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Leben in Hannover Ihr Glück zu dritt in der Altstadt
Hannover Leben in Hannover Ihr Glück zu dritt in der Altstadt
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13:46 19.04.2014
Von Andrea Tratner
Hannonver, "Hannoversche Liebesgeschichten", GOP-Chef Dennis Mayer und Josephine Bohneke
Hannonver, "Hannoversche Liebesgeschichten", GOP-Chef Dennis Mayer und Josephine Bohneke Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Der Ballhofplatz, das ist schon ein ganz zentraler Platz der Liebe für mich. Hier laufen so einige Äste zusammen. Diesen Platz habe ich schon immer geliebt, diese Ruhe in der Altstadt. Hier hatten wir eine tolle Zeit, als das GOP umgebaut wurde und wir am Ballhof gespielt haben. In der Seitenstraße habe ich gewohnt. Und hier habe ich auch mit Josephine die Liebe meines Lebens gefunden.

Einen Jahrestag haben wir im engen Sinne nicht. Wir kannten uns ja schon lange, durch Josephines Vater, Günther Bohnecke, der ja schon lange viel für das Leben in der Altstadt tut. Wir hatten auch schon in der GOP-Zeit am Ballhof eine Kooperation mit dem Teestübchen. Und im Frühjahr 2012, da kamen wir uns so langsam näher und irgendwann dann auch zusammen. Wir haben das nicht an die große Glocke gehängt, aber auch kein Geheimnis draus gemacht. Durch unsere Arbeit kennen wir viele Leute, und so gehen wir zu Veranstaltungen auch sehr gerne zusammen. Aber nach vorne gedrängt haben wir uns nie. Und ein Pressevertreter, der sonst immer gut im Stadtleben informiert ist, der hat das auch erst ein Jahr später gemerkt.

Ich liebe die Gamla Stan, die historische Altstadt Stockholms mit ihren Gassen und den Häusern mit ihren bunten Fassaden. Josephine und ich waren da auch schon mal zusammen. In Hannover hat mich die Kreuzstraße an die Gamla Stan erinnert. 2008 konnte ich dort in eine Wohnung ziehen, war endlich in der Altstadt. Wenn ich dann vom Georgspalast zu Fuß nach Hause gegangen bin, an der Kreuzkirche vorbei in die kleine Straße mit den wunderbaren Fassaden, dann war das wie in einer anderen Welt.

Heute wohne ich nur ein paar Meter weiter. Ein bisschen schuld daran war eine Erkältung. Es war der 30. November 2012. Das GOP feierte 20. Geburtstag, eine große Show war geplant, ich sollte auf der Bühne moderieren. Aber es ging einfach nicht. Ich wollte unbedingt, aber die Grippe hatte mich erwischt. Als der Arzt dann noch etwas von einer drohenden Lungenentzündung sagte, kapitulierte ich und blieb liegen. Josephine organisierte dann einen Krankentransport in ihre Wohnung über dem Teestübchen. Und seitdem wohne ich dort, mit Josephine.

Es ist ein großes Glück für mich. Man muss wissen, ich wache jeden Morgen mit dem Geruch von frischem Apfelkuchen auf. Manchmal sitzen wir abends, wenn nicht so viel los ist, auf dem Ballhofplatz und trinken einen Wein nach Feierabend. Aber Josephine ist als Geschäftsführerin des Teestübchens auch immer erreichbar, und ich bin im GOP auch sehr eingespannt. Da ist es gut, dass wir jeweils auch Verständnis für den anderen haben.

Josephines Eltern wohnen in Herrenhausen. Ihre Mutter Ute verwöhnt uns dort oft mit ihren Kochkünsten. Und wir vereinbaren vorher, welchen Charakter das Essen haben soll. Reden wir über das Geschäft, dann ist das ein Arbeitsessen in der Küche. Hat das Geschäftliche mal Pause, so ist das unser „Ambiente“-Essen mit Blick in den Garten. Und dann geht es auch wirklich nur ums Private. Josephine und ich, wir halten das auch so. Wir nehmen uns unsere Auszeiten, fahren auch mal spontan weg, nach Hamburg oder, wie im Januar, zu einem herrlich ruhigen Urlaub in der Schweiz. Kein Skifahren, kein Chichi, nur Ruhe und schöne Bücher. Vielleicht klappt das auch irgendwann mit dem Steg. Denn ich hätte einfach gerne einen Holzsteg, mit Wasser natürlich. Und mit einer kleinen Hütte, in Schweden oder Dänemark vielleicht. Ein Ort zum Ausspannen und Segeln.

Josephine und ich wollen sehr gerne Kinder. Eins würde vielleicht noch in die Wohnung am Ballhof passen, aber ab dem zweiten ... Schwierig. Uns würde ein Umzug schon schwerfallen, auch wegen des grünen, stillen Innenhofes. Vielleicht finden wir etwas Schönes in Herrenhausen, mit einem Garten. Es wäre schade, aus der Stadt raus zu sein. Aber für zwei Perfektionisten wie Josephine und mich wäre es auf der anderen Seite auch ein Vorteil, ein paar Minuten von der Arbeit entfernt zu sein, gerade für Josephine, die ja direkt über ihrer Arbeit wohnt.

In jedem Fall wir freuen uns auf die Zukunft. Manchmal, da spinnen wir schon ein bisschen rum. Dass wir ein halbes Jahr in New York oder Kopenhagen verbringen könnten, wenn der Sohn oder die Tochter da studiert. Und dass wir unsere Zeit in Ruhe genießen können, wenn die nächste Generation für das Teestübchen gefunden ist. Und dass die Kinder auf keinen Fall Artisten werden dürfen. Wenn wir darüber reden, dann ist da auch viel Spaß dabei. Bis dahin haben wir Spaß mit unserem ersten „Kind“, dem Flat Coated Retriever Flynn. Für mich war der Jagdhund keine Liebe auf den ersten Blick, obwohl er als Welpe natürlich total süß war. Aber mittlerweile ist er mir unendlich ans Herz gewachsen. Er begleitet Josephine bei der Jagd, mich beim Joggen Richtung Maschsee. So haben wir zu dritt unser Glück in der Altstadt gefunden.

Aufgezeichnet von NP-Autor Gerd Schild