampler herausbrachte. Und immer wieder schauten die Musiker auch persönlich vorbei: Jamiroquai (45), Gil Scott Heron († 62) oder Karl Denson (58) - sie groovten mit Ghods im Palo.

Um die 30 000 Platten besaß Ferry in dieser Zeit - wie viele genau, weiß er nicht: „Ich habe auch manche doppelt, weil ich einfach die Übersicht verloren hatte.“ Einige Raritäten sind darunter, zum Beispiel ein Bootleg von einem Auftritt von Prince (56) im Small Club: „Die Leute bettelten am DJ-Pult, dass man eines der Stücke spielte. Die gingen über zehn Minuten, das war egal.“ Die Leute hätten sich dem Song hingegeben. Heute könne man so etwas nicht mehr spielen: „Die Aufmerksamkeit beim Tanzpublikum reicht nur wenige Minuten, dann muss ein neues Stück ran.“

Seit Anfang des Jahres ist Ghods nur noch stiller Teilhaber im Palo, dafür engagiert er sich mit Kumpel Hashemi in seinem anderen, kleineren Laden, dem Monkeys. Doch Fans sollen Nachschub auf die Ohren bekommen: Dieses Jahr will er wieder eine Scheibe herausbringen - mit neuen Songs von „Ferry Ultra“ (die erste CD war 2012 auf den Markt gekommen). Einen Vorgeschmack gibt es bald: Die Single „Let me Do my Thang“ von Ferry Ultra und Gwen McCrae (71) kann man ab 28. April bei iTunes herunterladen. Der Stil? Natürlich Funk and Soul vom Feinsten.