Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Leben in Hannover Ingrid Lange: Politik bleibt ihr Leben
Hannover Leben in Hannover Ingrid Lange: Politik bleibt ihr Leben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:15 23.08.2012
IST WEITERHIN ENGAGIERT: Ingrid Lange (vorne) mit Mareike Abel und Uwe Meyer vom Kulturzentrum Faust.
IST WEITERHIN ENGAGIERT: Ingrid Lange (vorne) mit Mareike Abel und Uwe Meyer vom Kulturzentrum Faust. Quelle: Surrey
Anzeige
Hannover

Pressekonferenz in der Kulturfabrik Faust - alle reden, alle haben was zu sagen, alle finden sich toll.

Nur eine sagt nichts: eine kleine Frau, schon ein bisschen knitterig, älteres Semester.

Ingrid Lange, 75 Jahre alt, ein Lachen und kluge Augen im Gesicht.

Ingrid wer? Ach ja, Ingrid Lange - die war doch bei den Grünen. Die war doch Bürgermeisterin. Die wurde doch im Bezirksrat Ahlem-Badenstedt ziemlich mies abserviert.

Wollte Lange nicht aufhören?

Ja, das wollte sie. „Das politische Tagesgeschäft ist zu Ende“, sagt sie. Aber die Politik noch lange nicht: „Seit November bin ich im Vorstand von Faust: das passt zu der politischen Arbeit, die ich vorher gemacht habe.“

Warum?

„Vielleicht wird bei Faust nicht die Musik abgedeckt, die ich mag. Ich bin ja auch schon älter. Aber das Anliegen, für das die Menschen hier stehen, das passt zu mir.“

Das Anliegen von Faust ist es, inhaltlich zu arbeiten und fortschrittlich zu sein. Lebendig. Vielschichtig. Frei. Ernsthaft: „Ich finde mich darin wieder. Das ist nicht konservativ. Das ist aufregend. Hält mich jung.“ So etwas gefällt Lange, denn „ich bin neugierig geblieben“.

Ingrid Lange ist in Linden, in der Lampestraße Nummer 6, als Tochter eines Busunternehmers und Zauberers geboren worden. Sie hat ein paar Semester Jura studiert, einen Ingenieur geheiratet, zwei Jungs das Leben geschenkt und bei den Historikern im Hörsaal der Uni in den 80er Jahren noch mal Platz genommen.

Der Titel ihrer Magisterarbeit spiegelt ihre Neigungen wider: „Politische Emanzipation von Jugendlichen am Beispiel des ersten Golfkrieges.“

Als politischer Mensch ist sie erstmals öffentlich in Erscheinung getreten, als sie die überzeugende Stimme jener Menschen war, die in Lindener Kirchen um Asyl ersucht hatten.

2001 dann das Mandat als Ratsfrau. Lange ist ein zäher Braten, ruck, zuck war sie Bürgermeisterin. „Die politische Arbeit“, sagt sie, „ist harte Arbeit und kostet viel Kraft. Man muss schon Stehvermögen haben - ich hatte das.“

Schön wars im Rathaus: „Das Amt schmeichelt einem schon.“ Ja, sagt sie, „ich vermisste schon was: die netten Pförtner, das eigene Büro. Aber ich bin nicht bitter, auch wenn ich mir einen anderen Abschied von der Politik gewünscht hätte als den, den ich gehabt habe.“

Sie wird nicht bestimmt, versichert sie, durch verletzte Eitelkeit. Allerdings: „Ich möchte Einfluss nehmen auf den Lauf der Dinge. Ich liebe Gerechtigkeit und Chancengleichheit. “

Dafür setzt sie sich noch immer ein: Bei Faust und im Migrationsausschuss, im Kirchenvorstand Badenstedt, beim Weißen Ring, im Freiwilligen Zentrum und im Beirat der Justizvollzugsanstalt. „Man hört“, sagt Lange, „ja nicht einfach auf, ein politischer Mensch zu sein. Das bleibt ein Leben lang.“