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Leben in Hannover Heino im Interview: Darum spiele ich jetzt Klassik
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Hannover: Heino spielt am 6. November Klassik im Kuppelsaal

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07:30 29.10.2021
Freut sich auf Hannover: Heino tritt am 6. November im Kuppelsaal auf.
Freut sich auf Hannover: Heino tritt am 6. November im Kuppelsaal auf. Quelle: Foto: Franson
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Hannover

Es gab Zeiten, da wussten 98 Prozent der Deutschen, wer dieser semmelblonde Mann mit der Sonnenbrille ist – Heino (82). Das Schlager-Urgestein ist derzeit auf Tournee.

Heino, nach rockigen Klängen nun also Mozart, Beethoven, Brahms und Tschaikowski: Warum singen Sie jetzt Klassisches?

Das war von mir so gewünscht, weil ich die Palette mit Schlager, Seemannsliedern, Volksliedern und Rock ja schon durch habe (lacht). Eigentlich knüpfe ich nur an meine Anfänge an. Die Geschichte mit dem Rock war schon nicht schlecht, aber jetzt will ich beweisen, dass ich auch schön singen kann. Es bereitet mir unheimlich viel Spaß und dem Publikum bisher auch, es gab Standing Ovations.

Welches musikalische Metier würde Sie denn noch reizen?

Es kommt wieder etwas Neues, aber das möchte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorwegnehmen. Die Produktion dafür steht bereits und ich kann mir vorstellen, dass es an den Erfolg von meinem Ausflug in die Rockmusik anknüpft.

Lang ist’s her: Heino im Jahr 1996 bei einem Auftritt im Kuppelsaal des HCC. Quelle: Archiv

In Hannover haben Sie 1967 ihr erstes Konzert gegeben, auch schon im Kuppelsaal: Erinnern Sie sich an die Stadt in ihren späten 60ern?

Oh ja. Ich habe über drei, vier Wochen in einer Maschseegaststätte gespielt. Damals hatte ich kein Geld, habe privat bei Leuten an der Bütersworthstraße gewohnt. Dadurch konnte ich die Stadt gut kennenlernen. Und der Kuppelsaal ist einfach eine fantastische Spielstätte. Wenn ich dort auf der Bühne stehe, muss ich gestehen, dass ich als Interpret einen viel schöneren Ausblick haben als die Menschen im Publikum (lacht).

Treten gemeinsam auf: Heino und der österreichische Geiger Yury Revich sind mit „Heino goes Klassik“ auf Tour. Quelle: dpa

Eigentlich war das Konzert mit großem Orchester geplant, nun treten Sie coronabedingt mit dem Organisten Franz Lambert sowie mit dem Geiger Yury Revich auf. Mussten Sie die Abläufe dafür ändern?

Nein, das Arrangement steht weiterhin so, es ist ja auf Noten festgeschrieben. Posaune, Violine, Pauke – all die Instrumente werden auf die Orgel von Franz Lambert übertragen. Optisch würde es mit großem Orchester vielleicht schöner aussehen, aber vom Klang her ist es so toll.

Auch in den Sälen selbst ist weniger los, Sie treten aber trotzdem auf. Warum?

Weil ich mir gesagt habe, ganz gleich, wie viele oder wenige Karten Leute gekauft haben: An dieser Tournee hängen die Arbeitsplätze von 17 Menschen – Musiker, Techniker, Leute aus dem Aufbau. Ich muss nicht mehr um jeden Job buhlen, sonst hätte ich in den vergangenen Jahrzehnten auch etwas verkehrt gemacht. Aber den Menschen, darunter Spitzenmusiker, die bereits mit Barbra Streisand und Udo Jürgens aufgetreten sind, und anderthalb Jahre keine Einkünfte hatten, ihnen galt es, zumindest für drei Monate einen Arbeitsplatz zu geben. Ich habe mich entschieden, das durchzuziehen und bin sehr froh darüber. Dafür bekommen ich jeden Abend Standing Ovations. Mehr kann ich als Interpret nicht verlangen.

Dritte Ehe – und die glücklichste: Heino und seine Frau Hannelore sind seit 1979 verheiratet. Quelle: dpa

Sie sind in Ihrem Wohnmobil „Concorde Charisma 905 L“ unterwegs. Wo befindet sich Ihr Lieblingsplatz darin?

Obwohl ich mich hinten schön hinlegen könnte, halte ich mich ganz vorne am liebsten auf, da sitze ich wie im Clubsessel. Mit dem Wohnmobil können wir jederzeit eine Pause machen, ein Käffchen aufbrühen und Kuchen essen. Hannelore ist meistens dabei, zwei Katzen, ihr Katzenklo und Körbchen. So ist es uns am gemütlichsten.

In Bad Münstereifel sind Sie zu Hause: Wie schlimm steht es nach der Flut um den Ort?

Ich habe das letzte Jahr über die meiste Zeit in Kitzbühel verbracht. Unser Kurhaus in Bad Münstereifel steht auf einem Berg und ist verschont geblieben. Die Stadt hat es allerdings sehr getroffen, ich habe Fotos gesehen. Es sieht sehr, sehr böse aus, was dort geschehen ist.

Ganz neue Erfahrung: Wegen Corona ist Heino im Jahr 2020 erstmals vor Publikum in Autos aufgetreten. Quelle: dpa

Wie lautet ihre persönliche Corona-Bilanz?

Es war eine sehr harte Zeit, wenn man sieht, wie viele Menschen krank geworden und gestorben sind. Meine Schwester und mein Schwager haben sich angesteckt, sind aber wieder genesen. Ich habe mich sehr über Interpreten geärgert, die sich nicht an Regeln gehalten haben und ihr Publikum aufgefordert haben, einfach nach vorne zu kommen. Das sind doch keine Ärzte und keine Wissenschaftler, sie haben von Tuten und Blasen keine Ahnung! Die Experten sind doch keine Idioten, sondern Fachleute, die helfen wollen. Wir halten uns an die Regeln, sind zweimal geimpft und lassen die Impfung nach der Tournee auffrischen. Ich empfinde aber auch viel Freude.

Wobei etwa?

Wenn ich sehe, dass Konzerthäuser zwar nicht so voll sind wie gewohnt, aber immer mehr Leute kommen. Das zeigt mir, dass sie auch Hoffnung haben, dass es bald besser wird und wir für 2022 viel Schönes planen können.

Heino tritt am 6. November um 20 Uhr (Einlass ab 19 Uhr) im Kuppelsaal des HCC auf. Tickets kosten zwischen 49 und 99 Euro und sind erhältlich in den NP-Ticketshops (etwa Lange Laube 10) oder online unter neuepresse.de/tickets

Von Mirjana Cvjetkovic