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Leben in Hannover Darum ist „Velvet Moon“ Entertainment für Erwachsene
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Hannover: Tronicat La Miez bringt "Velvet Moon" in die Faust

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15:32 23.09.2021
Sinnliche Revue: Burlesque-Star Tronicat La Miez ist Darstellerin und künstlerische Leiterin von „Velvet Moon“.
Sinnliche Revue: Burlesque-Star Tronicat La Miez ist Darstellerin und künstlerische Leiterin von „Velvet Moon“. Quelle: Christian Behrens
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Hannover

„Ich bin so aufgeregt.“ Die Stimme von Tronicat La Miez (40) bebt fast vor Spannung bei diesem Satz. „Ich habe richtig Lust, ich bin spielwütig“, brechen die Emotionen aus ihr heraus. Kein Wunder, denn auf den Moment, an dem ihr „Velvet Moon“ über Hannover aufgehen wird, musste sie lange warten.

Ein Dinner-Varieté mit Drei-Gänge-Menü und internationalen Stars. Eine Show ab 18 Jahren, mit Jazzband, Akrobatik, Schwertschluckerin und sinnlichem Burlesque-Tanz. Das sollte eigentlich schon im Herbst 2020 in der 60er-Jahre-Halle der Faust (Zur Bettfedernfabrik 3) in Linden auf die Bühne kommen. „Die Künstler waren schon unterwegs“, erinnert sie sich an den bitteren Moment, als der zweite Corona-Lockdown alle Pläne zunichte machte.

Im Sommer 2021 keimt Hoffnung für „Velvet Moon“

„Es war hart“, erinnert sie sich auch an die Wochen der Ungewissheit, die sie wie alle Künstler angesichts der Pandemie erlebte. „Man fühlte sich hingehalten von der Politik.“ Entsprechend unsicher verlief auch der Sommer 2021, in dem die Hoffnung aufkeimte, „Velvet Moon“ zeigen zu können. „Ich habe dem Braten lange nicht getraut“, gibt die 40-Jährige zu. „Wahrscheinlich glaube ich es erst, wenn ich wirklich auf der Bühne stehe.“

Die Corona-Zwangspause überbrückte die studierte Kostümdesignerin, die ihre Bühnenoutfits selber schneidert, bis 15. August mit einem Job im Impfzentrum auf dem Messe-Gelände. „Das Beste, was ich aus dieser Zeit machen konnte“, resümiert sie die Erfahrungen bei den Johannitern.

Tronicat la Miez vor dem Impfzentrum auf dem Messegelände. Quelle: Nancy Heusel

Mit ihren orangeroten Haaren und den auffälligen Tattoos war sie sicher der Blickfang unter den Helfern. „Als ich im Juli wieder in Hamburg einen Auftritt hatte, sind Kollegen aus dem Impfzentrum extra angereist, um mich zu sehen“, freut sie sich. Es waren wenige Shows im Sommer: „Burlesque ist kein Hobby, sondern mein Beruf. Der kostet Zeit und Kraft, so ist das mit der Kunst“, erklärt sie die Unvereinbarkeit von Fünf-Tage-Woche im Impfzentrum und Show-Auftritten.

Tronicat La Miez auf der Bühne im Schauspielhaus

Dabei gehört die Bühne seit 15 Jahren zu Tronicat La Miez (der Künstlername dient auch dem Schutz ihrer Privatsphäre). „Ich sehe mich als Avantgarde“, hatte sie der NP schon 2018 verraten, „Feminismus und Selbstbestimmtheit sind starke Themen in meinen Shows.“ Damals hatte Schauspielintendant Lars-Ole Walburg (56) die Lindenerin, die in ihrer Branche ein internationaler Star ist, als große Verführerin in „Der schwarze Obelisk“ nach dem Roman von Erich-Maria Remarque besetzt. Dem Publikum im Schauspielhaus zeigte sie ihre Kunst: Burlesque ist ein Tanz, bei dem es nicht um bloße Nacktheit geht, sondern um die Inszenierung, die Andeutung, die Fantasie.

Großes Theater: Tronicat la Miez und Jonas Steglich 2018 in „Der schwarze Obelisk“ im Schauspielhaus. Quelle: Katrin Ribbe

„Velvet Moon“ bezeichnet Tronicat La Miez als „einzigartiges Entertainment für Erwachsene“. Die 40-Jährige ist begierig darauf, „meine Kunst zu zeigen. Und Sachen, die eine ähnliche Geschmackspalette ansprechen.“ Das Programm trägt ihre Handschrift, „die Faust hat mir dabei völlig freie Hand gelassen, dafür bin ich dankbar.“ Was erwartet das Publikum? „Alle Gefühle und Freuden der Nacht“, verspricht sie geheimnisvoll.

Die eher nüchterne 60er-Jahre-Halle will sie „in einem anderen Licht erstrahlen lassen, das wird eine Mischung aus Nachtklub und Industrie-Chic.“ Zwischen den Nummern wird ein Drei-Gänge-Menü serviert, das auch vegetarisch oder vegan an den Tisch kommt. Die Kombination aus Unterhaltung und gutem Essen liegt ihr besonders am Herzen: Viele Leute seien wegen der Corona-Pandemie lange nicht ausgegangen – „dieser Abend soll ein Rundum-Paket werden“.

„Spandau“-Chef Dirk Sabrowski (51), der auch die Faust-Gastronomie organisiert, ist jedenfalls erleichtert: „Unsere Küche wurde gerade kernsaniert, sie ist auf den letzten Drücker fertig geworden.“ Im Frühjahr hatte ein Feuer in einem Müllcontainer die Renovierung nötig gemacht – „über die Lüftungsanlage hatte der Ruß alles verschmutzt“.

In „Velvet Moon“ zeigt Tronicat La Miez Burlesque-Tanz. Quelle: Handout

Bis zum 24. Oktober wird „Velvet Moon“ gespielt. Für Tronicat La Miez ein ungewohntes Erlebnis. „Ich habe noch nie so lange in Hannover performt“, sagt die 40-Jährige, die sonst internationale Engagements hat und viel reist. „Ich bin gespannt, wie die Stadt die Show annimmt.“

Das ist „Velvet Moon“

Am Sonntag, 26. September, ist Premiere: „Velvet Moon“ erweckt in der 60er-Jahre-Halle der Faust (Zur Bettfedernfabrik 3) die Geschöpfe der Nacht zum Leben. Ab 19 Uhr bringt Burlesque-Star Tronicat La Miez diese Künstler auf die Bühne: The Beautiful Jewels aus Schweden schluckt Schwerter und hält diverse Weltrekorde auf diesem Gebiet. Evilyn Frantic läuft über Glas, isst Scherben, hebt Gewichte mit ihrer Nase. Die Schweizerin Koko La Douce führt durch das Programm – in Las Vegas wurde sie zur innovativsten Burlesque-Künstlerin weltweit gewählt. Anna und ihr Partner Saleh tauschen bei ihrer Akrobatiknummer die Rollen. Begleitet wird der Abend mit Swing von Sascha Kommer und seinem Orchester. Zwischen den Shownummern wird ein Drei-Gänge-Menü in der Varianten vegan, vegetarisch und mit Fleisch serviert. Tickets kosten im Vorverkauf 66 Euro (inklusive Essen), die Veranstaltung ist limitiert auf 82 Gäste, damit Hygieneabstände eingehalten werden können.

Von Andrea Tratner