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Leben in Hannover „Knochenbrecher“ mit viel Bauchgefühl
Hannover Leben in Hannover „Knochenbrecher“ mit viel Bauchgefühl
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22:44 15.04.2015
Von Jörg Meyer
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Hannover

Herr Hanken, wie viel schwarzen Tee haben Sie heute bereits getrunken?

Einen Liter hab ich schon weg. (Es ist zwölf Uhr!) Zwei bis drei Liter am Tag sind für einen Ostfriesen ja nichts Schlimmes. Bei uns in der Küche kocht immer Wasser. Gemütlicher gehts nicht.

Sie sind also am liebsten daheim?

Der Hof ist mein Ruhepol. Und wenn ich mal nicht so gut drauf bin, dann gehe ich in den Stall zu meinem Schimmel. Jumper spürt genau, wie ich drauf bin. Er steckt dann die Nüstern unter meine Achsel, sein Atem bläst wie ein warmer Fön, und die Welt ist wieder in Ordnung.

Also ein Geben und Nehmen: Sie helfen als „Knochenbrecher“ vor allem kranken Pferden. Klingt zunächst eher zerstörerisch. Woher kommt die Bezeichnung?

So nennt man in Ostfriesland alternative Heiler, die Beschwerden unter anderem durch Einrenken lindern. Früher konnte man in den Körper noch nicht hineinsehen und dachte, das Knacken käme daher, dass Knochen brechen.

Sie sind kein Arzt. Woher wissen Sie, was einem Tier fehlt?

Das Nervenfühlen ist der Trick bei der Sache.

Nervenfühlen?

Schwer zu beschreiben. Es ist ähnlich wie beim Scannen. Ich fühle mich in den Körper ein, irgendwann macht es „Klick“ und ich weiß, wo das Problem ist. Das kann man nicht lernen, das wird vererbt. Ich hab das von meinem Opa.

Diese unkonventionellen Methoden rufen auch viele Kritiker auf den Plan. Wie stehen Sie dazu?

Die Leute fragen immer nach dem Warum. Ich sage: Man muss nicht immer alles erklären können. Es ist doch toll, wenn es funktioniert. Die Ge-danken stehen dem Handeln oft im Weg. Schon mein Opa sagte, man solle aus dem Bauch heraus entscheiden. Das tue ich einfach. (Kurze Pause, dann lacht er) Deshalb ist mein Bauch wohl auch so dick ...

Ihr Großvater lehrte Sie aber auch Handfestes, nicht wahr?

Im wahrsten Sinne des Wortes: Von ihm weiß ich nicht nur alles über Heilkräuter, er brachte mir auch bei, alle Sinne einzusetzen. So musste ich zum Beispiel einige Pferdeäpfel in die Hand nehmen, um sie zu begreifen. Wenn ich heute über einen frischen Schiss meine Nase halte, rieche ich an der Säure, ob Blutwürmer drin sind.

Am 30. April sind Sie im Theater am Aegi. Da haben Pferde sicher keinen Zutritt. Was also erwartet die Gäste?

Mit meiner Show möchte ich aufklären: Die Leute haben heute kaum noch Ahnung vom richtigen Hufbeschlag oder Sattel. Aber alles, was wir am Pferd an- und abbauen, hat Einfluss auf die Gesundheit. Die Menschen müssen wieder begreifen, dass die Tiere unsere besten Kumpels sind und nicht nur ein Sportgerät.

Ihre Fans lieben Sie aber auch, weil Sie als Mensch ebenso ungewöhnlich sind wie Ihre Behandlungsmethoden. Wie würden Sie sich beschreiben?

Ich bin eben anders, ein bisschen schräg. Man könnte auch sagen: Ich hab einfach ’ne Macke. Das merkt man allein bei uns auf dem Hof. Da laufen ’ne Menge verrückter Tiere rum. Ich kaufe die exotischsten Hühnerrassen, so dass ich mittlerweile nur noch bunte Eier habe. Zu Ostern muss man also nicht mehr färben. Geil, oder?

Und Ihr Schwein heißt Schnitzel ...

Das ist unsere Diva im Haus mit eigenem Schlammbad.

Die kommt also nicht in die Pfanne?

Nein. Wenn wir Hunger kriegen, müssen die Kinder dran glauben.

Australien, Lima, Peru: Als „Knochenbrecher“ sind Sie bereits viel rumgekommen. Gibt es ein Land, das Sie besonders reizt?

Mit meiner Frau bin ich jedes Jahr in Namibia. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dort irgendwann mal zu überwintern. Das Klima ist ähnlich wie bei uns zu Hause: viel Wind, trockene Luft. Aber ganz weg? Nein. Ostfriesland ist immer noch das schönste Land der Welt.

Tamme Hanken ist mit seiner Show am 30. April (20 Uhr) im Theater am Aegi. Karten gibts ab 33 Euro im NP-Ticket-Shop (Lange Laube 10) oder unter Telefon 0511/12 12 33 33. Heute ab sieben Uhr ist der „XXL-Ostfriese“ auf Radio ffn zu hören - als Überraschung hat Morgenmän Franky Pony Netti ins Studio eingeladen.