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Leben in Hannover Wie das Sofaloft in Hannover Sylvia Sobbeks Heimat wurde
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Hannover: Sofaloft-Chefin Sylvia Sobbek plant Ausstellung "Heimat"

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15:35 24.01.2022
Mehr als nur ein Arbeitsplatz: Seit 2015 leitet Sylvia Sobbek die Geschicke des Sofalofts in der Südstadt. Dort gibt sie Kulturschaffenden eine Plattform, stellt auch eigene Kunstwerke aus.
Mehr als nur ein Arbeitsplatz: Seit 2015 leitet Sylvia Sobbek die Geschicke des Sofalofts in der Südstadt. Dort gibt sie Kulturschaffenden eine Plattform, stellt auch eigene Kunstwerke aus. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Vor wenigen Tagen hatte sie Geburtstag. An den Tag ihrer Geburt kann sich Sylvia Sobbek (43) natürlich nicht erinnern, die Geschichten, die von jenem 4. Januar 1979 erzählt werden, hat sie allerdings parat.

„Es war dieser Jahrhundertwinter, es herrschten Schnee und Eis, das Krankenhaus bei uns im Ort war geschlossen“, erzählt sie. Also musste ihre Mutter ins gut 40 Minuten entfernte Bielitz (polnisch Bielsko-Biała) und ihr Baby dort zur Welt bringen, ehe es dann wieder zurück nach Hause, nach Auschwitz, ging.

Mit zehn Jahren verließ sie Polen

Dort wuchs sie auf, kam schon früh mit Kunst in Berührung: „Eine zwei Jahre ältere Freundin hat in ihrem Kinderzimmer gemalt und gezeichnet, ich war oft dabei.“ Ihre Kindheit bezeichnet sie als schön, doch Polen musste sie als Zehnjährige hinter sich lassen: Mit dem Wunsch, in Deutschland ein besseres Leben führen zu könne, hatten ihre Eltern ihr Heimatland verlassen, Sobbek und ihre Schwester ein Jahr später nachgeholt.

Zwei ihrer Exponate sind schon da: Diese beiden Bilder sind Teil der Ausstellung „Heimat“, die Sylvia Sobbek am 26. Februar im Sofaloft eröffnet. Quelle: Frank Wilde

„Ich erinnere mich noch genau an die Ankunft am Hauptbahnhof, wir sind die ganze Nacht mit dem Zug gefahren“, erzählt die 43-Jährige. Die Familie lebte in Garbsen, Sylvia Sobbek kam dort in die Schule, lernte die Sprache. Eine Zeit, die nicht immer leicht war: „Ich wurde oft ausgegrenzt, stand alleine da. Das hat mich nicht nur geprägt und gestärkt, sondern auch zu einer guten Beobachterin gemacht.“

Dinge, die sie um sich herum wahrnimmt, verarbeitet Sobbek als Künstlerin: Sie malt Bilder. Große Bilder. Bunte Bilder. Ihre Gemälde stellt sie bald wieder aus, nach einer besonderen Fläche musste sie gar nicht lange suchen: Sobbek nimmt sie einfach mit zur Arbeit.

Plattform für Kulturschaffende

Seit 2015 ist sie Geschäftsleiterin des Sofalofts in der Südstadt. Das Haus ist nicht nur für Interieur bekannt, sondern auch als Plattform für Kulturschaffende – es gibt Kinoabende, Lesungen, stille Versteigerungen, Ausstellungen ganz unterschiedlicher Art. „Hier herrscht einfach ein kreativer Geist.“

Sylvia Sobbek

*4. Januar 1979 in Bielitz (Polen). Bis sie zehn Jahre alt ist, lebt sie in Polen, wächst danach in Garbsen auf. Nach dem Realschulabschluss absolviert sie eine Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel, danach ein Studium zur Handelsfachwirtin. Schon mit 25 Jahren leitet sie ein Möbelhaus in Hildesheim. Nach einigen Stationen auch im Ausland, übernimmt sie 2015 im Sofaloft die Geschäftsleitung. Sie lebt mit ihrem Mann in Amedorf. Das Paar reist gerne, am liebsten nach Südfrankreich: „Ich spüre eine Verbundenheit dorthin, mag das Lebensgefühl.“ www.sylviasobbek.de

Am 26. Februar wird Sobbeks Schau im zweiten Obergeschoss des Sofalofts eröffnet, als Titel hat sich die Malerin „Heimat“ überlegt. Ein Begriff, der nicht nur ihr Geburtsland meint, sondern auch längst das Land, in dem sie lebt. „Ich war viele Jahre auf der Suche nach einem Anker, nach meiner Identität“, so Sobbek. „Zwar hatte ich immer ein Zuhause, aber ich lebte lange in einer Rastlosigkeit, wusste nicht so recht, wo ich hingehöre.“ Mittlerweile ist sie bei sich angekommen – nach einer Reise mit so einigen Stationen.

„Heimat ist für mich auch ein Tisch mit Menschen, die ich mag, die mir etwas geben“, erklärt sie, „ganz gleich, ob Familie oder Freunde.“ Besonders den Begriff Wegbegleiter mag sie. „Manchmal verbringe ich mit Leuten eine kurze, aber sehr intensive Zeit.“ Sich in den Momenten hinzugeben, selbst intensiv zu leben, „das bin ich“.

Und auch wenn sie nicht zwingend benennen kann, was genau es ist, findet sich in ihren Bildern immer etwas von ihr. Zwei riesige Exemplare, sie malt meist mit Acryl, hat Sobbek bereits ins Sofaloft transportiert. Eine Leinwand misst 1,90 mal 1,90 Meter, die andere 1,60 mal 1,20 Meter. Sie lacht, während sie daneben steht: „Ich mag es, wenn die Bilder größer sind als ich.“ Insgesamt will sie etwa 30 Exponate präsentieren, darunter auch Fotografien. Am zentralen Bild der Ausstellung arbeitet sie noch zu Hause in Amedorf.

Im Gespräch: Sylvia Sobbek (rechts) mit NP-Redakteurin Mirjana Cvjetkovic im Sofaloft. Quelle: Frank Wilde

„Ich lebe total gerne auf dem Land“, sagt sie im Hinblick auf den 302-Seelen-Ort, der zu Neustadt am Rübenberge gehört. „Dort genieße ich meine Ruhe, kann in meinem Atelier arbeiten.“ Den Weg zur Arbeit nutzt sie auch für Kreativität, „selbst auf der Autofahrt kommen mir Ideen. Kunst hört bei mir nie auf.“

Symbiose aus Geschäftsfrau und Künstlerin

Gelingt ihr der Spagat zwischen Geschäftsfrau, die 20 Mitarbeitende führt, und Künstlerin? „Es ist die perfekte Symbiose“, versichert sie und lacht. „Außerdem treffe ich bei der Arbeit immer auf viele tolle, kreative Menschen.“

So dürfte es auch bei der Ausstellungseröffnung werden: Sobbek möchte neben ihren Bildern auch Videoinstallationen und Tanz zeigen. Für letzteren Punkt hat die 43-Jährige Michèle Seydoux und Verónica Segovia Torres an ihrer Seite: Die beiden sind Balletttänzerinnen an der Staatsoper. Dürfte eine spannende Vernissage werden!

Von Mirjana Cvjetkovic