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Leben in Hannover Julia Zwehl - tierisch gut drauf
Hannover Leben in Hannover Julia Zwehl - tierisch gut drauf
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Von Maike Jacobs
Hannover, Julia Zwehl arbeitet jetzt im Zoo Hannover   (Foto: Frank Wilde)
Julia Zwehl arbeitet jetzt im Zoo Hannover. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Funkelnde Augen, Sommersprossen im Gesicht, die Haare zum praktischen Pferdeschwanz zusammengebunden, Jeans, Polo-Shirt, Turnschuhe - das ist Julia Zwehl.

So sympathisch normal sie jetzt daherkommt, so prominent war sie vor wenigen Jahren in Hannover: Sie gewann als Hockey-Nationaltorhüterin 2004 mit ihrer Mannschaft olympisches Gold in Athen.

Acht Jahre ist das her, optisch hat sich die stets gut gelaunte Frau kaum verändert. Aber ruhiger ist sie geworden. Der ehemalige Wirbelwind, der kaum eine Party ausließ, wirkt gesetzter. Julia Zwehl lebt in einer Wohnung in Vahrenwald, hat kein Auto, sondern fährt Fahrrad. Sie spricht sich gegen den Konsumterror aus - „Ich brauche keine Chanel-Schuhe“ - und für mehr Nachhaltigkeit. Im nächsten Urlaub gehts nach Südtirol, auf einen „Wwoof“-Hof auf einer Alm. „Das sind ökologische Höfe, auf denen man mindestens zwei Tage oder länger mithilft, im Tausch gegen Kost und Logis. Das reizt mich sehr. Ich fahre dort mit einer Freundin hin“, schwärmt Zwehl.

Seit März hat sie einen Job im Zoo. Die gelernte Hotelfachfrau, die zuvor sieben Jahre bei der Agentur Eichels Events gearbeitet hat, ist Projektleiterin für den Bereich „Aktionen“,. Was bedeutet: Sie soll eigene Veranstaltungsprogramme wie die Markttage auf Meyers Hof, die Canadian Night, den Adventskalender entwickeln, planen und realisieren. „Das ist eine neuer Bereich für mich und sehr spannend“, sagt sie und lacht: „Eben eine sportliche Herausforderung.“

Hockey ist heute in Julia Zwehls Leben Vergangenheit. „Ich spiele zweimal im Jahr“, sagt sie. Beim TSV Bemerode, ihrem ersten Verein, war sie immerhin bis vor kurzem noch Kindertorhüter-Trainerin. „Aber jetzt ist die Zeit zu knapp geworden, ich gebe nur noch ab und zu Kinder-Workshops am Wochenende.“ Sie joggt zweimal die Woche, läuft Inliner, spielt Badminton, fährt Rad. „Hockey fehlt mir nicht!“, sagt sie bestimmt, „20 Jahre war der Sport Hauptbestandteil meines Lebens. Aber mit Olympia hat sich dieser Kreis geschlossen. Das Leben bietet noch mehr als nur Hockey.“

15000 Euro hat sie für die Goldmedaille bekommen. Sie war damals Ersatztorfrau, aber in der Vorrunde im Spiel gegen Südafrika auch im Einsatz. Zu ihrer Erfolgsmannschaft von damals hat sie noch Kontakt, mit einigen trifft sie sich auch ab und zu. „Ich bin froh. Der Sport hat mir viele Möglichkeiten eröffnet, ich habe viele Erfahrungen gemacht, gute wie schlechte, die haben mich alle weitergebracht. Aber jetzt hat sich ein neuer Lebenskreis geöffnet.“

36 Jahre ist sie jung, und sie hat viele Träume. Eine Familie gründen gehört nicht dazu („vielleicht mal ein Hund“), aber sie plant lange Reisen - nach Neuseeland und nach Russland. Auch die Ukraine, Polen, Bulgarien würden sie interessieren. Und irgendwann möcht sie gerne „einen Selbstversorgerhof irgendwo im Süden haben.“

Julia Zwehl hatte schon immer ihren eigenen Kopf. Auch das hat sich nicht geändert.