James-Bond-Jubiläum: Experte Siegried Tesche überden 25. 007-Film
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Leben in Hannover Das erwartet 007-Experte Siegfried Tesche von „Keine Zeit zu sterben“
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James-Bond-Jubiläum: Experte Siegried Tesche überden 25. 007-Film

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11:31 27.09.2021
Im Visier: Siegfried Tesche (links) hat das Buch „Ein Quantum Humor“ über die James-Bond-Reihe geschrieben. Der neue Film mit Daniel Craig startet am 30. September.
Im Visier: Siegfried Tesche (links) hat das Buch „Ein Quantum Humor“ über die James-Bond-Reihe geschrieben. Der neue Film mit Daniel Craig startet am 30. September. Quelle: Andrea Tratner, dpa
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Hannover/London

Er ist am 28. September in London bei der Weltpremiere des 25. James-Bond-Films „Keine Zeit zu sterben“. 007-Experte Siegfried Tesche aus Garbsen beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Agentenreihe.

„Keine Zeit zu sterben“ startet als 25. Film der James Bond-Reihe. Stimmt die Zählung eigentlich?

Darüber kann man streiten. Auch „Sag niemals nie“ aus dem Jahr 1983 mit Sean Connery als 007 und die Parodie „Casino Royale“ aus dem Jahr 1967 kann man dazuzählen – in letzterem Film spielten Weltstars wie Peter Sellers, David Niven, Ursula Andress und Daliah Lavi den damals schon berühmten Agenten, auch fünf Regisseure mischten mit.

Wie kam es dazu?

Ian Fleming schrieb seine 007-Romane von 1953 bis 1964, das erste Buch war „Casino Royale“. Es hatte aber nur eine Auflage von 4750 Exemplaren, stieß auf wenig Interesse. Fleming verdiente Geld mit 007-Comic-Strips im Daily Express. Ein TV-Produzent wurde darauf aufmerksam, erwarb die Rechte an „Casino Royale“ und produzierte einen Misserfolg. Allerdings verkaufte er die Filmrechte weiter. Als später Harry Saltzman und Albert R. Broccoli einstiegen, mussten sie auf den ersten Band verzichten und die Reihenfolge für ihre Filme ändern. Als Daniel Craig im Jahr 2006 die Rolle übernahm, war das Rechteproblem gelöst – der „Casino Royale“-Stoff wurde verwendet, um ihn einzuführen.

Reifer Bond: 1983 drehte Sean Connery mit Kim Basinger „Sag niemals nie“ – in der offiziellen 007-Zählung taucht der Film aber nicht auf. Quelle: Bert_Reisfeld

Und warum scherte „Sag niemals nie“ aus der offiziellen Zählung aus?

Auch hier liegt ein Rechtsstreit zugrunde, der Film erzählt ja quasi die Geschichte aus „Feuerball“ nach. Produzent Kevin McClory besaß Teilrechte an dem Roman von Ian Fleming, durfte ihn eng an der Vorlage neuverfilmen. Sean Connery war schon über 50, aber er machte bei diesem Konkurrenzfilm mit, weil er unzufrieden war mit Saltzman und Broccoli.

Woran lag das?

Er wurde in den ersten Filmen in Sachen Gage mit Almosen abgespeist, hatte in seiner James-Bond-Zeit wenig Freiraum, um auch andere Filme zu drehen. Connery hatte sich schon bei seiner Rückkehr für „Diamantenfieber“ revanchiert und mit 1,2 Millionen Dollar die damals höchste Gage aller Zeiten kassiert.

„Keine Zeit zu sterben“, der 25. Bond, wurde etliche Male verschoben. Was erwarten sie?

Ich bin gespalten. Es waren fünf Drehbuchautoren am Werk, es kam zur Trennung von Regisseur Danny Boyle, sein Nachfolger Cary Joji Fukanaga hatte zuvor nie einen Actionfilm gedreht. Neun Minuten des Films konnten Brancheninsider bereits sehen, mit 163 Minuten ist es der längste Bond aller Zeiten. Und Daniel Craig hat von allen Bond-Darstellern am meisten abgekriegt – in fünf Filmen fünf Verletzungen.

Letztes Kapitel: Daniel Craig spielt definitiv zum letzten Mal James Bond in „Keine Zeit zu sterben“. Quelle: Sebastian Kahnert

Wie geht es denn weiter?

007 hat Zukunft, „James Bond will return“ steht im Abspann. Als Schauspieler steigt Daniel Craig aus, er ist aber zuletzt sogar Co-Produzent gewesen. Man darf gespannt sein, wie er sich weiterhin einbringt. Als Nachfolger kursieren viele Namen, aber viele dieser Schauspieler sind mit Mitte 40 schon zu alt. Meine These: Der neue Bond ist noch kein Weltstar, der festgelegt auf bestimmte Rollen wäre, er ist Anfang bis Mitte 30 und wird für drei Filme unterschreiben. Was ich schade finde: 2022 hätte die Reihe 60. Geburtstag, aber einen Jubiläumsfilm wird es nicht geben.

Von Andrea Tratner