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Leben in Hannover Wie Morgenstern und Elsholz dem Stück „Boeing, Boeing“ Flügel verleihen
Hannover Leben in Hannover

Hannover: Morgenstern und Elsholz spielen im Stück „Boeing, Boeing“

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07:30 18.11.2021
Würden gerne mal wieder weiter wegfliegen: Andreas Elsholz und sein Schauspielkollege Ralph Morgenstern am Airport Hannover.
Würden gerne mal wieder weiter wegfliegen: Andreas Elsholz und sein Schauspielkollege Ralph Morgenstern am Airport Hannover. Quelle: Dröse
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Hannover

Die Anzeigetafel ist nicht ganz so üppig mit Destinationen bestückt wie sonst, das Fernweh aber nach wie vor groß: „Wenn ich könnte, würde ich sofort in ein Flugzeug nach New York steigen“, verrät Ralph Morgenstern (65) seinen Sehnsuchtsort. Es ist allerdings nicht nur diese sagenhafte Metropole, die das Herz des Schauspielers höher schlagen lässt – es sind Reisen generell.

„Es erweitert den Horizont, öffnet Türen zu anderen Kulturen“, erzählt Morgenstern im Terminal A am Airport Hannover. In fremden Ländern findet Morgenstern nicht nur seine Ruhe, „es zeigt mir außerdem, dass es woanders auch Menschen gibt, die glücklich sind – nicht nur wir hier in unseren Riesenstädten.“

Mit seinem Schauspielkollegen Andreas Elsholz (49) war der 65-Jährige nicht zufällig zum Interview an den Flughafen gekommen: Die beiden stehen derzeit mit dem Stück „Boeing, Boeing“ von Marc Camoletti (†79) in Braunschweig und bei einigen Gastspielen quer durch die Republik auf der Bühne, Silvester präsentieren sie die Komödie dann im Theater am Aegi.

Rasante Komödie: Ralph Morgenstern (hinten rechts) und Andreas Elsholz (vorne) stehen mit Florian Battermann, Janine Bossecker (rechts), Mia Geese (links) und Sonja Wigger in „Boeing, Boeing“ auf der Bühne. Quelle: Komödie Theater am Aegi

„Ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen, als mit ihm ins neue Jahr zu starten“, so Elsholz im Hinblick auf Morgenstern und die beiden Vorstellungen in Hannover kurz vorm Jahreswechsel. Die beiden Männer kannten sich vor der Premiere der erfolgreichen Boulevardkomödie gar nicht – es hat aber gleich gefunkt: „Es ist ein toller Kollege, ein feiner Kerl. Ich bin sehr dankbar, dass uns das Theater zusammengebracht hat.“ Sein Gegenüber sieht das ähnlich, spricht sogar vom „Beginn einer tollen Freundschaft“.

Bert statt Berta – Morgensterns Rolle anders als im Original

Elsholz spielt in dem Stück Frauenheld Bernhard, „er ist Architekt und hat eine Vorliebe für Stewardessen“. Sein Verschleiß ist airlineübergreifend, die eine kommt, die andere geht, dementsprechend oft klappen auf der Bühne die Türen. Seine Dates stimmt Bernhard nach den Diensten der Damen ab, „bis sich plötzlich die Flugpläne ändern und sein gesamtes Konstrukt auseinanderfliegt“. Kollege Morgenstern hat indes die Rolle des Butlers inne – im Original ist es eine Frau, Berta, für ihn und das Stück wurde daraus die Rolle Bert. „Er ist die gute Seele des Haushalts, ist immer überfordert und fühlt sich eigentlich zu Höherem berufen“, sagt der Künstler.

Eine Szene macht ihm und dem Publikum besonders viel Spaß: Nämlich die, in der Bernhards Freund Robert (gespielt von Florian Battermann, 48) ins Spiel kommt und vom Haushälter angemacht wird. Robert lässt Bert allerdings abblitzen – weil er „was Jüngeres sucht“. Für Morgenstern nicht nur wegen des gesetzten Lachers eine Freude: „Der Gag funktioniert, ganz egal, welche Sexualität man hat. Mich hat gereizt, die Rolle zu spielen, ohne dass das Wort schwul fällt.“ Er blickt ernst drein. „Wenn wir da mal hinkämen, Leute nicht zu kategorisieren.“

Tür auf, Tür zu: (von links) Florian Battermann, Ralph Morgenstern, und Andreas Elsholz kommen während des Stücks ganz schön ins Schwitzen. Quelle: Komödie am Altstadtmarkt/Dominique Leppin

Den Leuten im Publikum gefällt’s, Feedback landet häufig in Morgensterns Postfach bei Instagram: „Sie schreiben mir, wie glücklich sie sind, wieder im Theater sitzen zu können.“ Elsholz nickt, bestätigt die Aussagen seines Bühnenkompagnons: „Die Menschen sind kulturell ausgehungert, freuen sich auf gemeinsame Abende.“ Wenn sie an Orten spielen, an denen am Platz keine Maskenpflicht herrscht, „schaue ich nur in glückliche Gesichter. Und ich bin es auch.“

Klönschnack am Airport Hannover: Andreas Elsholz (links) und Ralph Morgenstern mit NP-Redakteurin Mirjana Cvjetkovic. Quelle: Dröse

Herausfordernd wird es, sobald eine Maskenpflicht besteht – das kann von Spielstätte zu Spielstätte (noch) ganz unterschiedlich sein. „Wir sehen die Menschen dann nicht lachen“, erklärt Morgenstern, „es ist schwerer, ein Wir-Gefühl zu erzeugen.“ Für den Darsteller aber alles andere als eine Hürde: „Wir sind in unserem Spiel mehr gefragt und müssen eben mehr ackern.“ Eine Anstrengung, die sich lohnt: „Ich liebe meinen Beruf ganz besonders, wenn es gelingt, das Publikum mit in den Strudel der Geschehnisse zu ziehen.“

Schwarze Katze und Leiter: Morgenstern ist abergläubisch

Morgenstern hat sich während der Corona-Pandemie finanziell weitestgehend mit der Teilnahme an Talk- und Quizshows im Fernsehen über Wasser gehalten. „Es ist ein großer Vorteil, dass ich nur mich ernähren muss“, so der Vater einer längst erwachsenen Tochter, Jadwiga (38).

In der Zukunftsplanung ist er in seinem Kalender übrigens im Sommer 2023 angekommen. „Ich bin doch so abergläubisch“, gesteht er seinen Hang zur Planungssicherheit. Läuft eine schwarze Katze von links nach rechts über die Straße, nimmt er Umwege in Kauf, unter einem Gerüst oder einer Leiter würde er nie entlanggehen.

In New York sagte ihm ein Freund im Hinblick auf die vielen Gerüste an Gebäuden mal: „Du wirst so zwar nicht erschlagen, dafür aber überfahren“ – weil Morgenstern statt auf Gehwegen auf der Fahrbahn läuft. Er lacht: „Ich habe großes Gottvertrauen.“ Beide Schauspieler hoffen sehr, dass sich der Zustand der Welt in Sachen Corona endlich wieder normalisiert. Elsholz wüsste ganz genau, wohin die Reise für ihn gehen würde: „Nach Kapstadt in Südafrika.“

„Boeing, Boeing“ läuft am 31. Dezember um 17 und um 21 Uhr. Tickets kosten zwischen 39,50 und 75 Euro und sind in den NP-Ticketshops (etwa Lange Laube 10) erhältlich oder online unter neuepresse.de/tickets

Von Mirjana Cvjetkovic