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Leben in Hannover Knopp: „Neid muss man sich verdienen“
Hannover Leben in Hannover Knopp: „Neid muss man sich verdienen“
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06:16 19.09.2012
Von Michael Lange
Guido Knopp
Guido Knopp
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Herr Knopp, „Weltenbrand“ ist Ihr Abschiedswerk beim ZDF. Was bedeutet diese Reihe für Sie?
Dahinter steht die Absicht, dass ich zum Abschluss meiner Zeit beim ZDF diese 30 Jahre zwischen 1914 und 1945 in einem, na ja, großen Wurf von acht Sendungen porträtiere. Je mehr Abstand wir von dieser Ära haben, desto mehr wird sie als eine Einheit wahrgenommen, gleichsam als 30-jähriger Krieg des 20. Jahrhunderts. Denn dazwischen gab es keinen wahren Frieden, sondern nur eine Zwischenkriegszeit.

Und die Bilder dazu liefern Sie komplett in Farbe …?
Wenn ich diese Ära schon porträtiere, dann nur mit den modernsten Mitteln. Wir haben in den Archiven dieser Welt vielfach neues Material gefunden und sehr sorgfältig restauriert. Das ist nicht mehr „Opas Kino lebt“, das läuft in normaler Geschwindigkeit, ist HD-fähig und sehr sorgfältig von einer Spezialfirma in Paris koloriert, so dass uns die Menschen der Epoche sehr nahe kommen. Die Distanz, die die alten Materialien erzeugen, wird aufgehoben. Wie die Menschen einen anschauen im Sommer 1914, bevor Europa in die Katastrophe gerät, das ist sehr bewegend. Sie wissen ja nicht, was ihnen blüht.

Ist diese Dokumentation auch ein Abschied vom Publikum?
Vom Publikum nicht. Es ist ein Abschied vom ZDF, aber kein Abschied von der Geschichte und von den Medien. Ich werde den Medien erhalten bleiben. Ob als Produzent, ob als Moderator oder in allen drei Funktionen, habe ich noch nicht entschieden.

Sie werden auch als Deutschlands oberster Geschichtslehrer bezeichnet. Gefällt Ihnen dieses Etikett?
Wenn da Anerkennung der Zuschauer mitschwingt, freut mich das natürlich. Es ist ja so, dass wir mit unserem Geschichtsprogramm im ZDF auf das große Publikum zielen. Wir haben die Chance bekommen, seit mittlerweile 15 Jahren um 20.15 Uhr zu senden, also zur Hauptsendezeit. Deshalb machen wir ein Programm, das nicht nur für den Professor, der eh schon alles weiß oder zu wissen glaubt, nachvollziehbar ist – sondern auch für den Arbeiter, der abends nach Hause kommt und eine spannende Dokumentation sehen möchte, die ihn fesselt.

Dennoch sind Sie heftig angefeindet worden, auch von Historikern. Wie gehen Sie damit um?
Gelassen. Zeitgeschichte ist in Deutschland ein umstrittenes Feld – Zeitgeschichte ist Streitgeschichte. Aber ich habe keinen Nachholbedarf an Anerkennung. Ich habe alle nationalen und internationalen Fernsehpreise gewonnen, die ich gewinnen wollte. Das ist ja ein Zeichen für professionelle Anerkennung. Dass es Menschen gibt, denen das nicht gefällt, ist doch klar. Bei manchen mag auch der Neid eine Rolle spielen. Aber da sage ich immer: Mitleid kriegt man geschenkt, Neid muss man sich verdienen.

Sie haben sich intensiv mit Hitler beschäftigt, Kritiker behaupten sogar, Sie seien von ihm besessen. Was sagen Sie diesen Leuten?
Das habe ich schon mehrfach widerlegt. Jemand hat ausgerechnet, dass ich in den letzten drei Jahrzehnten für 2000 Sendungen verantwortlich gewesen bin. Wenn ich jetzt die Sendungen addiere, in denen Hitler oder Hitlers Helfer eine Rolle gespielt haben, komme ich auf maximal 100. Das sind fünf Prozent. Das Besondere an diesen Sendungen war, dass die Medien sie sehr beachtet haben. Ich würde fast sagen, das war eher eine Besessenheit der Rezensenten von Themen dieser Art.

Welche Projekte würden Sie gern noch einmal angehen?
Wenn ich die historischen Themen, die ich bisher als Dokumentationen verarbeitet habe, als Doku-Drama-Form oder als große Fernsehfilme produzieren könnte – das würde mich sehr reizen.

Wenn Sie eine Zeitreise machen könnten – in welche Epoche würden Sie reisen?
Mein bevorzugtes Ziel wäre das 10. Jahrhundert, die Schlacht auf dem Lechfeld, um dort zu sehen, wie es wirklich gewesen ist zwischen Deutschen und Ungarn. Ich sage das deshalb, weil meine Frau Ungarin ist. In ihrer Schulzeit wurde das erste und letzte Aufeinandertreffen von Deutschen, also Ostfranken und Ungarn, ganz anders dargestellt als in deutschen Geschichtsbüchern. Da würde mich sehr interessieren: Wie war es wirklich – ein rein fiktionaler Wunsch.

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