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Leben in Hannover Ärzte gaben Dimitris Paparas keine Überlebenschance: „Aufgeben ist keine Option“
Hannover Leben in Hannover

Hannover: Ärzte gaben Dimitris Paparas keine Überlebenschance

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14:36 19.12.2021
Zweite Chance: Dimitris Paparas genießt die Zeit heute, nachdem er sich jahrelang ins Leben zurückkämpfen musste.
Zweite Chance: Dimitris Paparas genießt die Zeit heute, nachdem er sich jahrelang ins Leben zurückkämpfen musste. Quelle: Frank Wilde
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Trifft man Dimitris Paparas (53) heute, sieht man einen durchtrainierten Mann mit wachen Augen und Raum erfüllender Ausstrahlung. Seine Lebenseinstellung ist positiv und energiegeladen. Und wenn er redet, dann hört nicht nur sein Gegenüber zu, sondern alle Anwesenden. Denn Dimitris Paparas hat etwas zu erzählen. Es ist seine Geschichte, die er offensiv zu seinem Erfolgsmodell macht – mit einem neuen Job als Mentalcoach.

Wer den Langenhagener noch aus den 1990er-Jahren kennt, wird sich an einen muskelbepackten Szenegänger erinnern. Ein Draufgänger, der das Leben genoss, einen unendlichen Vorrat an lockeren Sprüchen hatte, Sport bis zum Anschlag trieb und immer einen Pulk cooler Typen um sich scharte.

Nach dem Abi hatte der Leistungssportler (Sprintstrecken 100 bis 400 Meter) Architektur studiert, dann eine Ausbildung zum Physiotherapeuten gemacht, 1998 eröffnete er in der Nordstadt sein eigenes Fitnessstudio, das „Masters“.

Vor dem Unfall 2002: Dimitris Paparas führt ein Leben auf der Überholspur. Zwei Jahre später stirbt der Fitnessstudiobesitzer fast bei einem Motorrad-Crash. Quelle: privat

Ärzte gaben keine Überlebenschance

Dort lief die szenige Stadtgesellschaft hin, stöhnte unter den Gewichten, schwitzte mit Paparas auf den Spinning-Bikes. Auch privat lief es perfekt: In Magdalena Klos (47) hatte er die Liebe seines Lebens gefunden. Das Leben fiel Dimitris in den Schoß – bis zum 7. Juli 2004.

An diesem Tag fuhr er mit seinem Motorrad, einer schwarzen Yamaha YZF-R1, über die Kreuzung an der Stadionbrücke und übersah eine rote Ampel. „Ich knallte gegen einen Golf, dann war alles vorbei!“ Beide Lungenflügel waren zerfetzt, Becken und Brustkorb zertrümmert, er erlitt unzählige Knochenbrüche und verlor mehrere Liter Blut.

Nach einer mehrstündigen Operation gaben die behandelnden Ärzte dem damals 36-Jährigen keine Überlebenschance mehr. Da war Professor Helmut Lill (59), Leiter der Unfallchirurgie im Friederikenstift, gerade auf dem Weg zum Flughafen in die Ferien. Der Spezialist drehte nach dem Notruf um, ging sofort in den OP und übernahm: „Er ist mein Lebensretter“, sagt Dimitris Paparas, der dem Arzt ein großes Tattoo auf seinem Oberarm gewidmet hat.

Vier Wochen Koma, 15 Herzstillstände

Vier Wochen lag der Sportler im Koma, 15 Herzstillstände überlebte er, magerte von 94 auf 57 Kilo ab. Dann ging es langsam bergauf: „Wer kämpft, kann verlieren“, weiß Paparas und fügt hinzu: „Aber wer nicht kämpft, hat schon verloren.“ Was dem Schwerkranken zugutekam: seine im Sport erlernte Fähigkeit, bis an die Grenzen zu gehen. „Aufgeben ist keine Option: Kein Mensch hat härter trainiert“, sagt Paparas.

„Als ich aufstehen durfte, habe ich sofort bis zur Erschöpfung mit dem Rollator das Gehen geübt.“ Auf den Ratschlag der Physiotherapeuten, es langsam anzugehen, hörte er nicht. Die niederschmetternde Prognose der Ärzte, dass er vermutlich nie wieder Sport treiben könne, spornte ihn eher noch an: „Niemand sagt mir, wo meine Grenzen sind: Ich bestimme sie selbst.“

Der Sportler: Dimitris Paparas ist körperlich wieder fit. Quelle: privat

Trotzdem: Die Reha dauerte Jahre. Jahre, in denen er sich ohne Schmerzmittel oft kaum bewegen konnte. Auch weitere Rückschläge – sein Fitnessstudio ging über die Krankheit insolvent – musste er verkraften.

Doch Paparas blieb ein Stehaufmännchen: Er schrieb seine Doktorarbeit in Sportwissenschaft, er malte und wechselte in die Finanzbranche, beriet in betrieblicher Altersvorsorge. Doch der Stillstand im ersten Corona-Lockdown brachte ihn zum Umdenken: „Ich hatte mir nach dem Unfall geschworen, nie mehr meine Lebenszeit mit Dingen zu verbringen, auf die ich keinen Bock habe“, sagt er. „Doch ich steckte schon wieder in so einer Mühle – die zwar Geld brachte, aber keinen Spaß.“

Der Geschäftsmann: Dimitris Paparas Quelle: privat

Ein guter Coach ist wie ein Navi

Und so krempelte Paparas wieder einmal sein Leben um, besann sich auf das, was ihm geholfen hat: Er ging zu dem bayerischen Mentalcoach Walter Rotter in die Ausbildung, wurde Mentor, Speaker und Persönlichkeitstrainer. Und er arbeitet als Netzwerker, will Menschen dabei unterstützen, ihr eigenes Geschäft aufzubauen.

„Mit meiner besonderen Lebensgeschichte kann ich so viele Erfahrungen weitergeben“, sagt Paparas, „das macht mir Spaß, ich empfinde das gar nicht als Arbeit.“ Er könne seinen Kunden authentisch vermitteln, worauf es in der Praxis ankommt und nicht nur Theorien verbreiten. „Ein guter Coach ist wie ein Navi – er begleitet seinen Klienten vom jetzigen Standort Schritt für Schritt zu dem Punkt, wo er hinmöchte. Er entwickelt mit ihm Visionen und hilft ihm bei der Bewältigung neuer Herausforderungen.“

Genießt ganz bewusst sein Leben: ,„Mit meiner besonderen Lebensgeschichte kann ich so viele Erfahrungen weitergeben“, sagt Paparas. Quelle: Frank Wilde

Wichtig sei es dabei, sich Zwischenziele zu setzen und das Erreichen von ihnen auch zu feiern: „Diese kleinen Erfolge sind der Proviant auf dem weiten Weg“, sagt Paparas und verweist darauf, dass auch er sich in unzähligen kleinen Schritten ins Leben zurückgekämpft hat. Paparas versteht sich als Überlebenskünstler – und diese Kunst will er jetzt weitergeben.

https://dimitris-paparas.com/

Von Maike Jacobs