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Leben in Hannover Authentisch vietnamesisch: „Tru Story“ in Linden ist eine wahre Geschichte
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Hannover-Linden: Authentische Vietnam-Küche in "Tru Story"

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07:05 24.11.2021
Seine Geschichte: Tru Nguyen kocht authentisch vietnamesisch in seinem Restaurant „Tru Story“ in Linden.
Seine Geschichte: Tru Nguyen kocht authentisch vietnamesisch in seinem Restaurant „Tru Story“ in Linden. Quelle: Villegas
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Hannover

Vom Tellerwäscher zum eigenen Restaurant: Tru Nguyen (58) hat geschafft, wovon viele träumen. Zusammen mit seinem Sohn Ngoc Duc „Nucki“ Nguyen führt er „Tru Story“ in Linden. Mit Gerichten, die so schmecken, wie in seiner Heimat Vietnam.

Was ist das Besondere an der vietnamesischen Küche?

Sie ist immer frisch. Alles wird frisch gebraten, jede Brühe frisch angesetzt. Ich koche hier sehr traditionell. Würde man nach Vietnam fliegen und dort das Essen probieren, würde man feststellen, dass es hier genau so schmeckt. Die Leute fragen oft nach gebratenen Nudeln – aber das machen wir hier nicht. Wir kochen zu hundert Prozent authentisch, frisch, vietnamesisch. Ohne Instant- Zusätze oder Pasten.

Ist vietnamesisches Essen im Trend?

In den letzten Jahren sind das Land und Backpacking- Touren dort sehr beliebt geworden. Dadurch haben sich die Leute auch mit dem Land, den Leuten und dem Essen auseinandergesetzt. Die Ente süßsauer von früher ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Viele Länderküchen wurden früher sehr verramscht, dagegen müssen wir heute ankämpfen. Damit die Authentizität wiederkommt.

Haben Sie ein Lieblingsgericht, welches Sie jeden Tag essen könnten?

Ich liebe Reisnudeln mit Tofu und Maggi-Sauce (lacht) – das ist ein bisschen wie das Butterbrot in Deutschland.

Wie wichtig sind vegane Gerichte auf der Karte?

Wir haben schon überlegt, komplett auf vegan zu gehen. Aber wir sind noch nicht so weit. Jedes Gericht schmeckt aber mit Tofu oder ohne Fleisch genauso fantastisch wie mit.

Tru Nguyen

*14. November 1963 in Vuong Tau (Vietnam). 1981 flieht er nach Deutschland, fängt in der Gastronomie als Tellerwäscher an, arbeitet sich hoch, kocht in Restaurants in Braunschweig und Berlin. „Tru Story“ (Blumenauerstraße 3, Telefon 0174/3276494) eröffnet er im Frühjahr zunächst als Abhol- und Bringdienst zusammen mit seinem Sohn und seiner Tochter. Seit kurzem ist die „Authentic Asia Food & Bar“ auch als Restaurant geöffnet. Geöffnet ist täglich 12 bis 22 Uhr.

Was hat Ihre Mutter für Sie gekocht als Kind?

Es gab immer Fisch (lacht). Alle in der Familie waren Fischer – außer mein Vater. Weil er nicht schwimmen konnte, hat er als Maurer gearbeitet.

Sie sind mit den sogenannten „Boat People“ nach Deutschland gekommen?

Ich bin 1981 mit dem Boot nach Deutschland geflohen – alleine. Meine Frau war damals schwanger mit unserem ältesten Sohn, sie ist erst fünf Jahre später nachgekommen. 1982 habe ich als Tellerwäscher angefangen und habe mich über die Jahre zur Küchenhilfe und später zum Koch hochgearbeitet. Bis ich mich 1986 in Minden selbstständig gemacht habe, hatte ich viele Stationen, habe in bestimmt zehn Restaurants gearbeitet. Im „goldenen Drachen“ in Braunschweig habe ich das Schnitzen von Gemüse gelernt. Ich wollte viele verschiedene Küchen kennenlernen und das Beste für mich daraus ziehen.

Chef am Herd: Tru Nguyen bietet in „Tru Story“ authentische vietnamesische Küche. Quelle: Villegas

Warum heißt das Lokal „Tru Story“?

Es ist doppeldeutig. Tru ist mein Name, und es ist eben eine wahre Geschichte. Obwohl ich eigentlich mit einem anderen Namen geboren wurde. Ich war mit fünf Jahren sehr krank in Vietnam und wurde von einem Mönch gepflegt und aufgepäppelt. Er gab mir den Namen Tru, was so viel bedeutet wie „minus“. Es sollte bedeuten, dass die Krankheit weggeht.

Fünf Lebensmittel, die Sie auf eine einsame Insel mitnehmen würden?

Reis, Reisnudeln, Tofu, Koriander. Sojasprossen müssen immer dabei sein, die esse ich manchmal einfach so. Und Maggi (lacht).

Klein und gemütlich: Das Lokal ist unter den Arkaden gegenüber vom Ihmezentrum. Quelle: Villegas

Gibt es auch deutsche Hausmannskost, die Sie mögen?

Früher habe ich gern Cordon Bleu gegessen. Jetzt bestelle ich meistens Steaks in deutschen Restaurants. Bei anderen Vietnamesen esse ich gar nicht, weil mich Glutamat und Geschmacksverstärker sauer machen, sie entsprechen nicht der typischen Küche meiner Heimat. Eine richtige Brühe, wie unsere Pho Bo, wird mehr als zehn Stunden aus Knochen und Gemüse gekocht, dann mit Zimt und Sternanis verfeinert. Diesen Geschmack und die Intensität bekommst du niemals mit Pasten und Instantpulver hin.

„Tru Story“ ist ein Familienbetrieb mit Sohn und Tochter. Klappt das gut?

Auf jeden Fall. In Vietnam ist das nicht so üblich. Meine Mutter hatte zehn Kinder, sie war mit uns zuhause, der Vater ist arbeiten gegangen. Ich genieße es sehr, hier mit meinen Kindern zusammen zu sein.

Könnten Sie sich vorstellen mit Kochen aufzuhören?

Nein niemals. Solange ich kann, werde ich hier stehen und kochen. Und ich versuche immer etwas Neues, habe so viele Ideen im Kopf, die ich ausprobieren möchte. Neulich habe ich Krabbenchips gemacht und sie mit verschiedenen Toppings aus Garnelen, Lachs und Gemüse belegt – wie vietnamesische Tapas. Da bleibt keine Zeit zum Aufhören (lacht).

Von Luisa Verfürth