Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Leben in Hannover Konditorin Kiaei versüßt das Leben der anderen
Hannover Leben in Hannover Konditorin Kiaei versüßt das Leben der anderen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:02 13.01.2017
Von Mirjana Cvjetkovic
BUNTE SÜNDEN: Elli Kiaei liebt es, sich bei ihren Produkten kreativ entfalten zu können. Ihre Naschereien gibt es übrigens auch als herzhafteVariante –etwa als Würstchen-Käse-Cupcake,eine Pizza-Kreation und Frikadellen-Zaziki. Warum auch nicht?Fotos:Dröse (3), privat
BUNTE SÜNDEN: Elli Kiaei liebt es, sich bei ihren Produkten kreativ entfalten zu können. Ihre Naschereien gibt es übrigens auch als herzhafte Variante – etwa als Würstchen-Käse-Cupcake, eine Pizza-Kreation und Frikadellen-Zaziki. Warum auch nicht? Quelle: Dröse
Anzeige

Das erste Mal hat sie 2011 im Amerikaurlaub einen Cupcake gegessen, diese kleinen, süßen Dinger haben es Elli Kiaei (30) sofort angetan. Zurück in Hannover, entdeckte der quirlige Lockenkopf irgendwann den ersten Laden, der die Mini-Kuchen verkaufte. „Der schmeckt ja gar nicht wie in den USA“, musste Kiaei frustriert feststellen, „und von da an habe ich mir einfach selbst welche gemacht.“

Schon mit 14 Jahren war die kleine Elli total auf dem Backtrip gewesen - erst Kekse, irgendwann traute sie sich an Torten. „Mich hat das total entspannt - ob bei Liebeskummer oder wenn ich mich mega über eine Eins in der Schule gefreut habe“, erzählt sie in ihrem Büro der Hochzeitsplanerfirma „Marry Jane“ in Herrenhausen. Hier in der Küche kreiert die 30-Jährige so ziemlich alles, wovon Süßigkeiten-Liebhaber träumen.

Sie hat nicht nur schon immer gern gebacken, sondern auch immer neue Kreationen ausprobiert: „Mit Apfelkuchen kriegt man mich nun mal nicht, ich liebe alles mit Creme! Wenn schon süß, dann richtig.“ Idealerweise spielte der Frau mit iranischen Wurzeln ihr Biologie- und Biomedizin-Studium in die Karten: „Da habe ich viel ausprobieren müssen, bei Versuchen vier, fünf Tropfen mehr oder weniger hinzugeben müssen.“ Und wie bei ihren Versuchen muss auch bei den Rezepten für Cup-cakes, Cakepops und Cookies wirklich alles auf den Punkt stimmen.

Apropos Punkt: Irgendwann war sie an einem solchen angelangt, an dem sich ihr Leben ändern sollte - das war 2014. Zum ersten Mal nach dem Verlassen ihrer Heimat besuchte sie den Iran. Einer Tante erzählte sie von ihrer Leidenschaft: „Mich fragen schon alle, warum ich keinen eigenen Laden habe“, erzählte sie ihr, „und mittlerweile bitten mich auch Freunde von Freunden darum, Süßigkeiten zu backen.“ Die Frage ihrer Tante („Warum machst du dich denn nicht selbstständig?“) gab Kiaei den Anstoß - „das wollte ich schon immer sein, mir hat aber die entscheidende Idee gefehlt“.

Was sie nicht wollte, war, „den 200. Burger-Laden aufzumachen. Ich wollte etwas finden, was ein Nischenpro- dukt ist.“ Eine Zeitlang fuhr sie zweigleisig: Sie war im Laborfachhandel tätig, ne-benbei legte sie bei der Handwerkskammer eine Prüfung für eine Ausnahmegenehmigung ab. Denn wer backen und außer Haus verkaufen will, muss Konditormeister sein. „Ich wäre fast gestorben, als ich vor den Konditoren backen musste“, erinnert sie sich und lacht. Mit links bestand sie und meldete ein Gewerbe an. Mitte 2015 sagte sie sich: „Mal gucken, wie es so läuft“, ein halbes Jahr später „schlug mein Geschäft ein wie eine Bombe“.

Sie kündigte ihren ur-sprünglichen Job und lebt seitdem leidenschaftlich für ihre eigene Firma „Mundus“. Offenbar der richtige Schritt: Ihre Produkte, ihre Ideen sind gefragt. „Für 2017 bin ich für viele Termine bereits ausgebucht“, kann sie berichten, ohne Aushilfen schafft sie das Auftragsvolumen längst nicht mehr. Elli Kiaei ist trotzdem weiter auf Zack: „Ich bin bestrebt, mein Repertoire zu erweitern.“ Ideen holt sie sich auf ihren Reisen rund um den Globus: „Manche ändere ich dann, damit die Menschen hier nicht gleich Diabetes bekommen“, sagt sie und lacht. Erfolgsgeschichten wie diese sind doch köstlich!

NPVISITENKARTE

Geboren am 21. September 1986 in Teheran. Als sie drei Jahre alt ist, verlässt ihre Familie den Iran: „Meine Mutter wollte ursprünglich nach Los Angeles, fand Hildesheim dann doch cooler.“ Nach der Schule studiert sie Biologie an der Leibniz-Uni und Biomedizin an der TiHo. 2015 macht sie sich mit ihrer Firma „Mundus“ selbstständig. Sie ist mit dem Juristen Martin (30) liiert. Das Paar reist gern, vor allem in die Natur, weil er dort Landschaftsfotos machen kann. www.mundus-hannover.de