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Leben in Hannover Heino Superstar: „Wir legen nach“
Hannover Leben in Hannover Heino Superstar: „Wir legen nach“
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11:41 01.03.2013
AUF SENDUNG: Schlagerbarde Heino
 plauscht im ffn-Studio mit Moderator 
Dominik Schollmayer. Gut zwei Stunden 
hat er sich für den Besuch Zeit genommen.
AUF SENDUNG: Schlagerbarde Heino plauscht im ffn-Studio mit Moderator Dominik Schollmayer. Gut zwei Stunden hat er sich für den Besuch Zeit genommen. Quelle: Rainer Droese
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Erst mal will die Schranke am ffn-Funkhaus nicht hoch. Heino (74) sitzt im blauen Bus auf dem Beifahrersitz, gestikuliert, freut sich. Herrlich, dieser ältere Herr in schwarzer Lederjacke mit platinblondem Haar und omnipräsenter dunkler Sonnenbrille, den derzeit nichts von seiner guten Laune und den Popsendern der Republik fernhalten kann. Alle wollen Heino, weil Heino jetzt rockt und sogar Download-Rekorde bricht (der beste Beweis, dass eine neue Generation von Fans am Start ist). Der Fahrer findet schließlich den richtigen Knopf, die Schranke gibt auf, und Heino Superstar ist auf dem Gelände.

Mit im Gepäck hat der Rheinländer seine Liebste Hannelore (70), und während er die Treppe hochstapft, entscheidet sich die Gattin doch lieber für den Lift. Dafür hat sie Geschenke für Programmchefin Ina Tenz (41) dabei: Vorweg gibts die köstlich-cremige Haselnuss-Heino-Torte, dann Weingummi-Heinos und obendrauf den Jutebeutel. Gleich beim ersten Anblick des Ehepaares Kramm (so der bürgerliche Nachname) wunderts also überhaupt nicht, dass Heinos neue Scheibe „Mit freundlichen Grüßen“ heißt.

Er lächelt, macht Witzchen über ffn-Moderator Dominik Schollmayer (30) („Ein paar Pfündchen hast du aber zu viel“), lacht aber auch über sich selbst: „Ist Heino cool oder uncool?“, hatte der Sender seine Hörer vorab gefragt. „Ich bin bereit für die knallharte Wahrheit“, erwidert der und muss sich dann tatsächlich auch so manch frechen Spruch anhören, „wenn alle meine Fans wären, müsste ich 80 Millionen Tonträger verkaufen. Das wäre doch furchtbar.“

Kein Wunder, dass er so breit lacht und grinst - wartet doch in der nächsten Woche schon wieder eine goldene Platte auf den 74-Jährigen.

Dass es in Zukunft noch mehr „freundliche Grüße“ an die Kollegen aus Rock, Pop und Punk geben wird, daran lässt Heino in Hannover keinen Zweifel: „Wir haben im Studio ja jede Menge Lieder aufgenommen.“ Auch von den Toten Hosen (deren Sänger Campino, 50, Heino soeben als „30 Jahre Aushängeschild deutscher Hässlichkeit“ diffamiert hat) habe man noch den „Alex“ im Köcher. „Jetzt lassen wir das Jahr erst mal vorübergehen“, sagt Heino, „und dann legen wir bestimmt nach.“

Und längst nicht alle Rockmusiker sind dem Projekt abhold. Wohl gabs die entsetzten Ärzte und naserümpfenden Oomph, aber Fanta 4 und Westernhagen fandens richtig gut. Manche gestandenen Deutschrocker waren gar gekränkt, weil sie außen vor blieben: „Der Udo Lindenberg hat bei einem Freund nachfragen lassen, warum ich keins seiner Lieder genommen habe.“ Wäre dann nicht ein Duett mit Udo ein Highlight für „Grüße 2“? Heino lacht: „Genau das habe ich ihm heute vorgeschlagen.“ Im Sommer gehts auf Tour. Für die Konzerte werden auch die „Haselnuss“ und „Schwarze Barbara“ so umarrangiert, dass sie ins Programm von Rocking Heino passen. „Ist ja alles nur Viervierteltakt. Während sich bei Rocksachen die Töne innerhalb einer Oktave bewegen“, sagt Heino und grinst wieder sein Grinsen, „braucht man bei meinem ,Enzian‘ drei Oktaven Stimmumfang.“

Der ffn-Studiohund Bizkit hält sich strikt an Heinos Frau Hannelore (70): „Wir hatten auch Schäferhunde, immer!“, sagt die 70-Jährige (ganz schick in Grün-Schwarz mit Hut) und krault dem dreijährigen Briard-Rüden ausgiebig den Nacken. Was der genießt.

„Skeptisch“ sei sie gewesen wegen Heinos Rock-Projekt, gesteht sie: „Aber das hat ihn zwei Jahre umgetrieben und ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Er musste das einfach machen.“ Der Erfolg gebe ihm jetzt recht – wie damals, Ende der 80er Jahre, als er zwei seiner Volksmusikklassiker mit Rap verbandelt hatte.

Hannelore hat mit Heinos neuem Totenkopfschmuck nichts am Hut, sie trägt lieber das alte Heino-Emblem, den Enzian. Der blüht bekanntlichblau. Und bei der Sendung „Ein Abend in Blau“ hat Hannelore auch ihren Heino kennengelernt. „Blau war ich aber nicht, sonst hätte ich sie ja nicht kennengelernt“, lacht dazu ihr Gatte. Es war die ganz große Liebe: „Man hat uns damals zwei Jahre gegeben“, gibt Heino eine Liebeserklärung ab, „jetzt sind es 34. Und ich wünsche mir noch 34 mehr.“ big/mc

Mirjana Cvjetkovic 28.02.2013