Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Leben in Hannover Wie Träume in die Texte von Stefan Gwildis kommen
Hannover Leben in Hannover

Insel Wilhelmstein: Stefan Gwildis spielt am Steinhuder Meer

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:49 08.09.2021
Bezaubert seine Fans mit neuem Look: Stefan Gwildis trägt sein Haar seit einiger Zeit länger.
Bezaubert seine Fans mit neuem Look: Stefan Gwildis trägt sein Haar seit einiger Zeit länger. Quelle: Facebook/Stefan Gwildis
Anzeige
Hannover

Auch ihm hat Corona zu schaffen gemacht, jedoch hat sich Stefan Gwildis (62) von der Pandemie nicht in die Knie zwingen lassen und weitergemacht. Entstanden sind ein paar neue Songs, die er im am 11. September in der Region Hannover präsentieren will.

Herr Gwildis, was hat es mit den 18 Zugaben während eines Konzertes in Hamburg auf sich? Konnten Sie nicht genug vom Publikum bekommen – oder das Publikum nicht von Ihnen?

Das war eine Wechselwirkung. Wir haben einfach alle ordentlich auf die Kacke gehauen, es war ein geiles Konzert. Die Location kenne ich, habe meinen 60. Geburtstag auch in der Elbphilharmonie gefeiert. Da waren wir mit den Kieler Philharmonikern, Band, Soul- und Gebärdenchor allerdings gut 100 Leute auf der Bühne. Jetzt habe ich ohne doppelten Boden und Fangnetz gespielt, konnte mich so richtig austoben und Dinge machen, zu denen ich sonst gar nicht komme.

Die Elphi ist ein ja ein besonderer Bau in Hamburg, bei uns in der Region spielen Sie auf der Insel Wilhelmstein. Was ist Ihnen lieber – Stadt oder Land?

Die Mischung ist mir wichtig. Ich liebe Konzerte in der Elphi, spiele aber auch in Gärten und Wohnzimmern. Das macht mir großen Spaß. Ich habe Kollegen, die nur in großen Arenen unterwegs sind und sein wollen, das finde ich absolut reizlos. Knetemäßig ist das sicher toll, aber bei unterschiedlichen Spielstätten habe ich die Möglichkeit, in unterschiedlichen Formationen und mit unterschiedlichen Inhalten aufzutreten.

Seit Jahrzehnten im Geschäft: Bis heute ist Stefan Gwildis vielseitig mit seiner Musik. Quelle: Facebook/Stefan Gwildis

Einer Ihrer neuen Songs heißt „Sand von Sylt“. Was hat es damit auf sich?

Das Lied ist aus einem Traum entstanden. Ich habe von einer Frau geträumt und das dann aufgeschrieben.

Erinnern Sie sich gleich nach dem Aufwachen?

Ich habe auf meinem Nachtschrank Zettel und Stift liegen, schreibe auf, was morgens im Kopf ist. Daraus ist schon viel Tolles entstanden. Aber auch Trauriges.

Zum Beispiel?

Ich habe mal von einem Menschen geträumt, der aus dem Fenster geflogen ist, auch richtig fliegen konnte. Zwei Tage später hat sich der Pianist Ralf Schwarz das Leben genommen. Das war schon unheimlich. Daraus entstanden ist das Lied „Das mit dem Glücklichsein“.

Was hat Sie zuletzt glücklich gemacht?

Die Arbeit, die Musik. Das ist das, was mich aufgebaut hat. Coronabedingt musste ich 120 Konzerte absagen. Ich November war ich pleite, habe einen fetten Kredit aufgenommen, weil ich weiter produzieren wollte. Und ich habe mich unfassbar schwer verliebt, laufe herum wie so ein 14-Jähriger, den es das erste Mal erwischt hat (lacht).

Hat das etwas mit der Frau aus dem Traum zu tun?

Ja (lacht). Auf Sylt waren wir aber noch nicht, ich hoffe, dass wir das im Herbst machen können.

Warum eigentlich Sylt?

Ich bin ein großer Fan der nordfriesischen Inseln – Amrum, Pellworm, Föhr. Und Sylt habe ich ins Herz geschlossen, als ich mal mit Joja Wendt ein Benefizkonzert für die Lister Feuerwehr gespielt habe. Mein Sylt-Tipp: Morgens mit dem Rad von Kampen nach List fahren. Wenn sich die aufgehende Sonne den Weg durch den Nebel über dem Wattenmeer bahnt, ist das ganz große Klasse.

Stefan Gwildis

*22 Oktober 1958 in Hamburg. Sein Vater war Reifenhändler, die Mutter Hutmacherin. Nach der Schule absolviert er 1979 eine Ausbildung in Fecht- und Stuntszenen am Hamburger Thalia-Theater. Drei Jahre später gründet er ein Musikduo, ist parallel als Lagerarbeiter, LKW-Fahrer, Sonnenbankaufsteller und Weihnachtsmann tätig. In den Folgejahren ist Gwildis mit unterschiedlichen Formationen unterwegs, deutschsprachige Soulmusik ist sein Markenzeichen. Mit Rolf Claussen und Joja Wendt (57) veröffentlicht er als „Söhne Hamburgs“ mehrere Alben. Stefan Gwildis tritt oft mit dem inklusiven Gebärdenchor „HandsUp“ auf, außerdem war er im „Tatort“ sowie im St. Pauli Theater zu sehen. Er lebt bei Hamburg und hat einen Sohn, Friedrich (17). Infos unter www.stefangwildis.org

Sind Sie Frühaufsteher?

Für solche Erlebnisse schon. Sonst bin ich eher Nachtmensch. Aber manchmal ist die Nacht auch einfach nur lang genug.

Einige Ihre Fans freuen sich über Ihren neuen Look vor allem über die langen Haare. Ein Corona-Überbleibsel oder das Ergebnis Ihres Verliebtseins?

Das dokumentiert beides. Schon lustig, dass sich Menschen mit meinem Äußeren beschäftigen. Zuletzt musste ich mir schon öfter die Frage anhören, was mein Friseur beruflich eigentlich macht.

Haben Sie die auftrittfreie Zeit genutzt, um endlich Noten zu lernen?

Nein. Die Energie bewahre ich mir für andere Dinge auf. Noten würde ich lernen, wenn ich mal eine kapitale Strafe im Gefängnis abzusitzen hätte. Aber mordlustig bin ich zurzeit wirklich nicht. Wenn dann ärgere ich mich über das Finanzamt, das mir alle drei Jahre einen Besuch abstattet und akribisch die Räume ausmisst.

Mit den „Söhnen Hamburgs“: Stefan Gwildis (rechts) trat mit Joja Wendt und Rolf Claussen im Theater am Aegi auf. Quelle: Samantha Franson

Wie hat sich die Pandemie auf Ihre Musik ausgewirkt?

Die Haltung „Jetzt erst recht!“ hat sich eindeutig niedergeschlagen. Mein Großvater, ein Hamburger Tischlermeister, hat mir immer gesagt: „Stefan, es kommt darauf an, was man daraus macht“. Ein grandioser Satz. Man kann einen fetten Blues schieben oder eben etwas aus der Situation machen. Es sind Lieder wie „Dreh Dich“ und „Sommer in der City“ entstanden, schwungvolle Songs, die beflügeln und Trost geben.

Sie freuen sich, dass die Erntezeit begonnen hat. Was mögen Sie besonders gern?

Ich war neulich Pilze sammeln im Wald, das war so großartig. Es gibt die Standardsorten wie Steinpilze, Butterpilze, Maronen. Ich habe auch ein paar Tintlinge und Hasenpfoten aufgetan. Oder die Krause Glucke: Sie sieht aus wie ein Gehirn, ein großer weißer Ball. Mit ein bisschen Speck, Sahne und Muskat zubereitet ein wahres Gedicht.

Stefan Gwildis spielt am 11. September sein „Best of live“ mit Jazztrio auf der Insel Wilhelmstein. Beginn ist um 20 Uhr, Tickets kosten 71,25 Euro. Außerdem ist Stefan Gwildis am 30. September im Theater am Aegi zu Gast, tritt dort ab 20 Uhr in ganz anderer Formation mit seinem Bandleader und Produzenten Tobias Neumann auf. Karten gibt es ab 37,25 Euro in den NP-Ticketshops (etwa Lange Laube 10) oder online unter neuepresse.de/tickets

Von Mirjana Cvjetkovic