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Leben in Hannover Hannovers Schné tritt für Bremen an
Hannover Leben in Hannover Hannovers Schné tritt für Bremen an
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21:08 24.09.2012
Von Matthias Halbig
AUS HANNOVER FÜR DIE 
HANSESTADT: Sängerin 
Schné ist gebürtige 
Hannoveranerin, tritt bei 
Raabs Contest in Berlin 
aber für ihren 

Wohnort Bremen an.
AUS HANNOVER FÜR DIE HANSESTADT: Sängerin Schné ist gebürtige Hannoveranerin, tritt bei Raabs Contest in Berlin aber für ihren Wohnort Bremen an.
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Hannover

Ein ganz altes, seltenes, in einem antiken Buch von 1929, denn, so sagt sie, „ich liebe den Geruch von alten Büchern“. Aber, nein, hinter ihrem Künstlernamen Schné sei kein unsichtbares Wittchen versteckt, auch wenn sie das immer wieder zu lesen bekäme, das sei ein Medienmumpitz. Sie lacht.

Schné heißt in echt Hendrike Krügener und muss immer lesen, dass sie ihren bürgerlichen Namen geheim halte. Stimmt aber nicht, und heute, sagt sie, würde sie sich auch sofort Hendrike Krügener nennen, gäbs nicht schon seit Jahren das Schné, das sich inzwischen etabliert habe. Schné ist 26, in Hannover geboren, hat am Georg-Büchner-Gymnasium Abi gemacht, dann kam Hamburg als Studienstadt, dann Bremen als musikalische Zentrale. Sie jazzt in der Rolandstadt mit dem Schné-Ensemble, hat bis vor kurzem in einer Irish-Folk-Gruppe gesungen und jetzt mit ihrer Popband ihr Pop-Debütalbum „Bastelkleid“ auf den Markt geworfen. Als Schné (der „accent aigu“ auf dem „e“ sei eine Hommage an ihre französischen Vorfahren) tritt sie am 28. September bei Stefan Raabs „BundesvisionSongcontest“ auf. Der Song heißt „Alles aus Liebe“. Stimme mädchenhaft, à la Judith Holofernes, mit souligem Untergrund, sehr hübsche Melodie dazu. Ein Lied mit Chancen. Findet Schné. Habe ihr auch der Stefan Raab bestätigt.

Warum ist sie jetzt aber nicht für Niedersachsen beim Contest? Oje. Die Heimat. Ist ihr gar nicht in den Sinn gekommen, wo sie doch in Bremen lebe. Aber zu Hannover hat Schné nach wie vor eine prima Beziehung, „und es ist auch nicht ausgeschlossen, dass ich mal hierher zurückkehre“. Schließlich gibts hier die Familie und den wunderbaren Treffpunkt Kröpcke-Uhr, und hier hat sie auch auf der Rutsche auf dem Spielplatz ihren ersten Kuss bekommen. Sie lacht. Und sie lacht sehr schön.

Ihre musikalischen Anfänge? Kurt Cobain. Mit 13 wurde sie Nirvana-Fan, da war Cobain schon fünf Jahre tot. Sie liebte ihn „wegen der brutalen Ehrlichkeit und der Zerbrechlichkeit“. Die Eltern waren begeistert von ihrer Begeisterung. Vater: Elektroingenieur für Fotovoltaikanlagen. Mutter: Arzthelferin beim Orthopäden. Musikalisch. Singen beide in der Herrenhäuser Chorgemeinschaft. „Einmal, als ich auf meine knallschwarze E-Gitarre eindrosch, kam meine Mutter ins Zimmer und sagte: ,Spiel doch mal ,What’s the Frequency, Kenneth‘ von R.E.M.!‘ Und dann hat sie mitgerockt.“

Schné-Songs sind: poppig, groovend, mit charakteristischen Melodien, witzigen (zum Teil wavigen) Arrangements, poetischen, sehr bildhaften, sehr persönlichen Texten. Songs wie Schnee eben: oberflächlich alles weiß, beim genauen Anschauen jedes ein anderer, prächtiger, kleiner Kristall. Sie kommen zu ihr jederzeit, auch mitten in der Nacht: „Das ist hart, denn es kommen viele, dann muss ich aufstehen und spielen und in meinem kleinen Heimstudio aufnehmen.“

13 sind auf der Platte, und „Mond und Astronaut“, „Herbstzeitlose“ und „Arielle“ sind sogar psychedelisch, beatlesk. Gehen ihre Wurzeln so weit zurück? „Oh ja. Die Beatles hatten ,Tomorrow Never Knows’‘ das war im Grunde der erste Trip-Hop-Song“, lacht sie, die in ihrem Song „Menschenfresser“ihr Credo singt: „Ich will echt sein.“ Sind viele Menschen heute unecht? „Leider ja. Aber ich habe begriffen, dass diese Verstellung oft aus Angst geschieht. Und Leuten, die Angst haben, muss man mit noch viel mehr Liebe begegnen.“

Das ist wahr. Und ein Kerngedanke des großen Märchens Pop.

Zoran Pantic 20.09.2012
Maike Jacobs 19.09.2012