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Leben in Hannover „Culture Maps“: Diese App erzählt spannende Hannover-Geschichten
Hannover Leben in Hannover

Hannover: Audio-App Culture Maps bietet Stadtrundgänge in Corona-Zeiten

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13:03 15.11.2021
Blick auf das Original: In der App „Culture Maps“ kann man sich Informationen über die Nanas am Hohen Ufer anhören.
Blick auf das Original: In der App „Culture Maps“ kann man sich Informationen über die Nanas am Hohen Ufer anhören. Quelle: Nancy Heusel
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Hannover

Es geht um den persönlichen Blick auf Hannover, individuelle Eindrücke, die Geschichten hinter historischen Mauerwerken, Straßennamen, Kunstobjekten. Mit der neuen Audio-App „Culture Maps“ haben Karsten Schäfer (51) und Peter Hody (53) nicht nur den Klassiker „Roter Faden“ vertont, sondern auch drei prominente Hannoveraner gebeten, persönliche Streifzüge durch die Stadt zu präsentieren. „Wir haben noch viel vor“, sagt Schäfer über das Projekt, für das die Hannover-App eine Art Blaupause sein soll.

Als Treffpunkt schlägt Schäfer die Nanas am Hohen Ufer vor – die prallen Damen der Künstlerin Niki de Saint-Phalle (†71) sind ein kultureller Hotspot in jedem Reiseführer. Dabei ist die „Culture Maps“-Botschaft eine andere: Die Stadt hat mehr zu bieten als Neues Rathaus, Maschsee und Kröpcke-Uhr. Nämlich Details, die man erst auf dem zweiten Blick sieht und schätzen lernt.

Denise M’Bayes persönlicher Linden-Blick

„Die charmant oxidierten Meerjungfrauen halten hin und wieder eine leere Flasche Bier“, berichtet zum Beispiel Schauspielerin Denise M’Baye (45) von der prachtvollen Königsworther Brücke im Audio-Rundgang. Die Schauspielerin (sie war viele Jahre die Nonne Lela in der ARD-Serie „Um Himmels Willen“) sieht darin so etwas wie eine „Opfergabe an die Wasserwesen“ und verrät, dass sie an genau dieser Stelle oft auf ihr SUP-Board steigt und eine Runde paddelt.

In der „Burg Königsworth“ hat sie mal in „Pailletten-Hot-Pants in einem Musikvideo für Mousse T.“ getanzt, sie liebt die Allee am Weddigenufer („ein Stück Natur mitten in der Stadt“) und schätzte als junge Mutter das Kinderwagen-Kino im „Apollo“. Das Kulturzentrum Faust ist in ihren Augen eine „Umarmung“ für den Besucher des lebendigen Stadtteils Linden – „ein Ort für Diversität“. Aber auch eine ehemalige Bettfedernfabrik, wo einst mit Leinewasser die aus China importierten Federn gereinigt wurden. Diese Infos dazu liefert die Stimme von Karsten Schäfer.

Will mit „Culture Maps“ durchstarten: Karsten Schäfer möchte die Audio-App deutschlandweit ausbauen. Quelle: Nancy Heusel

„Hannover muss man entdecken“, sagt der 51-Jährige, der in Göttingen aufwuchs, in Aachen Bauingenieurswesen studierte, berufliche Stationen in Berlin, München und Hamburg hatte. An der Leine hatte er einst sein Studium („Ich war schon als Kind technikbegeistert“) beendet, orientierte sich aber über Praktika bei Radio und Fernsehen Richtung Journalismus, machte ein Corporate-Media-Volontariat bei TVN. Jahre später lernte er bei einem Mediamanagement-Aufbaustudium in Hamburg Peter Hody kennen – „da war gleich eine Connection da“.

Corona bringt den Digitalisierungsschub

Und bald die Idee für „Culture Maps“. Wobei die Pandemie einerseits eine Zwangspause für das Projekt bedeutete, andererseits aber auch den Machern in die Karten spielte. „Corona hat der Digitalisierung einen Schub verpasst. Viele Menschen haben sich mit Technik beschäftigt, ihre Berührungsängste verloren“, hat Schäfer festgestellt. Und der Startschuss für die Hannover-Rundgänge sei ideales Timing: „Wir stehen vor der vierten Welle. Die Nachfrage nach Freizeitaktivitäten, die man auf eigene Faust macht, ist wieder da.“

Das Smartphone weist den Weg: Eine Route führt am „Roten Faden“ entlang. Quelle: Nancy Heusel

Der Haupt-Rundgang der „Culture Maps“ ist quasi eine Vertonung des „Roten Fadens“. Dessen 36 Stationen auf 4,2 Kilometer durch die Stadt könne man sich bislang nur mit einer Broschüre aus der Tourist-Information oder eigener Wikipedia-Recherche erarbeiten. „Da muss man mehr bieten“, findet Schäfer. „Wir schwimmen auf der Podcast-Welle, Audio-Angebote sind attraktiv.“ Mit der Hannover Marketing & Tourismus GmbH habe man verhandelt, einig wurde man sich nicht. „Wir haben dann beschlossen, das Projekt auf eigene Faust zu machen.“

Wieviel das Duo investierte, will er nicht verraten, als „Sweat Equity“ (Schweiß-Eigenkapital) bezeichnet er Zeit und Energie in Wirtschafts-Englisch – es dürfte nicht zu wenig gewesen sein. Das Ergebnis soll ein Modell sein für andere Städte. „Mit der Hannover-App wollen wir zeigen, dass es funktioniert. Und dann eine neue Finanzierungsrunde einläuten. Wir denken sehr groß.“ Geschäftspartner braucht das Duo unbedingt. Denn: „Die App soll auf jeden Fall kostenlos bleiben.“

Prominente Erzähler: Schauspielerin Denise M’Baye, Kabarettist Matthias Brodowy, NDR-Moderator Michael Thürnau. Quelle: Jan Chadi Kobeiss, Archiv

Auch für Hannover sei das Limit noch nicht erreicht. Neben dem „Roten Faden“ und Denise M’Baye kann man auch Kabarettist Matthias Brodowy (49) auf einer Tour folgen. Wer die 13 Kilometer per Fahrrad bewältigt, lernt Berggarten und Wilhelm-Busch-Museum kennen, erfährt, dass man im Tak am Küchengarten früher „ein entspanntes Wannenbad“ nehmen konnte, und der Neubau des Sprengel-Museums von Kritikern als „Brikett“ bezeichnet wird.

„Bingo“-Bär Michael Thürnau (58) referiert auf seinem kulinarischen Rundgang über Köstlichkeiten, im „Tandure“ empfiehlt er Lammhaxe in Pfefferminzsauce, der japanische Brataal im „Sushi Gim“ lässt sein Herz höher schlagen, bei „Max Walloschke“ liebt er die hausgemachte Eisbein-Sülze – und der Hörer erfährt Interessantes über den Ringer und Gewichtheber, der die Kneipe 1952 eröffnete.

Musik und Forschung sind die nächsten Themen

„Es geht um die persönliche Note“, erklärt Schäfer. „So kann man Orte durch die Augen dieser Menschen sehen.“ Für Hannover plant er noch einen Musikrundgang, auch das Thema Forschung biete viel Stoff. „Der Einstein-Elevator an der Leibniz-Uni, der Gravitationswellendetektor Geo 600“, zählt er auf. „Und Carl Friedrich Gauß hat viele Spuren in Hannover und Niedersachsen hinterlassen“, weiß er über den berühmten Mathematiker, der im frühen 19. Jahrhundert wirkte.

Spannende Geschichten auf den Ohren: „Culture Maps“ ist eine Audio-App für das Smartphone. Quelle: Handout Culture Maps

Schäfer will noch viele „Points of Interest“ setzen. Das Wort „Sehenswürdigkeiten“ mag er nicht. Ihm geht es nicht um das Offensichtliche, sondern „um Geschichten hinter dem Sichtbaren, um Kultur, Leben, Freizeit, coole Locations.“ Schäfer deutet auf den Kran, der am Leineschloss Vorarbeiten für die „Leinewelle“ macht. Sobald die ersten Surfer hier auf den Wellen reiten, bekommen sie ein Kapitel in der App.

Das ist „Culture Maps“

Die Audio-App „Culture Maps“ kann man kostenlos auf das Smartphone laden, zum Start sind für Hannover mehr als 60 „Points of Interest“ und vier verschiedene Touren verfügbar. Für die Rundgänge (1,6 bis 11,8 Kilometer) gibt es genaues Kartenmaterial, außerdem kann man die Audio-Beiträge aus Kultur, Geschichte, Wissenschaft, Architektur oder Freizeitvergnügen direkt anwählen oder über Tasten vor- und zurückskippen. Zu jedem „POI“ kann man den Text auch nachlesen, über Fotogalerien werden viele Themen weiter vertieft. Nutzerinnen und Nutzer können Kommentare verfassen und Verbesserungsvorschläge hinterlassen – oder Vorschläge machen für Punkte, die aufgenommen werden sollten. Über die Hannover-App hat man auch Zugriff auf die bereits bestehenden „Culture Maps“ für Wolfsburg und Stade. Die Audio-App will weiter wachsen – und bald Niedersachsen und weitere Teile der Republik abdecken. Mehr Infos unter www.culturemaps.net

Von Andrea Tratner