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Leben in Hannover Löwenstark: So tickt Hannovers erster weiblicher Lions Club
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Hannover: Lions Club Viktoria Luise ist erster weiblicher Lions Club

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07:33 19.11.2021
Generationsübergreifend und gut gelaunt: Lions-Präsidentin Nermin Avlar (Mitte) mit Ingrid Graaff (rechts) und Anne Wolff.
Generationsübergreifend und gut gelaunt: Lions-Präsidentin Nermin Avlar (Mitte) mit Ingrid Graaff (rechts) und Anne Wolff. Quelle: Franson
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Sie weiß noch genau, wie sie von Männern belächelt worden sind: „Mal schauen, wie lange das bei denen gut geht?“, wurde hier und da hinter vorgehaltener Hand getuschelt. Drauf gegeben hat Ingrid Graaff (75) nichts – und im April 1993 mit weiteren Gleichgesinnten einen Damen Lions Club gegründet, den ersten in Niedersachsen überhaupt! „Anerkennung haben wir in kürzester Zeit von den Herren bekommen“, erinnert sich das Gründungsmitglied und lacht.

Ihre Organisation, sie nennen sich Lions Club Viktoria Luise, hat in den ersten anderthalb Jahren nämlich nicht nur 25.000 Mark Spendengelder gesammelt, sondern mit Mitstreitern der männlichen Fraktion viele Aktivitäten gemeinsam realisiert. Namensgeberin und Vorbild ist Viktoria Luise von Preußen, die als sehr hilfsbereit galt. 28 Jahre später sind nicht nur zwei Damen der ersten Stunde – Anne Wolff (93) gehört dazu – immer noch Feuer und Flamme für ihr Tun, auch wenn die Corona-Pandemie das ein oder andere Vorhaben ausbremst.

Kreativ: Einladungen wie diese zum ersten Neujahrskonzert fertigen die Lions Damen immer selbst an – bis heute. Quelle: Mirjana Cvjetkovic

Anderen zu helfen und zu dienen – bei der weltweit vernetzten Organisation heißt der Leitspruch „We serve“ –, das tun sie nach fast zwei Jahrzehnten Arbeit immer noch unermüdlich. Nach anfänglich 14, 15 Frauen verbucht der hannoversche Club mittlerweile 24 Damen, die sich einbringen. „Wir sind allerdings so intensiv bei der Sache, als ob wir 50 Teilnehmerinnen wären“, erklärt Nermin Avlar (45). Mit mehr als 1,4 Millionen Mitgliedern in 48.386 Clubs in mehr als 200 Ländern und Gebieten ist der Lions Club die mitgliederstärkste Service-Cluborganisation der Welt. In Deutschland sind es 52.000 Männer und Frauen in 1580 Clubs.

Mitglieder treffen sich jeden ersten und dritten Mittwoch

Avlar ist Leiterin der hannoverschen Schauspielschule Stagecoach und seit 2016 dabei. In diesem Jahr ist sie zudem Präsidentin – und die Jüngste im Club. „Dass ich irgendwo die Jüngste bin, kommt mit 45 nicht mehr alle Tage vor“, sagt sie lachend. Wer denkt, dass aufgrund des Altersunterschieds Zoff programmiert sein könnte, irrt: „Sie ist eine echte Bereicherung, gerade weil sie jung ist“, betont Ingrid Graaff. „Nermin hat tolle Ideen, die uns voranbringen. Dafür bewundere ich sie.“ Denn während die älteren Generationen ihre Herangehensweisen, Gelder zu sammeln, meist akribisch durchdacht und geplant haben, „sieht die Jugend das lockerer mit dem Sammeln. Sie sprechen Menschen anders an, auch im Digitalen“, ergänzt die Club-Älteste Wolff. Jeden ersten und dritten Mittwoch des Monats trifft sich die Runde, um über anstehende Aktionen zu sprechen.

Avlar lernt ebenfalls von den Seniorinnen dazu: „Es sind Eigenschaften wie ihr Durchhaltevermögen, die Standhaftigkeit und die Erfahrungen, die mir imponieren.“ Sie selbst musste lernen, auch mal einen Schritt zurück zu gehen und Dinge gegebenenfalls neu zu bewerten: „Es ist schließlich nicht alles so, wie ich es sehe.“

Jedes Jahr wird eine neue Präsidentin gewählt

Da passt das Motto, das Nermin Avlar sich für ihr Amtsjahr als Präsidentin (wechselt jährlich) gewählt hat, perfekt: „Tradition auf neuen Wegen“. Es geht darum, Altes mit Neuem zu kombinieren – nicht nur das Generationsübergreifende betreffend. „Auch wegen der Pandemie mussten wir uns viel Neues überlegen. Dabei ist es generell nicht leicht, an Gelder zu kommen.“

Prösterchen: Bei ihren Treffen tausche sich die Lions Damen (von links) Nermin Avlar, Ingrid Graaff und Anne Wolff über viele Themen aus. Quelle: Franson

Früher ist Graaff einfach mal in ihre alte Heimat nach Thüringen gefahren, um die legendäre Bratwürstchen zu besorgen: „Ich bin an einem Tag hin und wieder zurück“, erinnert sich die 75-Jährige. Am Aegi wurde die Spezialität gegrillt und für den guten Zweck verkauft, außerdem gab’s Glühwein. Die Organisation hat ganz unterschiedliche Projekte in der Region unterstützt: „Bed by Night“, das Frauenhaus, aktuell steht Aktion Kindertraum auf ihrer Liste. Ihre Zuwendungen richten sich primär an Frauen und Kinder in der Region Hannover.

Weihnachtsflohmarkt für den guten Zweck

Für diesen Verein stellen die Damen einen Flohmarkt auf die Beine: Am 27. November gibt es im Turn-Klubb zu Hannover (Maschstraße 16) einen Weihnachtsflohmarkt, bei dem von 14 bis 17 Uhr Artikel wie Kinderspielzeug, Haushaltsgeräte und mehr den Besitzer wechseln sollen. Der Erlös geht an Aktion Kindertraum, die Lions-Damen verdoppeln den Betrag.

Und auch wenn die Lions-Damen ihren Blick nach vorne richten, wünschen sie sich ein bisschen die alte Zeit, die vor Corona, zurück: Einmal im Jahr sind sie nämlich gemeinsam verreist, haben zum Jahresende immer neue Ecken der Republik entdeckt. „Mal waren wir in Dresden, mal auf Sylt“, berichtet Anne Wolff. In den Trip haben sie mal eine Besichtigungen der Semperoper, eine Verkostung in einer Sektkellerei, Museumsbesuche und Schnitzeljagden eingebaut. „Es ist wichtig, auch an uns zu denken“, betont Ingrid Graaff. Das hilft ungemein, sich für neue Projekte zu motivieren: „Nur so kann man eine Denkfabrik für Neues sein.“

Von Mirjana Cvjetkovic