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Leben in Hannover So begeistert Michael Patrick Kelly seine Fans in Hannover
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Hannover: Michael Patrick Kelly gibt Mini-Konzert für 50 Fans bei Radio ffn

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19:48 25.11.2021
Sympathischer Star bei „Meet your Star“: Michael Patrick Kelly spielte bei Radio ffn für 50 Fans.
Sympathischer Star bei „Meet your Star“: Michael Patrick Kelly spielte bei Radio ffn für 50 Fans. Quelle: Ilona Hottmann
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Hannover

Er hat mit „Boats“ gerade sein fünftes Studioalbum veröffentlicht, die Songs wie „Beautiful Madness“ und „Throwback“ laufen rauf und runter: Michael Patrick Kelly (43) legte am 25. November einen ganz besonderen Zwischenstopp in Hannover ein: Bei Radio ffn spielte er ein „Meet your Star“-Konzert vor 50 ausgewählten Fans.

Michael Kelly, Ihr aktuelles Album heißt „Boats“, was nicht bedeutet, dass es auf einem Boot entstanden ist, der Titel steht für „Based on a true Story“. Welche wahren Geschichten erzählen Sie darauf?

Es sind Geschichten, die ich selbst erlebt habe oder Storys von Menschen, denen ich begegnet bin und die mich inspiriert haben, einen Song darüber zu schreiben. Ein Beispiel aus meiner eigenen Biografie ist das Lied „Mother’s Day“. Meine Mutter ist sehr jung gestorben, sie war 36 und ich fünf Jahre alt. Ein halbes Jahr später war Muttertag und ich wollte ihr Blumen ans Grab bringen. Ich habe gepflückt, was ich so auf den Feldern finden konnte. Auf dem Friedhof stellte ich dann aber fest, dass die Nachbargräber viel schönere Blumen hatten – also habe ich alle gestohlen und auf das Grab meiner Mutter gelegt. Vor gar nicht so langer Zeit war ich wieder da, und hatte einen Pick-up voller Blumensträuße dabei, um das wieder gut zu machen. So hat sich der Kreis geschlossen. Ein paar Leute im Dorf hat das sehr berührt, einige haben geweint.

Und was für eine Geschichte eines anderen hat Sie inspiriert?

Manchmal trete ich in Gefängnissen auf und vor ein paar Jahren hatte ich eine ganz spannende Begegnung mit einem Häftling, der mir unbedingt seine Zelle zeigen wollte. Er hatte einen langen weißen Bart, wirkte sehr friedlich und ausgeglichen. Es fiel mir schwer, zu glauben, dass er ein Verbrecher ist. Ich weiß nicht weswegen, aber er saß lebenslänglich ein. Seine Zelle war voller Ikonen, die er gezeichnet hat. Kein einfaches Handwerk, für eine Ikone braucht man mehrere Monate. Nachdem er seine Zeit abgesessen hatte, ist er in ein Kloster nach Griechenland gegangen und hat dort als Mönch weiterhin Ikonen gemalt. So entstand der Song „Icon“, dessen Message ist, dass jeder Mensch – auch der schwerste Verbrecher – einen Samen des Guten in sich trägt. Man muss es irgendwie nur wachküssen.

Glückliche Fans: 50 Menschen durften beim Mini-Konzert von Michael Patrick Kelly bei Radio ffn dabei sein. Quelle: Ilona Hottmann

Wenn man so intensiv sein Innerstes auspackt, macht das nicht auch sehr verletzlich?

Das Schöne an Musik ist, dass du über sehr private Themen reden kannst, sogar mit fremden Menschen, die du gar nicht kennst. Aber durch die Sprache der Musik, kannst du sie auch einem Millionenpublikum erzählen, ohne dass es komisch wirkt. Durch den Song wird es eine Kunstform, die rechtfertigt, meine Gefühle auszudrücken. Ich teile eigentlich sehr wenig aus meinem Privatleben, aber ich singe die ganze Zeit von privaten Dingen (lacht). Manche Songs möchte ich nicht erklären, um diesen nicht nur auf das „Eine“ zu reduzieren. Phil Collins hat sich zum Beispiel nie zu „In the Air tonight“ geäußert. Das ist gar nicht das Schlechteste, so kann sich jeder etwas Eigenes zu einem Lied überlegen.

Michael Patrick Kelly

*5. Dezember 1977 in Dublin. Er ist das zehnte Kind des Lehrers Daniel Jerome Kelly, das sechste von Tänzerin Barbara-Ann Suokko, Michael Patrick Kelly hat vier Halb- und sieben Vollgeschwister. Die Familie reist als Folkband The Kelly Family durch ganz Europa und die USA. Seine Mutter stirbt 1982. Im Jahr 1994 sorgt er für den kommerziellen Durchbruch der Straßenmusikergruppe, er schreibt den Song „An Angel“. Er rückt als Frontmann Paddy Kelly in den Fokus – sie verkaufen 20 Millionen Platten. Mit dem Tod des Vaters verändert sich die Gruppenstruktur, bald zählt die Band nur noch sechs Mitglieder. 2003 startet er seine Solo-Karriere, geht im Jahr drauf für sechs Jahre als Mönch Bruder John Paul Mary ins Kloster, studiert Philosophie und Theologie. Nach seinem Comeback ist er in TV-Shows wie „Sing meinen Song, „Theo Voice Kids“ und „The Voice“ zu sehen. Er engagiert sich sozial, ist mit seiner Jugendliebe Joelle Verreet verheiratet. www.michael-patrick-kelly.com

Einige Dinge erzählen Sie aber doch sehr offen, etwa, dass Sie in Therapie waren.

Über Dinge, die sehr weit zurückliegen, zu denen ich eine gewisse Distanz gewonnen habe, kann ich reden. Wenn ich vor 20 Jahren meinem Umfeld erzählt hätte, ich gehe zu Therapeuten, wäre ich aus deren Sicht vielleicht der Schwächling gewesen. Heute hat das Thema mentale Gesundheit eine ganz andere Gewichtung bekommen, Es ist auch wichtig, über solche Themen zu sprechen, weil sich viele nicht trauen. Aber wenn man eine gute Erfahrung gemacht hat, kann es erlösend und hilfreich sein – auch für andere.

Es heißt sie haben in drei Jahren 60 Songs überall auf der Welt geschrieben. Nach welchem Prinzip haben Sie fürs Album ausgewählt?

Einige Songs habe ich vor Jahren geschrieben, einige sind ganz frisch. Ich suche mir das aus, was ich gerade erzählen möchte. Es gibt Songs, die es jetzt nicht auf das Album geschafft haben, aber in zwei, drei Jahren vielleicht. Das ist wie in einem Weinkeller: Der eine Jahrgang muss mehr reifen als der andere, ein guter irischer Whiskey braucht auch zwölf Jahre (lacht).

Sein fünftes Studioalbum: „Boats“ von Michael Patrick Kelly. Quelle: Verlag

Manchmal träumen Sie Melodien. Wie schaffen Sie es, sich wachzumachen, um sie dann ins Telefon zu singen?

Wahrscheinlich habe ich schon so viele Melodien in meinen Träumen verpasst, dass ich irgendwann so sauer war und der Mechanismus, mir mein Telefon zu schnappen, irgendwann da war. Ich singe was rein, schlafe weiter, höre es mir am Morgen an und bewerte dann, ob es gut und daneben war.

Intensive Songs: Michael Patrick Kelly packt sein Innerstes in seine Lieder. Quelle: Ilona Hottmann

Normalerweise finden sich auf einer Platte Extras wie Fotos, Danksagungen, vielleicht Making of’s. Sie liefern etwas ganz anderes mit.

Richtig. In zehn Tagen erscheint eine 45-minütige Dokumentation zu diesem Album raus, die sehr schön geworden ist. Wo du es jetzt sagst: Ich habe auf „Boats“ die Danksagungen in der Eile und Hektik total vergessen. Ich habe aber Gottseidank das Lied „Thank you“ auf dem Album, das widme ich jetzt einfach allen, die beteiligt waren.

„Sing meinen Song“: 2019 (von links) ist Michael Patrick Kelly (rechts) mit (von links) Wincent Weiss, Johannes Oerding, Jennifer Haben, Jeanette Biedermann, Alvaro Soler und Milow in der Show. Quelle: dpa

Gibt es irgendwas, dass Sie besonders mit Hannover verbinden?

Auf jeden Fall! Hannover ist eine dieser Städte, die der Welt ein paar richtig gute Künstler geschenkt hat, die Scorpions zum Beispiel. Außerdem habe ich 2016 hier eine Platte mit spirituellen Liedern aufgenommen, eine Retrospektive zu meiner Zeit im Kloster. Und Anfang der 90er habe ich mit meinem Vater und meinen Geschwistern am Nordhafen ein Jahr mit unserem Schiff gelegen. Ich habe viele schöne Erinnerungen an die Stadt, auch aus der Zeit in der Fußgängerzone.

Plaza Festival 2018: Michael Patrick Kelly rockte in Hannover die Bühne. Quelle: Archiv

Nach drei Jahren gehen Sie wieder auf Tour. Wie sehr freuen Sie sich auf diesen kleinen Kick off bei ffn?

Ich finde, kleine Shows haben eine ganz tolle Atmosphäre. Es ist intim, es ist exklusiv und unplugged. Genauso liebe ich es, auf der großen Bühne vor 10.000 Menschen mit lauten E-Gitarren und fetten Drums zu rocken. Manchmal muss ich mich wirklich kneifen, um zu realisieren, dass ich einen Traumjob habe und von meiner Leidenschaft leben kann. Dafür bin ich extrem dankbar, dass so viele Leute meine Musik feiern.

Man kommt um Ihre Lieder gerade wirklich nicht herum.

Das tut mir sehr leid (lacht). Sorry Leute, dass ich euch verfolge.

Michael Patrick Kelly spielt am 28. September 2022 um 20 Uhr in der ZAG-Arena auf der Expo-Plaza. Tickets kosten zwischen 40,95 und 89,15 Euro und sind in den NP-Ticketshops (etwa Lange Laube 10) erhältlich oder online  unter neuepresse.de/tickets

Von Mirjana Cvjetkovic