Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Leben in Hannover Kindermuseum „Zinnober“ nach Umzug wieder für Familien geöffnet
Hannover Leben in Hannover

Hannovers Kindermuseum „Zinnober“ nach Umzug wieder geöffnet

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:26 12.01.2022
Nach Umzugspause: Das Kindermuseum „Zinnober“ in Hannover ist wieder geöffnet.
Nach Umzugspause: Das Kindermuseum „Zinnober“ in Hannover ist wieder geöffnet. Quelle: Heusel/ Kutter
Anzeige
Hannover

Nach einer Umzugspause ist das Kindermuseum „Zinnober“ nun wieder geöffnet und lädt Kinder, Jugendliche und deren Eltern in die neuen Räume am Lindener Berg (Am Steinbruch 16, 30449 Hannover-Linden).

Die Ausstellungsfläche ist im Vergleich zu den ehemaligen Räumlichkeiten nun doppelt so groß: Auf 800 Quadratmetern können die Besucherinnen und Besucher experimentieren, spielen und entdecken.

Einige Spielgeräte und Museumsattraktionen sind mit umgezogen, andere sind neu. Die NP hat bei jungen Museumsbesuchern nachgefragt, was ihnen im neuen Kindermuseum besonders gut gefällt.

„Ich finde es toll, dass es im Kindermuseum jetzt so viel Platz zum Spielen gibt“, sagt Hanne Wobbe (8). Bruder Mattis (7) fügt hinzu: „Am besten ist der Heißluftballon im oberen Stockwerk. Dort sitzt man vor einem Bildschirm und steuert einen Heißluftballon.“ Quelle: Katrin Kutter

Museumsleiterin ist Renate Dittscheidt-Bartolosch. Die 77-Jährige hat für ihr Engagement das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen. Bereits seit den 1980er setzt sich Dittscheidt-Bartolosch dafür ein, dass Kinder in Museen wahr- und ernst genommen werden.

Vorsitzende: Die 77-jährige Renate Dittscheidt-Bartolosch hat für ihr Engagement das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen. Bereits seit den 1980er setzt sie sich dafür ein, dass Kinder in Museen wahr- und ernst genommen werden. Quelle: Nancy Heusel

Dass es in Hannover ein Museum ausschließlich für Kinder gibt, ist dem Engagement des von Dittscheidt-Bartolosch im Jahr 2000 mitgegründeten Vereins „Zinnober – Museum für Kinder und Jugendliche in Hannover e.V.“ zu verdanken. Die NP hat mit der Vereinsvorsitzenden Renate Dittscheidt-Bartolosch gesprochen.

Was war der Grund für den Umzug des Kindermuseums?

Früher hatten wir etwa 300 Quadratmeter zur Verfügung und konnten selbst vor der Corona-Pandemie nur bis zu drei Familien gleichzeitig zu Besuch haben. Insbesondere an verregneten Sonntagen waren wir völlig überwältigt vom Besucherandrang und es gab oft genug Tage, an denen wir Familien wieder nach Hause schicken mussten, weil das Museum schon voll war. Auch bei Workshops war es ein Problem, dass wir maximal eine Schulklasse einladen konnten.

Wie hat sich das jetzt verändert?

In den neuen Räumlichkeiten am Lindener Berg haben wir jetzt auf 800 Quadratmetern Platz für unsere Ausstellungen. Es können sich 70 Personen gleichzeitig im Museum aufhalten. Workshops können wir mit zwei Schulklassen gleichzeitig machen. Dass wir nun so viel Platz haben, ist wirklich großartig und bietet uns ganz neue Möglichkeiten.

Welche Erlebnisstationen sind denn mit umgezogen?

Ein Highlight für die Kinder ist immer die große Seifenblase, in die sie sich stellen können. Die haben wir selbstverständlich wieder aufgebaut in einem eigens dafür eingerichteten Raum. Das beliebte magnetische Fußballspiel gibt es wieder in der Spieleecke und die virtuelle Heißluftballonfahrt finden die Besucherinnen und Besucher im oberen Stockwerk. Mitgenommen haben wir auch unsere Konvex- und Konkavspiegel, vor denen die Kinder ihr verzerrtes Spiegelbild betrachten können.

Was ist neu hinzugekommen?

Vor allem unsere aktuelle Ausstellung „Wolken, alle Wetter – unser Klima“ und damit jede Menge Erlebnisstationen im oberen Stockwerk des Museums. Dort können die Kinder und Jugendlichen das Wetter vorhersagen, lernen, wie Wolken entstehen, Wettertheater spielen und einen virtuellen Flug mit einem Heißluftballon unternehmen. Dabei geht es darum, dass die Besucher Phänomene und Zusammenhänge zum Thema Wetter und Klimawandel verstehen.

Die NP hat die neuen Räumlichkeiten des Kindermuseums besucht. Eine Bildergalerie gibt einen Einblick in die 800 Quadratmeter große Ausstellungsfläche.

Wie genau gelingt die Vermittlung von Wissen im Kindermuseum?

Die Kinder können im „Zinnober“ in ihrem eigenen Rhythmus und ihrer eigenen Lust die ausgestellten Themen entdecken und dann auch erst einmal für sich selbst auf Entdeckungstour gehen. Das gestaltet sich also anders als in der Schule. Wir vergeben ja keine Noten und leiten die Kinder zunächst auch nicht viel an. Wenn Fragen aufkommen, ist natürlich immer jemand da. Aber ansonsten geschieht die Wissensvermittlung im Spiel.

Die aktuelle Ausstellung läuft noch bis August 2022. Haben Sie bereits Pläne für dasnächstes Thema?

Wir haben jede Menge Themen und können uns nur schwer entscheiden. Zur Auswahl stehen beispielsweise Themen wie Geld, Kostüme, Wohnen in der Stadt oder Tiere. Ergeben haben sich diese und viele weitere Themen aus einer Befragung, die ich vor längerer Zeit in Schulklassen durchgeführt habe. Dabei kam übrigens auch heraus, dass sich die Kinder eine Rutschbahn für das Kindermuseum wünschen und auch die soll es bald geben. Bei uns werden Kinder nicht nur scheinbar beteiligt, sondern in viele Entscheidungen mit einbezogen.

Welche Entscheidungen werden noch mit den Kindern zusammen getroffen?

Im Moment haben wir wieder ein Beteiligungsprojekt mit Schülerinnen und Schülern. Gemeinsam mit Fünft-, Sechst- und Siebtklässlern aus Hannover planen wir eine Forscherwerkstatt. Die Kinder entscheiden selbst, wie der Raum eingerichtet werden soll und welche Experimente in Zukunft durchgeführt werden können. Auch die Gestaltung des Außenbereichs werden wir im Frühjahr gemeinsam mit Kindern angehen.

Was ist für den Garten des Kindermuseums geplant?

Der Garten ist riesengroß, sodass wir neben einer Grünfläche auch Platz zum Anbau von Gemüse und Pflanzen haben. Die zwei Schafe, die wir im alten Kindermuseum hatten, konnten nicht mit umziehen. Ich fände es aber toll, wenn wir uns gemeinsam mit den Kindern um Küken kümmern könnten.

Inwiefern würde das zum pädagogischen Ansatz des Museums passen?

Die Kinder können eine positive Verbindung zu Tieren und zur Natur entwickeln und im Idealfall lernen, dass beides schützenswert ist. Denn: Erst wenn ich Respekt für etwas habe, lerne ich, damit richtig umzugehen.

Wieso ist es Ihnen die Arbeit mit Kindern an etwaigen Themen so wichtig?

Ich bin 1944 geboren und somit Teil der Nachkriegsgeneration des Zweiten Weltkrieges. In der Zeit, in der ich aufgewachsen bin, gab es nicht viel. Ich musste als Kind immer sehr kreativ sein, wenn ich zum Beispiel nur ein paar Stöcker zum Spielen hatte. Den Besuchern im Kindermuseum einen Ort zum ausgelassenen Spielen zu bieten, ist mir auch deshalb ein besonderes Anliegen. Ansonsten bin ich aber auch einfach überzeugt davon, dass es die Aufgabe von Erwachsenen ist, Kinder in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken und ihre Neugierde anzutreiben.

Sie haben gerade erst den Umzug geschafft und haben schon jetzt so viele weitere Ideen für das Kindermuseum. Woher nehmen Sie ihre unermüdliche Motivation?

Ich habe miterlebt, wie die Museumspädagogik in ihren Anfängen als „Verschulung“ abgetan wurde und habe dennoch nie aufgegeben. Heute sind Kindermuseen beliebt und die Museumspädagogik renommiert. Ich war immer beharrlich und zielstrebig, und das hat sich gelohnt. Außerdem lerne ich selbst unglaublich gerne und bin immer bereit, Dinge zu vertiefen. Dass ich also selbst bei jeder Ausstellung im Kindermuseum selbst dazu lerne, motiviert mich, immer weiterzumachen.

Das Kindermuseum „Zinnober“ ist seit dem 2. Januar wieder geöffnet. Die neue Adresse lautet Am Steinbruch 16 in Hannover Linden.

Geöffnet hat das Museum von Dienstag bis Freitag jeweils von neun bis 17 Uhr sowie Sonnabend und Sonntag von zehn bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet 7,50 Euro pro Person. Inhaberinnen und Inhaber des Hannover Aktiv-Passes erhalten Ermäßigungen. Das Kindermuseum wird vom Verein „Zinnober – Ein Museum für Kinder und Jugendliche in Hannover e. V.“ getragen. Die finanziellen Mittel für das Museum setzen sich aus Eintrittsgeldern, Projektförderungen und Spenden zusammen.

Coronabedingt müssen Besucherinnen und Besucher im Kindermuseum einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Auch gilt eine Personenbeschränkung von insgesamt 70 Personen in dem Museum. Wer sich erkundigen möchte, ob es noch Kapazität für weitere Besucher gibt und sich für einen Besuch anmelden möchte, kann einfach anrufen: 05 11 89 73 34 66.

www.kindermuseum-hannover.de

Die aktuelle Mitmach-Ausstellung „Wolken, alle Wetter – unser Klima“ beleuchtet Phänomene und Zusammenhänge rund um das Wetter und den Klimawandel. Sie läuft bis August 2022.

Von Sophie Peschke