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Leben in Hannover Warum sind Bartender Aufmerksamkeitsmonster, Herr Ben Khelifa?
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Hannover: Barkeeper Ben Khelifa von der Leinery by Probierbar im Interview

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13:17 14.09.2021
Meister hinter dem Tresen: Mohamed „Momo“ Ben Khelifa in der „Leinery by Probierbar“.
Meister hinter dem Tresen: Mohamed „Momo“ Ben Khelifa in der „Leinery by Probierbar“. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Vergangenen Oktober ist die „Probierbar“ aus Linden in die Innenstadt gezogen. Gegenüber vom Landtag kreiert Mohamed „Momo“ Ben Khelifa (32) dienstags bis samstags feine Drinks.

An der Limmerstraße gab es Lärmprobleme für Ihre Bar, wie läuft’s am neuen „Leinery“-Standort in der Altstadt?

Wir haben uns weiterentwickelt wie ein Schmetterling. Und wahrscheinlich ist das auch noch nicht unsere letzte Station. Aber für den Moment ist es perfekt. Diese Location mit der fast hundert Jahre alten Galerie hat sehr viel Charme. Früher hat hier ein Künstler gelebt. Wenn ich alleine bin, habe ich das Gefühl, dass sein Geist hier noch sein Unwesen treibt (lacht). Wir haben gerade eine größere Terrasse mit Windschutz für 40 Gäste gebaut, damit man bis November auch draußen sitzen kann.

Gibt es einen aktuellen Trend bei Getränken?

Gin wurde sehr gehypt in den letzten 15 Jahren, das flaut ab. Dafür gibt es einen Espresso-Martini-Boom. Die Menschen haben sich im Lockdown mit Cocktails beschäftigt und sind sehr gut informiert. Sie wollen wie beim Fine-Dining, dass du ihnen erklärst, was du machst. Dafür sind sie bereit, Geld auszugeben. So macht unsere Arbeit sehr viel Spaß. Deshalb haben wir oft keine Karte, sondern kreieren Drinks mit dem Gast, wenn er uns sagt, welche Richtung er gerne mag.

Edel: In der Bar dominieren Holz und Leder. Quelle: Frank Wilde

Was macht einen guten Barkeeper aus?

Meinen Leuten hinterm Tresen sage ich, dass man die Schnelligkeit und die Abläufe lernen kann. Aber die Leidenschaft, die Sensorik für Aromen und Geschmäcker, daran muss man zu Hause arbeiten. Das macht einen guten Barkeeper aus.

Und jenseits der Drinks?

Weil die Clubs noch nicht alle wieder geöffnet sind, haben wir die Rolle der Entertainer eingenommen. Unsere Gäste wollen bespaßt werden. Deshalb gibt’s bei uns am ersten Donnerstag im Monat Stand-up-Comedy, jeden zweiten Freitag Live-Musik und samstags sind abwechselnd DJs hier. Außerdem möchte ich wieder „Ink & Drink“ machen: Es soll die Möglichkeit geben, sich in der „Probierbar“ tätowieren zu lassen.

„Momo“ Ben Khelifa

* 27. Oktober 1988 in Tunis (Tunesien). 2008 kommt Ben, genannt „Momo“, Khelifa nach Deutschland. Er studiert an der Leibniz-Universität Lifescience, Biotechnologie und Neurowissenschaften. 2014 sammelt der Master in Berliner Bars Erfahrungen („Die Stadt hat fast meine Seele geklaut“), In Hannover arbeitet er im „Vogelfrei“, dem „Lindenblatt“ und der „Probierbar“. Mit Ngoc Duc Nguyen und Efgeni Senn eröffnet er die „Leinery-Lounge by Probierbar“ 2020 im Hinterhof der Leinstraße 31 mit edlen Drinks und Eigenkreationen.

Wo gehen Sie privat gern aus?

Ins „Bukowskis“ oder die „Sternwarte“. Es ist der Endpunkt vieler Gastronomen nach einer langen Nacht, weil David Koc und seine Jungs die besten Gastgeber sind. Diese gute Laune bis teilweise sieben Uhr morgens zu halten, ist eine absolute Herausforderung. Und das Essen in der „Bar Anejo“ in Linden ist phantastisch.

Was ist das schönste, an so einem Abend in der Bar?

Wenn ich in die glücklichen Gesichter der Gäste blicken kann. Wir Barkeeper sind Dopamin-Junkies, wir brauchen Anerkennung. Deshalb bieten wir unseren Kunden unsere Gastfreundschaft und unsere Drinks für ein Lächeln an. Wir Bartender sind Aufmerksamkeitsmonster (lacht).

Individueller Charme in der „Leinery by Probierbar“. Quelle: Frank Wilde

Fünf Lebensmittel, die Sie auf eine einsame Insel mitnehmen würden?

Wenn ich alleine bin und geweint habe, dann brauche ich auf jeden Fall Mezcal, um mich aufzubauen (lacht). Ich würde auch Hühnchen wählen, ich komme aus einer Kultur, in der Fleischessen Luxus ist. Bitte auch noch Couscous und Wassermelone. Ich bin Wassermelonen-Fanatiker. Und Weintrauben. Man könnte sogar einen Drink aus allem zusammen machen.

Mit Hühnchen?

Natürlich nicht (lacht). Dafür nehmen wir einen Milchpunsch aus Ziegenmilch, Couscous ersetzen wir durch Säure. Dazu Wassermelonensirup, Traubensaft und Mezcal. Ey, wir haben einen Drink kreiert. „Lonely Island“. Ohne Witz. Den nehme ich nächste Woche mit auf die Karte!

Von Luisa Verfürth