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Leben in Hannover Mike Schleupner aus Hemmingen ist der Maler des Jahres
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Hannover: Maler des Jahres Mike Schleupner kommt aus Hemmingen

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07:48 22.11.2021
Diplomdesigner und Handwerker: Mike Schleupner kennt alle Facetten seines Jobs. Vergoldungen sind ein Markenzeichen des prämierten Malers.
Diplomdesigner und Handwerker: Mike Schleupner kennt alle Facetten seines Jobs. Vergoldungen sind ein Markenzeichen des prämierten Malers. Quelle: Christian Behrens
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Welchen Weg er gehen würde, war ihm früh klar. „Ich habe schon immer gezeichnet und gemalt“, erinnert sich Mike Schleupner (42) an seine Kindheit. „Ich hatte immer Stift und Papier dabei, habe mit sechs Jahren angefangen, meine Kumpels zu malen, oder ich habe Skizzen und Comics angefertigt. Die Bilder habe ich alle aufgehoben“, sagt er und muss lachen.

Als Schüler jobbte er in den Ferien oder an Wochenenden als Anstreicher auf Baustellen, um Geld zu verdienen. Er machte sein Abitur an der Laatzener Albert-Einstein-Schule (natürlich mit dem Leistungskurs Kunst), und während viele nach der Schule sofort an die Uni wollen, lernte Mike Schleupner in Pattensen zwei Jahre den Beruf des Malers und Lackierers – weil er das Abi hatte, konnte er im zweiten Lehrjahr einsteigen.

Sein ehemaliger Professor gewann ihn für das Projekt

Erst danach ging es an die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst nach Hildesheim. Vier Jahre lang studierte Schleupner den Diplomstudiengang Farbdesign. Einer, der ihn schon damals inspirierte, war sein Professor Markus Schlegel (56), ein Fachmann für Farbgestaltung. „Ihn traf ich viele Jahre später wieder“, erinnert sich der Designer. Schleupner hatte sich längst mit seiner Firma „Farbcompany“ selbstständig gemacht, als ihn Schlegel für ein besonderes Projekt gewann: die Modernisierung und Erweiterung des Theaters für Niedersachsen in Hildesheim.

Prächtig: An den Seiten des Theatersaals sind die Akustikelemente zu sehen, die Mike Schleupner individuell gestaltet hat. Quelle: privat

Eine der größten Herausforderungen war die Gestaltung der 850 Akustikplatten, die für den richtigen Klang in dem Kulturhaus sorgen. „Die mussten wir händisch beschichten“, erzählt Mike Schleupner. Das Problem: „Jede Platte ist anders gewölbt, um den Schall korrekt übertragen zu können.“ Er und sein Team bearbeiteten außerdem den Wandelgang und das Foyer mit unterschiedlichen Oberflächentechniken, berücksichtigten bei ihrer Arbeit Lichtverhältnisse, technische Ansprüche und den Denkmalschutz.

Jury lobte hohes handwerkliches Niveau

Die Jury des Fachmagazins „Die Mappe“ lobte das hohe handwerkliche Niveau bei der anspruchsvollen Umsetzung der Wandelemente, hob hervor, dass bei derart großen Projekten ein kleiner Betrieb durchaus eine entscheidende Funktion übernehmen kann – und kürte den 42-Jährigen zum „Maler des Jahres 2021“ in der Kategorie „Gestaltungskonzept gewerblich/öffentlich“ im gesamten deutschsprachigen Raum. „Das ist schon eine sehr große Anerkennung“, sagt Schleupner, der von der Auszeichnung überrascht wurde – denn die Preisträger werden erst bei der Verleihung verkündet.

Imposant: Dieses florale Motiv malte das Team an die Decke des Theaters. Quelle: privat

Der Titel „Maler des Jahres“ fällt in ein ohnehin bewegtes Jahr des Diplomdesigners. Seit Anfang 2021 hat sich Schleupner mit einem Kollegen zusammengetan: dem Stuckateurmeister Klaus Stuckert (60). „Er war übrigens Stuckateur des Jahres 2016“, sagt Schleupner mit einem Schmunzeln.

Zwei Gewerke, zwei Generationen. Wie kam es zu der Kooperation? „Wir ticken sehr ähnlich“, sagt Mike Schleupner, „wir wollen das traditionelle Handwerk stärken und möchten erreichen, dass es wieder mehr Wertschätzung erhält.“

Teamplayer: Mike Schleupner und Klaus Stuckert arbeiten zusammen. Schleupner möchte weiterführen, was der Stuckateur aufgebaut hat. Quelle: privat

Beide sehen sich nicht nur als Dienstleister, sondern auch als Handwerker und Künstler. „Viele Maler lernen heute gar nicht mehr, mit traditionellen Materialien und Techniken zu arbeiten“, nennt Schleupner ein Beispiel. „Es geht heute im Wesentlichen um perfekte, aalglatte Wände.“

Mike Schleupner

* 13. April 1979 in Hannover. Sein Vater war Maschinenschlosser, seine Mutter, die aus Thailand stammt, arbeitete als Grafikerin. Mike Schleupner hat eine jüngere und eine ältere Schwester und wächst in Pattensen auf. Sein Abi macht er an der Albert-Einstein-Schule in Laatzen, geht zur Bundeswehr, absolviert anschließend eine Malerausbildung und studiert Farbdesign. Seit 2007 ist er selbstständig. Schleupner lebt mit seiner Frau und zwei Kindern (sieben und zwölf) in Hemmingen. Er reist gerne, fährt gerne Fahrrad und mag es, in der Natur zu sein. Mehr Infos unter www.farbcompany.de und www.stuck-stuckert.de

Auch bei den Materialien besinnen sich die Geschäftspartner auf traditionelle Stoffe, der 42-Jährige setzt zum Beispiel auf Kalk und Erdpigmente. „In den konventionellen Farben stecken viele Weichmacher und Konservierungsstoffe, für Allergiker kann das zum Beispiel ein Problem sein.“

Schätzt traditionelle Handwerksmethoden: Mike Schleupner arbeitet beispielsweise mit Kalk und Erdpigmenten. Quelle: Christian Behrens

Aber auch darüber hinaus wollen Schleupner und Stuckert eine neue Philosophie leben. „Mit einer Handwerkstrainerin erarbeiten wir Strategien, wie wir die Mitarbeiter zweier Gewerke am besten zusammen führen.“ Die Angestellten reflektieren in einem Gemeinwohl-Selbsttest zudem ökologische und solidarische Aspekte ihres Lebens: „Wie ernähre ich mich, welche Energiequellen nutze ich, wie ist mein Konsumverhalten?“, zählt der 42-Jährige Beispiele des Fragebogens auf. Derzeit ist Schleupner auf der Suche nach fair produzierter Arbeitskleidung.

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Werte leben, fair und nachhaltig arbeiten, Verantwortung übernehmen – die Geschäftsleute spannen einen großen Bogen. „Wir wollen einen anderen, nachhaltigeren Weg gehen“, sagt der Hemminger. Der Titel „Maler des Jahres“ wird auf diesem Weg sicher kein Stolperstein sein.

Von Julia Braun