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Leben in Hannover Jante: Dieses Team hat eine Sternstunde
Hannover Leben in Hannover Jante: Dieses Team hat eine Sternstunde
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12:00 03.12.2016
Teamleistung: Diese Mannschaft hat den Stern nach Hannover geholt. Vorne freuen sich Mona Schrader (27) und Tony Hohlfeld (26), dahinter (von links) Ferdinand Kretz (22), Haki Zymberi (44), Jana Hebenstreit (21), Carsten Wolters (22) und Lars Kösel (21). Heute feiert das Team seinen Erfolg – nach Feierabend. Foto: Wilde
Teamleistung: Diese Mannschaft hat den Stern nach Hannover geholt. Vorne freuen sich Mona Schrader (27) und Tony Hohlfeld (26), dahinter (von links) Ferdinand Kretz (22), Haki Zymberi (44), Jana Hebenstreit (21), Carsten Wolters (22) und Lars Kösel (21). Heute feiert das Team seinen Erfolg – nach Feierabend. Foto: Wilde
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Hannover

Was macht ein frisch preisgekrönter Sterne-Koch in seinem ersten Urlaub nach der Michelin-Gala? Ein Praktikum. „Ich werde ein paar Tage bei Sebastian Frank in seinem Restaurant Horváth in Berlin arbeiten“, sagt Tony Hohlfeld (26), als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. „Er ist Österreicher, kocht mit vielen Kräutern, Reduktionen und Ölen“, schwärmt der Mann, der Donnerstag in Berlin zu einem der besten Köche der Welt gekürt wurde: Hohlfeld hat für seine Kochkünste im Restaurant „Jante“ an der Marienstraße einen Michelin-Stern erhalten, er ist der einzige Koch der Stadt, der sich mit der renommierten Trophäe schmücken kann.

Er und seine Partnerin Mona Schrader (27) sind gerade aus der Hauptstadt zurückgekehrt, als die NP die beiden im „Jante“ besucht. „Es war abgefahren, wie in einem Film, Tony musste mich immer kneifen, weil ich dachte, ich träume“, erzählt die Weinexpertin euphorisch und boxt Hohlfeld liebevoll auf die Brust. Die beiden sind nicht mehr nur Geschäftspartner. Irgendwann im Sommer funkte es, Hohlfeld und Schrader sind nun auch ein Liebespaar. „Wir haben ein gemeinsames Restaurant, das ist schon mal wie ein Baby“, sagt die 27-Jährige und lacht, „und weil der Job auch Konflikte mit sich bringt, können wir uns gut streiten, ein echter Vorteil.“

Was wird sich durch den Stern im „Jante“ ändern? „Nichts“, antworten beide gleichzeitig. „Wir drehen jetzt nicht durch und verdoppeln die Preise“, sagt Hohlfeld, „wir haben den Stern bekommen, weil wir so sind, wie wir sind, alles bleibt beim Alten.“ Also werden in dem ehemaligen Toilettenhäuschen am Braunschweiger Platz auch weiterhin die Köche beim Servieren helfen und die Serviceleute in ganz normaler Kleidung arbeiten, „und seinen Fusselbart rasiert sich Tony auch nicht ab“, zieht Schrader ihren Partner auf.

Dennoch: Den Donnerstagabend werden die beiden nie vergessen. „Irgendwann sickerte die Nachricht durch, das war ja alles streng geheim“, erzählt Hohlfeld, „und dann war natürlich die Hölle los.“ Im „Jante“ applaudierten Stammgäste, ein Freund zündete ein kleines Feuerwerk vor der Tür, „das Telefon stand nicht mehr still, Facebook explodierte“, sagt der Koch: „Ich konnte mich noch gar nicht bei allen für die Glückwünsche bedanken.“ Unter den Gratulanten waren auch viele Kollegen – unter anderem Benjamin Gallein (30) von der „Olen Deele“ in Burgwedel, dem Hohlfeld zurückgratulierte: Gallein hatte seinen Stern erfolgreich verteidigt, die „Ole Deele“ ziert der Preis seit sechs Jahren.

Heute Abend, wenn alle „Jante“-Gäste gegangen sind, will der Chef „eine besondere Flasche“ aufmachen und mit seinem Team auf den Erfolg anstoßen. „Ohne die wäre das alles nicht möglich“, sagt der 26-Jährige, der nicht so wirkt, als würde er jetzt abheben. Nach der Party in Berlin lud er seine Mona zum Essen ein. Es gab Currywurst.

Julia Braun