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Leben in Hannover Hannover: Ein Album voller Leben für Manfred Krug
Hannover Leben in Hannover Hannover: Ein Album voller Leben für Manfred Krug
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12:08 27.01.2017
Von Mirjana Cvjetkovic
MUSIK 
IN JEDER KÖRPERZELLE: 
Lutz Krajenski ist bei den Aufnahmen für das Tribut-Album im Studio Babelsberg voll in seinem Element.
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IN JEDER KÖRPERZELLE: 
Lutz Krajenski ist bei den Aufnahmen für das Tribut-Album im Studio Babelsberg voll in seinem Element. Quelle: Kirstin Hunger
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Hannover

Sich sehendes Auges Probleme schaffen? Nee, dafür ist Lutz Krajenski (44) zu schlau, erfahren und friedliebend. Deshalb war er ziemlich zurückhaltend, als er vor einem Jahr die Anfrage erhielt, ein Album von und für Manfred Krug († 79) zu arrangieren.

„Ich habe mir sagen lassen, dass er ein ziemlich harter Knochen sein kann“, erzählt der Musiker der NP, „aber irgendwie hatte er wohl einen Narren an mir gefressen, er wollte ein Krajenski-Album.“ Was das Musikalische betraf, hatte der 44-Jährige keine Bedenken, sehr wohl aber in Sachen Gesang: „Das ist eine sehr fragile Sache mit viel Persönlichkeit. Wenn es da knallen sollte, war ich mir nicht sicher, ob ich wirklich der Richtige bin.“

Nach einem ersten Treffen war Krajenski dann allerdings guter Dinge. „Ich war bei ihm in Berlin, ein total netter Nachmittag“, erinnert er sich an den Besuch in der Dachgeschosswohnung in Charlottenburg, „es gab Kuchen von seiner Frau Ottilie.“ Die Männer unterhielten sich über das geplante Projekt: Es sollte ein Album mit alten Krug-Liedern werden, Songs aus seinen DDR-Zeiten, die er seitdem auch so gut wie nicht mehr gesungen hatte. „Wir haben uns gut verstanden, er hat viel gefragt und war interessiert“, so Krajenski, „er hat auch gemerkt, dass ich kein Schnacker bin, sondern dass ich weiß, was ich mache.“

Auf der Fahrt zurück nach Hannover erreichte ihn eine
SMS von Dirk Mahlstedt, Boss der Plattenfirma „Künstlerhafen“. Inhalt: „Du hast einen bleibenden Eindruck hinterlassen.“ Krajenski lacht: „Auf der Hinfahrt hatte ich auch per SMS erfahren, dass es vom Treffen abhängt – bin ich Krug sympathisch oder nicht? –, ob es das Album überhaupt geben wird ...“ Er hatte also überzeugt, war es selbst auch und wollte dieses Projekt nun in Angriff nehmen. „Viele der alten Lieder wollte er nie mehr singen“, weiß der Arrangeur. Krug hatte mit dem Kapitel gebrochen, es stammte aus einer Zeit, in der er mit Musikerkumpel Günther Fischer (72) Erfolge gefeiert hatte. Anfang der 90er Jahre warf er dem Komponisten vor, ihn für die Stasi bespitzelt zu haben – das hatte Krug zutiefst erschüttert.

Dennoch hatte der mittlerweile 79-Jährige beschlossen, die alten Songs wiede
 anzufassen. „Ich kann das Geschehene nicht ungeschehen machen“, hatte er Krajenski gesagt, „aber die Musik hat damit nichts zu tun!“ Und so machten sich die Männer daran, die Stücke wiederaufleben zu lassen. Krajenski arrangierte sie neu und präsentierte Krug seine Ideen. „Herr Krajenski, jetzt spielen Sie das Lied doch mal so, dass ich es erkennen kann!“, bekam der Hannoveraner dann auch mal die herrische Seite des Schauspielers zu spüren: „So wusste ich, er hat da Bock drauf.“

Was damals niemand ahnte: Ein paar Wochen später wurde der Sänger und TV-Star wegen einer Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert, da saß Krajenski schon mit dem Deutschen Filmorchester in Babelsberg. „Wir ziehen das durch“, war man sich einig, „die Vocals singt er eben ein, wenn er wieder gesund ist“, erinnert sich der Musiker. Es war alles fertig, als das Team erfuhr: Krug war entlassen worden und erholte sich zu Hause. Da überlegte Produzent Krajenski schon, ein mobiles Studio für Aufnahmen bei Krug zu Hause zu organisieren.

Doch daraus sollte nichts werden: „Manfred Krug ist
tot“, meldeten diverse Medi-en. „Wir waren gelähmt und geschockt, der totale Hammer“, erinnert sich Krajenski an jenen Tag im Oktober 2016. Ein Wochenende voller Ungewissheit verstrich, bis eine folgenschwere Entscheidung fiel. Das Album erscheint trotzdem – als Tribut-Album: „Wir zückten Adressbücher und Kalender, riefen Leute an, die Bock hätten, eins der 14 Lieder zu singen.“ Es hagelte Zusagen – von Jan Josef Liefers (52) über Axel Prahl (56) und die Prinzen bis zu Stefan Gwildis (58), außerdem sind Gunter Gabriel (74, „Manfred und ich haben mal eine Frau geteilt“) und unser Lokalmatador Oliver Perau alias Juliano Rossi (47, „Ich bin riesiger Krug-Fan, es ist mir eine Ehre, beteiligt zu sein“) dabei.

Eine Wahnsinnsgeschichte, die trotz der Trauer um den großen Künstler vielen Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern dürfte. Am 3. Februar erscheint das Album „Manfred Krug – seine Lieder“. Gut gemacht!