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Leben in Hannover So geht Alexander Geist mit seinem Fernweh um
Hannover Leben in Hannover

Hannover: So geht Touché-Star Alexander Geist mit seinem Fernweh um

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07:30 28.12.2021
Kosmopolit durch und durch: Alexander Geist hat in fünfeinhalb Jahren locker 55 Länder der Welt gesehen – und erlebt.
Kosmopolit durch und durch: Alexander Geist hat in fünfeinhalb Jahren locker 55 Länder der Welt gesehen – und erlebt. Quelle: Nancy Heusel
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Hannover

Er hat Schildkröten beim Schlüpfen aus Eiern geholfen, exotischste Märkte besucht, war mit Delfinen schwimmen, hat Eskimos getroffen, Wale gesehen, Naturkundemuseen besucht, in Destillerien Rum verkostet, Einblicke in das Leben indigener Völker bekommen. In Zahlen ausgedrückt: Alexander Geist (48) hat als Crew-Mitglied auf zehn Kreuzfahrtschiffen in fünfeinhalb Jahren um die 90.000 Seemeilen zurückgelegt, an mehr als 100 Häfen angelegt, mindesten 55 Länder auf fünf Kontinenten gesehen. „Dann kam Corona.“

Als er im März 2020 die Heimreise antrat, landete er in der türkischen Stadt Istanbul zwischen, „alle hatten Masken auf, es herrschte irgendwie Endzeitstimmung“. So eine Stimmung hat der 48-Jährige, zurück in Hannover, nie an sich herangelassen, „aber es war schon krass, in den Supermarkt zu gehen: kein Klopapier, keine Nudeln, kein Mehl“. Nach anderthalb Jahren ist das nun nicht mehr so. Was geblieben ist, ist das Fernweh. „Und das ist wirklich schlimm“, erzählt der Hannover beim Espresso im Luisenhof, „aber jetzt arbeite ich im Außendienst, bin im Norden Deutschlands immer wieder mal an der Küste unterwegs. Immerhin.“

Tagesausflug in Madagaskar: Wann immer es Alexander Geist einrichten konnte, verließ er das Schiff, um Land und Leute zu erkunden. Quelle: privat

Aktuell ist er im Vertrieb für Tafelwasseranlagen in Hotellerie und Gastronomie tätig, „auch was mit Wasser“. Er lacht – das war schon immer eines seiner Markenzeichen. Außerdem ist da diese Neugier, diese Wissbegierde über all das, was ihn umgibt – ganz gleich ob Mensch, Tier oder Natur. Deshalb passt der Job mit der Tafelwasseranlage auch: „Durch meine Reisen bin ich ziemlich sensibilisiert. Bei so vielen Menschen auf der Welt kommt kein Wasser aus dem Hahn, das Licht nicht auf Knopfdruck.“

Von Angesicht zu Angesicht: Auf Madagaskar hat Alexander Geist das Leben von Schildkröten studiert. Quelle: privat

Auch zu dieser Erkenntnis ist der 48-Jährige gelangt: „Wir wir hier leben, ist nicht das Nonplusultra. Leider denken viele Menschen das und verhalten sich auch so.“ Das hat er hin und wieder bei Passagieren auf den Schiffen beobachtet. „Manche haben einen echt beschränkten Blick auf die Welt, bereuen ihre Reise auf die Seychellen, weil es ihnen zu heiß war. Andere waren erstaunt bis empört, dass es in Teilen der Arktis Eskimos mit Robbenfleisch und keine Cafés mit Latte Macchiato gab.“ Einige der Erlebnisse ließen ihn sprachlos zurück.

Aufräumaktion am Strand von Andoany: Auf der vor Madagaskar gelegenen Inseln sammelt Alexander Geist mit Kindern Müll ein. Quelle: privat

Auf seinen Reisen – mal hat er an Bord im Shop gestanden, mal Schmuck verkauft, war Entertainer und Moderator – ist es ihm gelungen, mit Vorurteilen aufzuräumen. „Vieles auf der Welt bekommt man einfach nicht mit, wenn man nicht dort gewesen ist.“ Wenn Leute in Schubladen denken, verurteilt Geist das nicht. „Es passiert jedem. Meine Schublade ist mittlerweile aber ziemlich groß.“ Er hat sich einmal auf Madagaskar mit seiner Crew aufgemacht, um Müll am Strand zu sammeln und auch einheimische Kinder dafür begeistert. „Zum Schluss standen wir da mit unseren Säcken voller Müll und wussten nicht, wohin damit. Dort gibt es eben keine Recyclingmöglichkeiten wie bei uns.“ Also haben sie die Säcke mit an Bord genommen und in die schiffseigenen Müllverbrennungsanlage gegeben.

25 Jahre her: Da produziert Poptitan Dieter Bohlen (rechts) die Boyband Touché – von links sind das Karim Maataoui, Alexander Geist, Glenn und Dennis Frey sowie Martin Scholz. Quelle: privat

Ihn hat das, was er während seiner Seefahrerzeit gesehen und erlebt hat, nachhaltig geprägt und beeindruckt. „Die Reisen haben mich Demut und Dankbarkeit gelehrt. Ich habe eine andere Sicht aufs Leben, eine andere Einstellung zu vielen Dingen. Das Gerede von Erfolg und Geld ist mir nicht wichtig.“ Wie diese Seite aussieht weiß er zu gut: In den 1990er Jahren war er Mitglied von Touché, die Boyband jettete um die Welt, Teenies kreischten sich während Konzerten in Ohnmacht, die von Dieter Bohlen (67) produzierte Gruppe fand sich auf den Titeln vieler Jugendmagazine wieder.

Immer mit im Gepäck: Landkarte, Ausweis, Impfpass: „Ich habe mich gegen so einiges impfen lassen. Das ist die Impfung gegen Corona das geringste Problem gewesen.“ Quelle: privat

Geist hat längst einen anderen Blick auf sein Leben: „Ich will mir eine schöne Zeit im Hier und Jetzt machen.“ Und er hat noch viel vor: „Ein Leben wird für die vielen Dinge, die ich noch ausprobieren möchte, nicht ausreichen.“ Dazu gehört, dass er mit dem Rucksack Bhutan und Nepal durchqueren möchte, außerdem einen Wanderweg wie den Jakobsweg oder den Traumpfad von München nach Venedig beschreiten will.

Gute Gespräche: NP-Redakteurin Mirjana Cvjetkovic mit Alexander Geist im Luisenhof. Quelle: Nancy Heusel

Bis Corona solche Touren wieder bedenkenlos zulässt, wird es wohl noch eine Weile dauern. „Die Pandemie ist nicht nur eine Bremse, sondern auch eine Spaßbremse.“ Solange arbeitet Alexander Geist weiterhin hier in Deutschland, erweitert sein Portfolio in Sachen Netflix-Serien, liest noch mehr Fachliteratur von Architektur über Kultur, schaut noch mehr Naturdokumentationen und bewundert seine Steinsammlung: „Ich haben von den Orten, an denen es erlaubt ist, einen mitzunehmen, zum Andenken einen mitgenommen.“

Von Mirjana Cvjetkovic