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Leben in Hannover Das sind die besten neuen Fantasyspiele für jedes Alter
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Hannover: Aktuelle Fantasy-Spiele-Tipps von Stefan Gohlisch

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07:07 25.11.2021
Fantasievoll: Die farbenfrohe Sprengmeisterin ist eine der Heldinnen aus „Gloomhaven: Die Pranken des Löwen“.
Fantasievoll: Die farbenfrohe Sprengmeisterin ist eine der Heldinnen aus „Gloomhaven: Die Pranken des Löwen“. Quelle: Handout Feuerland Spiele
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20 Jahre, nachdem der erste „Herr der Ringe“-Film in den Kinos anlief, und zehn Jahre nach der ersten Folge „Game of Thrones“ hat Fantasy die Nische verlassen und ist Mainstream geworden. Folgende aktuelle Spiele sind brillante Möglichkeiten, neue Welten zu entdecken.

Für Kenner: „Gloomhaven: Die Pranken des Löwen“

Auf ins Abenteuer: das fantastische Spiel „Gloomhaven: Die Pranken des Löwen“. Quelle: Handout / Feuerland Spiele

Was ist das? „Gloomhaven“ ist derzeit das Spiel der Spiele, das höchstbewertete auf der internationalen Plattform Boardgamegeek, ein Brocken, der in einer zehn Kilogramm schweren, zum Bersten gefüllten Riesenschachtel daherkommt. Darin enthalten sind 95 Szenarien, die sich zu einem gewaltigen Epos in einer ganz eigenständigen Fantasy-Welt zusammenfügen, die sich der Autor Isaac Childres ausgedacht hat. Selbst die hingebungsvollste Spielegruppe dürfte damit ein gutes Jahr beschäftigt sein.

Schon das ist eine Hürde. Die sehr umfangreichen Regeln sind es auch. Mit „Die Pranken des Löwen“ ist eine ebenfalls recht üppige Box erschienen, die nicht nur behutsam in die Regeln von „Gloomhaven“ einführt, sondern auch als eigenständiges Abenteuer mit immerhin 25 Szenarien funktioniert.

Unangenehmer Gegner: Bei „Gloomhaven: Die Pranken des Löwen“ bekommt man es auch mit fiesen Ratzen zu tun. Quelle: Handout / Feuerland Spiele

Hier übernehmen die Spielenden die Rollen einer Söldnertruppe (besagte „Pranken des Löwen“), nicht unbedingt Vollsympathen, eher vielschichtige, lebende Charaktere. Eher aus Berechnung – weil es nämlich hoffentlich ihrem Ruf nützt – haben sie den Auftrag einer Frau der Stadt Gloomhaven übernommen, ihren verschwundenen Gatten zu suchen. Dass sie dadurch in eine Geschichte voller Abenteuer und übernatürlichen Horrors gezogen werden, konnte ja niemand ahnen ...

Wie spielt es sich? Gespielt wird in einem Ringbuch. Jedes Szenario hat hier seine Doppelseite mit Prolog, Epilog und einer Karte aus Sechseckfeldern als Schauplatz. Die ersten fünf Szenarien sind zugleich eine Regeleinführung. Stück für Stück lernt man die grundsätzlichen Mechanismen kennen, erfährt, wie eine künstliche Kartenintelligenz die Widersacher steuert, und übt sich in dem raffinierten Zusammenspiel der Aktionskarten, die steuern, was die Charaktere, im Übrigen ein ziemlich diverses Ensemble, alles tun können.

Jede der anfangs sechs Karten im eigenen Deck ist nämlich in Hälften unterteilt. Zwei Karten spielt man jeweils verdeckt aus, nutzt von der einen die obere, von der anderen die untere Fähigkeit – ein so raffiniertes wie kniffliges Zusammenspiel, das zudem Runde für Runde die Zugreihenfolge neu definiert. Und das ist alles nur der Anfang: Denn neue Schauplätze und Karten wollen entdeckt werden. Eine große Geschichte entspinnt sich. Und dann sind da noch die mysteriösen Schachteln, die man erst irgendwann öffnen darf.

Was taugt es? „Die Pranken des Löwen“ ist weit mehr als ein „Gloomhaven light“, sondern ein erzählstarkes eigenständiges Abenteuer, das auch Menschen, die keine Vielspieler sind, in seinen Bann zieht. Wer mag, wechselt dann zum großen Vorbild (oder dem demnächst erscheinenden „Frosthaven“). Es ist eine gute Zeit, Spieler zu sein.

Isaac Childres: „Gloomhaven: Die Pranken des Löwen“. Feuerland, für eine bis vier Personen ab 14 Jahren, etwa 65 Euro.

Für Familien: „My Gold Mine“

Toll für die ganze Familie: das Spiel „My Gold Mine“. Quelle: Handout

Was ist das? Gold! So viel Gold und alles zum Greifen nah – wer wird da nicht gierig? Die Zwerginnen und Zwerge aus „My Gold Mine“ können da jedenfalls nicht widerstehen, und so entwickelt sich in dem kompakten Kartenspiel „My Gold Mine“ eine Schatzjagd voller Emotionen.

Wie spielt es sich? Eine Mine, bestehend aus neun großformatigen Karten, liegt aus, links der Ausgang, rechts Drache Dragobert, in der Mitte die Lore mit den Zwergen darauf. Oberhalb davon befinden sich zwei Stapel: Schürf- und „Exit“-Karten.

Die Schürfkarten liegen offen und locken. Also einfach zugreifen; oft muss man dann aber seine Figur weiter hinein in die Mine Richtung Drache bewegen. Und wenn nach dem Nehmen eine seiner Karten offenliegt, kommt er immer näher – also doch lieber mit Hilfe einer „Exit“-Karte Richtung Ausgang?

Was taugt es? Turbulent geht es zu bei diesem Spiel mit der Gier. Das Tempo ist groß, die Stimmung riesig. Da hat man gerade so viele Schätze gesammelt, und dann erwischt einen Dragobert! Oder man ist zum Ausgang geschlichen, und dann tauscht jemand mit einem die Plätze! So viel Spaß, so viel Ärger, so viel Spiel in kleiner Packung.

Hans Joachim Höh, Michael Loth, Christof Schilling: „My Gold Mine“. Kosmos, für zwei bis sechs Personen ab sieben Jahren, etwa 13 Euro.Gold! So viel Gold und alles zum Greifen nah – wer wird da nicht gierig? Die Zwerginnen und Zwerge aus „My Gold Mine“ können da jedenfalls nicht widerstehen, und so entwickelt sich in dem kompakten Kartenspiel „My Gold Mine“ eine Schatzjagd voller Emotionen.

Wie spielt es sich? Eine Mine, bestehend aus neun großformatigen Karten, liegt aus, links der Ausgang, rechts Drache Dragobert, in der Mitte die Lore mit den Zwergen darauf. Oberhalb davon befinden sich zwei Stapel: Schürf- und „Exit“-Karten.

Die Schürfkarten liegen offen und locken. Also einfach zugreifen; oft muss man dann aber seine Figur weiter hinein in die Mine Richtung Drache bewegen. Und wenn nach dem Nehmen eine seiner Karten offenliegt, kommt er immer näher – also doch lieber mit Hilfe einer „Exit“-Karte Richtung Ausgang?

Was taugt es? Turbulent geht es zu bei diesem Spiel mit der Gier. Das Tempo ist groß, die Stimmung riesig. Da hat man gerade so viele Schätze gesammelt, und dann erwischt einen Dragobert! Oder man ist zum Ausgang geschlichen, und dann tauscht jemand mit einem die Plätze! So viel Spaß, so viel Ärger, so viel Spiel in kleiner Packung.

Hans Joachim Höh, Michael Loth, Christof Schilling: „My Gold Mine“. Kosmos, für zwei bis sechs Personen ab sieben Jahren, etwa 13 Euro.

Für Kinder: „Karak“

Im Labyrinth: das Spiel „Karak“. Quelle: Handout

Was ist das? Erforsche das Labyrinth, verhaue die Monster, sammele alle Schätze und kümmere dich, wenn es denn passt, um den Endgegner – das ist der Kern aller sogenannten „Dungeon Crawler“. Oft sind das relativ komplexe Angelegenheiten. Wie man die Regeln vorbildlich herunterbrechen kann, zeigt „Karak“.

Wie spielt es sich? Anfangs liegt da nur ein einziges Labyrinthplättchen. Darauf stehen die Figuren der Spielenden. Wer dran ist, hat bis zu vier Aktionen. Meistens bestehen sie darin, dass man benachbart vom aktuellen Platz neue Labyrinthplättchen aufdeckt. Bis zu viermal macht man das. Zeigt dieses nicht nur Gänge, sondern einen quadratischen Raum, greift man blind zu der zweiten Sorte Plättchen, die sich in einem Beutel befinden. Meist zeigen sie Monster. Dann endet die Entdeckung, und der Kampf beginnt; er wird durch eine einfache Würfelprobe absolviert.

Besiegte Monster hinterlassen Wertvolles: Schatztruhen zum Beispiel oder Schlüssel (um andere Truhen überhaupt öffnen zu können) und Waffen, die spätere Würfelproben vereinfachen. Irgendwo in diesem Beutel (und dann auch irgendwann im Labyrinth) befindet sich auch ein Drache. Ist der besiegt, endet das Spiel – das nicht etwa automatisch der Drachentöter gewinnt, sondern derjenige mit den meisten Schätzen, und der Drache ist gerade mal eineinhalb Schätze wert.

Allein das bildet den etwas zynischen Charakter all dieser Antiheldenspiele sehr hübsch ab. Die jeweiligen Fähigkeiten der sechs Figuren spielen da auch schön rein: wenn der Magier etwa eine Abkürzung durch Mauern hindurch nimmt oder der Hexenmeister Mitspielende zwingt, mit ihm den Platz zu tauschen.

Was taugt es? Vier Aktionen, Plättchen legen und Räume aufdecken – das kann jedes (Grundschul-)Kind. Der Rest lässt sich beim Spielen erklären. „Karak“ erkauft diese Eleganz jedoch nie durch Banalität. Im Gegenteil: Man hat es hier mit einem niedrigschwelligen Einstieg in die Welt der „Dungeon Crawler“ zu tun, der auch Erwachsenen viel Freude bereitet.

Petr Mikša, Roman Hladík: „Karak“. Kosmos, für zwei bis fünf Personen ab sieben Jahren, etwa 30 Euro.

Für Spezialisten: „Splittermond. Aufbruch ins Abenteuer“

Erfolgreiches Rollenspiel: „Splittermond: Aufbruch ins Abenteuer“. Quelle: Handout

Lange Jahr galten Fantasy-Rollenspiele, bei denen man als fiktiver Charakter erzählend in fremde Welten eintaucht, als Inbegriff fantastischen Spiels. Inzwischen fristen sie ein Nischendasein in der Nische. Da aber auch das klassische Gesellschaftsspiel immer erzählerischer wird, ist es höchste Zeit für ein Revival. Dabei hilft vielleicht „Splittermond: Aufbruch ins Abenteuer“.

Es handelt sich um eine Box für Einsteiger in das recht erfolgreiche deutsche Rollenspiel „Splittermond“: mit Karten und Markern, einfachen und weiterführenden Regeln. Sogar Soloabenteuer für alle Teilnehmenden sind dabei, damit die ihre Figuren kennenlernen, bevor es richtig losgeht.

 

Dann braucht man nur noch eine Person, die ein wenig tiefer in die Regeln einsteigt und die Spielleitung übernimmt, um den erzählerischen Rahmen abzustecken. Dabei hilft das vorbereitete Abenteuer der Box. Leichter wurde einem der Start in die Welt der Rollenspiele selten gemacht.

„Splittermond: Aufbruch ins Abenteuer“. Pegasus/Uhrwerk Verlag, für zwei bis sechs Personen ab zwölf Jahren, etwa 30 Euro.

Für Paare: „Unmatched – Kampf der Legenden“

Für zwei: „Unmatched – Kampf der Legenden“. Quelle: Handout

Was ist das? Alice hat aus ihrem Wunderland ein riesiges Schwert mitgebracht und dazu als Verbündeten den fiesen Jabberwocky. Sindbad wird von einem Träger begleitet und tritt recht listenreich auf. Medusa und König Artus haben auch ihre Tricks auf Lager. Und die treten nun gegeneinander an, in „Unmatched: Kampf der Legenden“.

Wie spielt es sich? „Unmatched“ von Rob Daviau, Koautor der „Pandemic Legacy“-Spiele, gehört zur Familie der Miniaturen-Duelle, einem Subgenre, das seit einigen Jahren boomt. Es verwendet Ideen aus Tabletop-Strategiespielen wie „Warhammer“, Kartenduellen wie „Magic“ und klassischen Gesellschaftsspielen zu einem kompakten Wettstreit zweier Kontrahenten. Meist geht es asymmetrisch zu: Die Figuren der Spieler und ihre Fähigkeiten unterscheiden sich zum Teil maßgeblich, was viel zum erzählerischen Teil dieser Spiele beiträgt. Medusa zum Beispiel ist – mit fiesem Blick und Flitzebogen – eine begnadete Fernkämpferin, während König Artus lieber direkt in den Clinch geht. Alice kann schrumpfen und wachsen, was ihr jeweils unterschiedliche Optionen verleiht.

Schauplatz ist ein beidseitig bedruckter Spielplan, der unterschiedliche Landschaften zeigt und – in fragwürdiger Farbgebung – verschiedene Zonen, über die sich die Heldinnen und Helden sowie ihre persönlichen Helfer bewegen. Letztere kommen übrigens nicht als hübsche Miniaturen daher, sondern als dicke Pappscheiben. Gesteuert wird das Spiel über die individuellen Kartendecks der Charaktere, die bei allen Unterschieden bemerkenswert gut ausbalanciert sind. Und es sind schon weitere Helden in Vorbereitung, etwa Robin Hood und Sherlock Holmes.

Was taugt es? „Unmatched“ führt niedrigschwellig in ein faszinierendes Spiele-Genre ein und ist damit deutlich einsteigerfreundlicher als der aktuelle Primus „Godtear“.

Rob Daviau: „Unmatched: Kampf der Legenden“. Lello/Hutter, für zwei bis vier Personen ab neun Jahren, etwa 30 Euro.

Von Stefan Gohlisch