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Leben in Hannover Jenke von Wilmsdorff: Der Mann, der seine Grenzen sucht
Hannover Leben in Hannover Jenke von Wilmsdorff: Der Mann, der seine Grenzen sucht
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16:22 30.11.2014
Von Andrea Tratner
AUF GEFÄHRLICHER MISSION:Im mexikanischen Juaréz begleitetder Extremreporter eine Polizeistreife im Kampf gegen die Drogenkartelle.
AUF GEFÄHRLICHER MISSION: Im mexikanischen Juaréz begleitet der Extremreporter eine Polizeistreife im Kampf gegen die Drogenkartelle. Quelle: RTL
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Hannover

Drogenkrieg in der gefährlichsten Stadt Mexikos und Meditation im Regenwald. Ist Ihr Leben eine Achterbahn?
Hmmm (überlegt), irgendwie schon! Es ist definitiv kontrastreich und extrem. Aber ich reise ja nicht vom Drogenkartell direkt in den Regenwald, sondern lege dazwischen immer Pausen ein. Für das Buch habe ich mir die Erlebnisse aus 14 Jahren herausgepickt, dazwischen führe ich privat ein ganz normales, ruhiges, ausgeglichenes Leben.

Liegen Sie auch mal faul auf dem Sofa?
Aber so was von! Ich hab grad ein neues Sofa gekauft, man kann ganz hervorragend darauf liegen!

Was war die größte Herausforderung Ihres Reporterlebens?
Die Fahrt nach Lampedusa an Bord eines Flüchtlingsbootes, weil sie wirklich sehr gefährlich war. Aber ich habe sie gewagt, weil es solche Bilder vorher nicht gab.

Ist es schwierig, so ein dramatisches Erlebnis in ein TV-Format oder ein Buchkapitel zu pressen?
Im Film waren 32 Minuten Material zu sehen, unterwegs war ich aber 48 Stunden. Ich trenne mich nicht gerne von Dingen aus Zeitgründen, das fällt mir schwer. Im Buch geht es aber vorrangig um meine persönliche Erfahrung. Ich möchte die Einsicht vermitteln, dass wir von vielen Ängsten bestimmt werden, die uns davon abhalten ein freies, selbstbestimmtes Leben zu führen. Ich rede nicht von Tod und Krankheit - diese Ängste sind überlebenswichtig. Aber jeder kennt das Gefühl: Etwas hindert mich, blockiert mich. Angst verkleidet sich geschickt. Aber wenn man diese Angst demaskiert, stellt man fest, dass sie überflüssig ist.

Sie waren ein ängstliches Kind, oder?
Die Angst habe ich kennengelernt als Kleinkind, mit vier, fünf Jahren. Der Kindergarten war der Horror, ich fühlte mich gefangen und wusste nicht, warum. In der Pubertät haben sich andere Ängste angedockt. Ich habe mich peu à peu diesen Ängsten gestellt und sie ausgehalten. Es wurden weniger, ich wurde befreiter. Das war mein persönlicher Weg!

Der Sie durchaus in Lebensgefahr bringt! Was sagen Ihre Freundin und Ihr Sohn dazu?
Die kennen mich nur so (lacht). Sie wissen, dass ich das alles nicht mache, weil ich ein tollkühner Mensch bin, sondern weil ich eine Botschaft habe. Diese Geschichten interessieren mich wirklich, ich möchte sie erzählen. Die Bootsfahrt mit den Flüchtlingen würde ich aber nicht wiederholen.

Wer bremst Sie, wenn es gefährlich wird?
Bremsen muss mich keiner, ich gehe an jede Story mit viel Planung heran. Der einzige, der mich beschützt, bin ich selber. Ich bin sehr vorsichtig und bedacht - auch wenn es oft nicht so wirkt (lacht).

War das auch so beim Experiment, vier Wochen lang exzessiv zu saufen?
Ich habe mir von Medizinern bestätigen lassen, dass das meine Gesundheit nachhaltig schädigt. Es war allerdings schwierig, wieder komplett vom Alkohol runterzukommen, das hat einige Zeit gedauert.

Das angenehmere RTL-Format ist „Jenke - ich bleibe über Nacht“. Bei wem haben Sie am liebsten das Nachtlager aufgeschlagen?
Extrem überrascht hat mich Margarete Schreinemakers. Sie hat sich sehr geöffnet und von ihrem Herzstillstand beim Joggen erzählt - und wie ihr Lebensgefährte sie wiederbelebt hat. Oder der Deutsche Jo Splichal, der vor 30 Jahren in die USA auswanderte, mit seinem Gastronomie-Imperium zum Multimillionär wurde - und über seine Einsamkeit redet.

Bei wem würden Sie gerne übernachten?
Da hätte ich eine Liste! Ganz oben steht die Kanzlerin, auch wenn das aussichtslos ist. Mit Angela Merkel würde ich gerne länger reden. Sie lebt ja, soweit ich weiß, in einer Etagenwohnung zur Miete. Aber die Umgebung interessiert mich in dem Fall gar nicht, das Gespräch könnte auch in einer Hotelbar stattfinden.

Sie wollen 100 000 Menschen davon überzeugen, einen Organspenderausweis auszufüllen. Wie läuft es?
Überraschenderweise sehr gut! Die Leute sind nämlich oft gar nicht gegen Organspende. Viele haben sich noch nicht entschieden, weil ihnen Informationen fehlen und die Skandale sie verunsichern. In vier Wochen haben wir 22 000 Leuten dabei geholfen. Es geht um Aufklärung. Wenn einer trotzdem „Nein“ sagt, dann ist das völlig in Ordnung für mich.

Für 10 000 neue Spender macht sich Jenke zum Affen - beim letzten Mal mussten Sie Ihre Zunge in eine elektronische Fliegenklatsche stecken ...
Genau! Bei 30 000 bin ich wieder dran, da überrascht mich meine Redaktion mit einer Aufgabe. Meistens kostet mich das auch Überwindung (lacht).

Was muss man sich denn im Pavillon unter einer „Lese-Show“ vorstellen?
Ich werde Filmausschnitte zeigen, erzählen, Fragen beantworten - und ich werde singen.

Darf ich fragen, was?
Nein, das dürfen Sie nicht! Aber es wird ein bunter Abend, versprochen.

Montag ab 20 Uhr im Pavillon (Lister Meile 4), Karten kosten 21,55 bis 23,75.