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Leben in Hannover Das steckt hinter dem neuen „Butjer“ in Linden
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Hannover: Das "Falkeneck" in Linden wird zum "Butjer"

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08:00 16.10.2021
Zwei „Butjer“: Ngoc Duc Nguyen (links) und Daniel Jäger betreiben die Kneipe in Linden-Mitte gemeinsam.
Zwei „Butjer“: Ngoc Duc Nguyen (links) und Daniel Jäger betreiben die Kneipe in Linden-Mitte gemeinsam. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Neues Leben im ehemaligen „Falkeneck“ in Linden-Mitte: Schon vergangenes Wochenende konnte man ins „Butjer“ hineinschnuppern, Daniel Jäger (35) vom „Harp“ am Schwarzen Bären und „Probierbar“-Chef Ngoc Duc Nguyen (34, ihn nennen alle „Nucki“) hatten spontan das Soft Opening anberaumt. „Einfach ausprobieren“, war das Motto – Drinks, Bier, kleine Karte mit zwei Gerichten. Jetzt läuft der Betrieb, vorerst mittwochs bis sonntags.

Es ist eine bewusst inszenierte Melange aus neu und alt. Das „Falkeneck“ war eine Fußballkneipe – am Bildschirm über dem Tresen wird man auch im „Butjer“ 96-Spiele verfolgen können, an der Wand hängen Fanschals und Fotos von Legenden wie Werner Biskup (†72) und dem jungen Dieter Schatzschneider (63).

Zwei Burger, Fish & Chips, Schnitzel – und Skat

Das Lokal bleibt eine Kneipe, in der auch Skat gespielt werden soll. „Kein Restaurant“, wie Nguyen betont – „davon gibt es in Linden immer mehr.“ Das Butjer bietet einen Mix aus englischer und deutscher Küche. „Zwei Burger, Fish & Chips, Schnitzel, Currywurst, saisonal auch Ente oder Bregenwurst“, erklärt Jäger, dessen Burger-Küche im „Harp“ einen ausgezeichneten Ruf hat.

Vier Butjer (von links): Ngoc Duc Nguyen, Florian Stürmer, Daniel Jäger und Mathias Franke (vorne). Quelle: Frank Wilde

Das Lokal am Schwarzen Bären hat er in den vergangenen Monaten umgebaut, die Küche vergrößert, um den Ansturm der Gäste zu bewältigen. Seit 2013 macht Jäger das „Harp“. „Es war eine Schnapsidee“, erzählt er die gerne zitierte Anekdote. Mit seinem Schwager habe er am Tresen gesessen („wir waren leicht angetrunken“), als der damalige Wirt erzählte, dass er den Laden loswerden will. „Am nächsten Tag haben wir ihn gekauft.“

Das „Harp“ ist eine Erfolgsgeschichte, auch an der Neueröffnung des „Chuchillos“ in der City war Jäger 2020 beteiligt, stieg dann aber aus dem Gemeinschafts-Projekt mit Monty Emrich (31) und Frido Marquardt (33, „Broncos“, „Schenker“) und Andreas Oldenburger (38, „Locorito“) aus. Für das „Butjer“ hat er sich einen Kniff in der Küche ausgedacht: Es gibt „Smashed Burger“. Bei denen wird das Fleisch auf die glühend heiße Grillplatte gepresst – „so entstehen Röstaromen, außerdem knackt es so schön, beim Reinbeißen“, erklärt er. Die Patties werden außerdem in länglichen Brötchen serviert.

Bodenständig: Das ehemalige „Falkeneck“ soll auch als „Butjer“ eine Kneipe für 96-Spiele und Skatabende bleiben. Quelle: Frank Wilde

Jäger ist vom Fach: Eine Kochausbildung hat er zwar nach einem Jahr abgebrochen („Es ist keine Erfüllung, 300 Essen rauszuhauen. Schöner ist es, für Freunde zu kochen und Rückmeldung zu bekommen“), dann Veranstaltungskaufmann gelernt. „Aber die Basis ist da“, sagt er mit einem Grinsen.

Eine gute Basis hat er auch mit „Nucki“ Nguyen. „Wir kennen uns aus der Gastroszene“, sagt der Mann mit vietnamesischen Wurzeln, der sich mit der „Probierbar“ (einst an der Limmerstraße, jetzt in der Altstadt) einen guten Gastgeber-Ruf aufgebaut hat. Am Schwarzen Bären teilen sich Jäger und Nguyen schon länger ein Büro. „Jeder hat von seinen Projekten, Plänen und Problemen erzählt. Wir ticken ganz ähnlich, bereichern uns gegenseitig. So kamen wir auf die Idee, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen.“

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Im „Butjer“ lief während der „Harp“-Renovierung der Außer-Haus-Verkauf der Burger, nun wird es ein richtiges Standbein. Mit Sinn für Tradition und alte Werte – der Name der Kneipe komme ja nicht von ungefähr, so die beiden Wirte. Auf Bierdeckeln haben sie die Bedeutung des Namens für die Gäste zum Nachlesen parat. „Butjer“ war einst der Schmähbegriff für ungebeten Gäste aus den damaligen Vororten der Stadt Hannover (die kamen „von buten rin“, von draußen rein), in Linden wurde es aber als ehrenvolle Auszeichnung empfunden. „Linden ist immer noch eine Insel“, findet auch Nguyen, der in fünf Minuten an der Falkenstraße gefühlt ein Dutzend Menschen begrüßt. „Die Menschen fühlen sich dem Viertel sehr verbunden.“

Kein „Hipster-Chichi“: Das „Butjer“ hat weiter Kneipencharme. Quelle: Frank Wilde

Dieses Heimatgefühl soll im alten „Falkeneck“ leben: Der Tresen wurde neu geölt, die Bänke mit lila Leder bezogen, in den Fenstern stehen puschelige Lampen. „Wir haben wenig verändert, lassen den alten Charme drin“, betonen die beiden Gastronomen, die keine „Hipster-Chichi“ wollen. Die Gastronomie entwickle sich so rasant, „wir wollen ein bisschen entschleunigen“, sagt Nguyen. „Back to the Roots“, bekräftigt Jäger. Dieser „Butjer“ hat Wurzeln.

Von Andrea Tratner