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Leben in Hannover Kinderbrücke schenkt Kids ein Lächeln
Hannover Leben in Hannover Kinderbrücke schenkt Kids ein Lächeln
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00:23 19.06.2014
RIESENFREUDE: Die Organisatoren von der Kinderbrücke und die Kinder hatten viel Spaß im Stadion.
RIESENFREUDE: Die Organisatoren von der Kinderbrücke und die Kinder hatten viel Spaß im Stadion.
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Hannover

Vor jedem 96-Heimspiel treffen sie sich. Auf dem Bauwerk, das sie liebevoll „Carsten-Linke-Brücke“ nennen, nach dem einstigen 96-„Fußballgott“ Carsten Linke (48). Auf der Leine-Überquerung zwischen Maschsee und Stadion grillen sie, trinken ein, zwei Bier und gehen dann zum Spiel. Die „Schlangen“ nennen sie sich. 25 bis 30 Leute gehören dazu. „Wir sind ein loser Verbund, wir haben Spaß, Freude am Feiern, sind tolerant und gegen Gewalt“, erzählt Thorsten Milzner (35). Er gehört zu den „Schlangen“ - und ist Vorsitzender des Vereins Kinderbrücke. Der will weniger gut situierten Kindern unvergleichliche Erlebnisse bescheren - zum Beispiel den ersten Stadionbesuch.

„Wir sind beim Fußball zusammengekommen. Dieser Freundeskreis hat uns viele schöne Erfahrungen gebracht. Das wollen wir anderen ermöglichen“, beschreibt der Bauingenieur die Idee hinter dem Verein. Aber die Geschichte der Kinderbrücke ist nicht nur die Geschichte von ein paar Freunden, die sich vom Fußball kennen und Kindern ein paar schöne Stunden ermöglichen wollen. Sie ist auch die von Kai Schelowsky († 38). „Kai war einer, der gut in unsere Gruppe hineingewachsen ist“, erzählt Milzner. „Mit seiner Lebenserfahrung war er schnell einer der Wortführer.“ Schelowsky war es auch, der im kleinen Kreis die Idee Kinderbrücke vorbesprach. Nach Gründung des Vereins im vergangenen Juli wurde der Marketing-Mann zum ersten Vorsitzenden gewählt. Doch kurz darauf - im September vergangenen Jahres - der Schock: Völlig unerwartet starb Schelowsky, mit nur 38 Jahren an einem Herzleiden. „Der nächste Notartermin war dann erstmal nebensächlich“, erinnert sich sein Freund.

Trotz der Bestürzung über den Tod ihres Freundes beschloss die Gruppe weiterzumachen. Alles ging von vorne los: die Besetzung der Ämter, eine zweite Gründungsversammlung. Viel Unterstützung war da: Die Kochstraße, eine Marketing-Agentur und Schelowskys Arbeitgeber, spendeten Einnahmen aus dem Getränkeverkauf bei einer Vernissage. „Kais Eltern baten um Spenden für die Kinderbrücke statt um Blumen bei der Beerdigung“, erzählt Milzner. Der Verein nahm Kontakt mit professionellen Organisationen wie der Hermann-Bödeker-Jugendhilfe auf. Die war begeistert - und hatte gleich zehn Kinder parat, die mitmachten.

So konnte die Planung des ersten Events beginnen. Es gab ein kleines Vortreffen, berichtet der 35-Jährige, um sich kennenzulernen und um die Kinder „ein bisschen heiß zu machen.“ Mit den Kindern ging es zur Stadionführung in die HDI-Arena. „Wir haben dann Trikots gekauft und sie auf dem Rasen überreicht.“

Kein Wunder, dass die Vorfreude bei den Kids auf den eigentlich Stadionbesuch groß war, beim Heimspiel gegen Freiburg - mit vergünstigten Tickets dank 96-Stadionchef Thorsten Meier (49). Zuerst fuhren alle mit der Maschseefähre, dann grillten sie am Südufer am Aspria. „Nach zwei Stunden sind wir über unsere Brücke ins Stadion“, erinnert sich Milzner. Anekdote: „Ein Junge kam mit Stollenschuhen zum Spiel. Er dachte, er könnte mitspielen.“

Fünf solcher Events will die Kinderbrücke jedes Jahr ausrichten, nicht nur beim Fußball übrigens. Aber dafür sucht der Verein noch Kooperationspartner, Sponsoren und Mitglieder.

Trotz gelungenen Starts vermissen die Macher ihr Gründungsmitglied: „Mit Kai wären wir noch weiter“, glaubt Milzner. „Aber wir machen das alles in seinem Sinne.“ Außerdem bleibt Schelowsky als erster Vorsitzender beim Amtsgericht eingetragen. Und natürlich treffen sich die Schlangen weiterhin, vor den 96-Heimspielen auf der „Carsten-Linke-Brücke“.

Christian Franke

www.kinderbruecke-hannover.de