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Leben in Hannover Hier erfüllt sich Samuel Koch einen Traum
Hannover Leben in Hannover Hier erfüllt sich Samuel Koch einen Traum
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00:15 29.11.2013
Von Mirjana Cvjetkovic
TRAUMERFÜLLUNG:
Im August machte Samuel Koch in
den österreichischen Bergen einen
Gleitschirmflug.
Fotos: ZDF/Enrico Mock
TRAUMERFÜLLUNG:Im August machte Samuel Koch inden österreichischen Bergen einenGleitschirmflug.Fotos: ZDF/Enrico Mock
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Hannover

Hilflos liegt Samuel Koch (26) auf einem Bett, seine gelähmten Arme zucken. Es sind Krämpfe. Mal wieder. Sein Bruder Jontahan (17) sitzt auf ihm drauf und drückt behutsam auf seinen Oberkörper. Der Schleim, der in Samuel Kochs Lungen sitzt, soll sich lösen. Nur so kann der 26-Jährige abhusten. Seine eigene Muskulatur kann das nicht mehr allein leisten. Eine Prozedur, die der Mann, der durch seinen tragischen Unfall bei „Wetten dass ..?“ vor fast drei Jahren tragische Berühmtheit erlangte, mehrmals täglich über sich ergehen lassen muss.

„Es fällt mir schon schwer, das filmen zu lassen“, sagt Koch über eine solche Situation, in der er ausgeliefert ist, „aber ich kann nicht immer nur die ganze Zeit so ein Bühnenleben repräsentieren, in dem ich abgeleckt daherkomme und durchgestylt auf die Bühne gesetzt werde.“ Es sind wirklich herzzerreißende Bilder, die ein TV-Team für die ZDF-Reihe „37 °“ (heute, 22.15 Uhr) gemacht hat. Ein Jahr hat es Koch begleitet. Es ist ein Film, der 28,5 Minuten lang unter die Haut geht und einen Blick in den Alltag des Hochleistungssportlers von einst zeigt. Sein neues Leben aber steht im Fokus von Rundum-Betreuung, Ergotherapie und dem ständigen Aushalten von Schmerzen - auch den seelischen.

„Es ist Selbstgeißelung, hier zu sitzen und zu sehen, wie andere mit Kindern spielen“, sagt Koch, als er auf einem Spielplatz in der Calenberger Neustadt, seinem Wohnort, sitzt. Dabei wollte er heiraten und Papa werden und mit seinen Kindern Fußball spielen: „Das steht auf der Liste von Dingen, die ich vermisse, ganz oben.“

Auch für gesunde Menschen so selbstverständliche Dinge wie Autofahren (für Koch ein unvorstellbarer Gewinn an Freiheit und Selbstständigkeit), ein Getränk zu sich zu nehmen (er übt unermüdlich, einen Becher zu greifen und zum Mund zu führen) und aufrecht zu sitzen (neuester Fortschritt in der Ergotherapie) werden in der Doku thematisiert.

Aber auch Abende mit Freunden im Café Safran an der Glocksee kommen in dem Film vor. Wenn Koch mit seinem Elektro-Rolli durch die Stadt fährt, „dann nervt mich keiner, dann bin ich allein“. Er hat nämlich diese Sehnsucht, ganz für sich zu sein. Dann sitzt er auf der Brücke am Ihme-Zentrum und beobachtet Menschen.

„Der Unfall hat mich gelehrt, Momente zu genießen und das Leben noch mehr zu schätzen, als ich es vorher getan habe. Das Leben ist kostbar und ein tolles Geschenk - öfter lohnenswert, als man denkt“, resümiert er. Das spürte Samuel Koch zuletzt im August, bei einem Gleitschirmflug in den österreichischen Bergen. Ein Traum, der Wirklichkeit wurde.