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Leben in Hannover Henssler bringt das Aegi zum Kochen
Hannover Leben in Hannover Henssler bringt das Aegi zum Kochen
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18:22 13.05.2014
Von Mirjana Cvjetkovic
BEGEHRTER TYP: Steffen Henssle rhat mehrere TV-Shows und ist mitfrischem Programm auf Tour.
BEGEHRTER TYP: Steffen Henssler hat mehrere TV-Shows und ist mit frischem Programm auf Tour. Quelle: Philipp Rathmer
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Herr Henssler, bei so vielen Shows in TV und Theater, die Sie gerade machen: Kommen Sie überhaupt noch dazu, mal richtigen zu kochen?
Joa, schon. Ich koche ja richtig! In Shows und auf der Bühne. Es ist zwar etwas anderes, aber ich koche.

Was gab es beim richtigen Kochen zuletzt?
Im echten Leben gab es Petersilienkartoffeln, Ofenkürbis und Salat mit Fenchel.

Sie sind ja viel in der Welt herumgekommen: Wo und weshalb waren Sie fassungslos beim Anblick der Speisekarte?
Fassungslos ist man als Koch nie. Aber zum Beispiel in Peking herrscht eine ganz andere Essenskultur, die Leute essen anders, sie verwerten anders - nämlich alles. Es wird nichts weggeschmissen. Vom Schwein gibts dann Füße, Ohren, Zunge, alles.

Gab es gar keinen Bäh-Effekt?
Doch. Bei Wildpferdepenis. Den habe ich abgelehnt. Das ist dort aber eine Delikatesse.

Apropos: Was haben Sie als Kind eigentlich noch nicht mal mit der Gabel angerührt?
Leber und Rosenkohl. Das war und ist gar nicht meine Welt. Wenn es das Letzte auf der Welt wäre, würde ich Rosenkohl heute vielleicht essen. Leber ganz bestimmt nicht.

Gibt es irgendetwas, das Sie heute dafür umso mehr mögen?
Als Kind hat man es ja nie mit Gemüse oder so. Aber ich hatte Glück, mein Vater war ja Sternekoch, ich bin mit Artischocken, Steinbutt und so weiter groß geworden. Als Kind habe ich einfach alles probiert, ich bin so erzogen worden. Steak zum Beispiel habe ich früher nicht so gerne gemacht, heute schon.

Thema vegan: Hype oder ungesund? In Hannover waren neulich 5000 Leute bei einem veganen Frühlingsfest.
Ernährungs- und diättechnisch wird ja immer eine Sau durchs Dorf getrieben. Jetzt gerade ist es die vegane. Es zeigt ja, dass die Leute sich Gedanken machen, was sie essen. Ich vermag das nicht zu beurteilen, vegan ist nicht so meine Welt, die vegetarische schon. Die hat sich ja auch in Restaurants durchgesetzt. Aber das muss jeder für sich selbst wissen. Trends, egal, wie man sie findet, zeigen, dass das Bewusstsein geschärft wird.

Wie oft sind Sie eigentlich noch in Ihren beiden Restaurants?
Oft genug, dass ich weiß, was da läuft (lacht). Und ich kenne die Menüs. Ich bin sicher nicht so oft da wie früher, aber ich habe jetzt auch ganz neue Möglichkeiten, andere Dinge zu machen. Und an alle, die in Schubladen denken: Das geht auch alles sehr gut.

Wenn Sie in Ihren Läden sind: Welcher Satz von Gästen nervt Sie da am meisten?
(lacht). Man kennt doch die Standardsprüche wie „Ach, sind Sie auch mal wieder da?“. Oder „Was soll ich essen?“. Wenn mich einer fragt „Was empfehlen Sie?“, zitiere ich einfach meinen Vater.

Und der hat was geantwortet?
Ein anderes Restaurant (lacht).

Ein Blick in die Zukunft: In welche Richtung wird sich die Speisekarte verändern?
Das ist schwer vorauszusehen, sonst würde ich das schon berücksichtigen. China wird mehr kommen, auch in der gehobenen Gastronomie. Fleisch wird es nicht mehr so oft geben, genau wie bestimmte Fischsorten.

Und wohin geht unsere kulinarische Reise?
Zum einen werden die Leute mehr selbst kochen, weil sie es sich wert sind und sich gut ernähren wollen. Gleichzeitig wird die Industrie immer intelligenter und trickreicher. Zum Beispiel entwickeln Hersteller von Tiefkühlpizzen gerade eine „Folie“ aus Maisstärke, die man mitbacken kann. Kaum zu glauben, dass viele nicht wissen, dass man das Plastik vorher abmachen muss ... (lacht). Die Schere wird kulinarisch immer weiter auseinandergehen.

Eins zum Schluss: Gucken Sie Kochshows?
Selten. Und dann meine. Aber eher als Kontrolle, ob das, was man gemacht hat, auch gut war.