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Leben in Hannover Justizministerin war eine Überraschung zu Silvester
Hannover Leben in Hannover Justizministerin war eine Überraschung zu Silvester
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21:43 29.12.2014
Von Mirjana Cvjetkovic
MÄCHTIGE MINISTERIN: Antje Niewisch-Lennartz ist seit fast zwei Jahren Justizministerin.
MÄCHTIGE MINISTERIN: Antje Niewisch-Lennartz ist seit fast zwei Jahren Justizministerin. Quelle: Nigel Treblin
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Hannover

Eins stellt die Ministerin gleich klar: „Es ist eine absolute Ausnahme, dass sie hier ist.“ Durch ihre markante Brille guckt Antje Niewisch-Lennartz (wird Mittwoch 62) zu ihrem Schreibtisch. Auf dem Ledersessel in ihrem Büro am Waterlooplatz hat es sich Polly gemütlich gemacht: Die siebenjährige Pudeldame gehört eigentlich einem ihrer erwachsenen Söhne - und die Politikerin ist an dem Tag, als die NP sie besucht hat, als Hundesitterin eingesprungen. Und dann war von dem schwarzen Hund auch nichts mehr zu sehen und zu hören.

Das war durchaus anders, als Niewisch-Lennartz auf die Welt gekommen ist: „Ich war eine echt Überraschung“, erzählt die gebürtige Lüneburgerin und lacht, „ich sollte doch erst am 6. Januar kommen“. So wurde es aber der frühe Silvesterabend - um 18 Uhr wurde die kleine Antje als Jüngste von fünf Geschwistern zu Hause geboren. „Dabei hatten meine Eltern Gäste, die wurden dann in der Küche geparkt.“ Lustige Anekdote: Ihr großer Bruder, der für die in den Wehen liegende Mutter die Essensvorbereitung übernommen hatte, kam immer mal wieder mit einer Bratpfanne ins Schlafzimmer zu Mama: „Guck mal, sind die Würstchen jetzt fertig?“

Seit dem feiert die Familie den Geburtstag und Silvester immer zusammen. „Und um Mitternacht darf Plumpudding nicht fehlen“, ergänzt Niewisch-Lennartz. „Also ich finde, an Silvester kann man wirklich gut Geburtstag haben.“ Die NP hofft natürlich auch, dass sie auch in diesem Jahr gut in ihr neues Lebensjahr und 2015 kommt!

So fröhlich und entspannt wie im Kreis ihrer Lieben geht es im Arbeitsalltag der ausgebildeten Juristin aber nicht immer zu: Die Chefin von gut 15 000 Menschen im Land (Richter, Staatsanwälte, Wachtmeister, Bewährungshelfer) hat sich auch in diesem Jahr mit dem Thema Weihnachtsgnade befasst. Nach Einzelfallprüfung hat sie entschieden, dass 91 Inhaftierte, die im Dezember und Januar sowieso entlassen worden wären, schon ein paar Tage vor Weihnachten nach Hause dürfen. „Für jeden ist Weihnachten etwas Besonderes“, erklärt die Ministerin. Und das gelte nicht nur für Häftlinge und deren Angehörige, „sondern auch für Mitarbeiter im Strafvollzug. Auch an die und deren Familien denke ich dann“. Deshalb hat die Ministerin in diesem Jahr an Heiligabend Bedienstete in der Justizvollzugsanstalt Rosdorf besucht - ganz ohne Entourage und Presserummel.

Seit ihrem Amtsantritt im Februar 2013 hat die zweifache Mutter alle Gefängnisse im Land besucht, sich auch mit den Inhaftierten ausgetauscht. „Sie erzählen dann oft, dass sie ihre Familie und Freunde vermissen, zeigen Fotos.“ Manchmal geben sie ihr auch Sätze wie „Das Essen könnte besser sein“ mit auf den Weg. Selbst die Zellen lässt sich die Noch-61-Jährige dann zeigen.

Hat sie denn selbst jemals etwas ausgefressen? Sie überlegt. „Als ganz junge Studentin bin ich mal alkoholisiert Auto gefahren“, scheint sie aus den Tiefen ihres Hirns zu graben. Ein Kommilitone hatte Federweißen mitgebracht, „ich kannte das nicht, es hat wie Limo geschmeckt“. Erst als sie aus ihrem hellblauen VW-Käfer ausgestiegen war, merkte sie, dass eben doch Alkohol drin war. Sie kam also mit dem Schrecken davon und ist auch sonst nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten - gut so als Justizministerin. Und die Zeit in dieser Funktion genießt sie sehr: „Es ist schön, zu gestalten.“ Auch wenn das Zeitbudget für andere Sachen (sie hat mal in zwei Chören gesungen) sehr viel kleiner geworden ist. Deshalb wünschen wir ganz viele tolle Stunden zu ihrem Ehrentag und dem Jahreswechsel!