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Leben in Hannover Haeses Gags für den weiten Horizont
Hannover Leben in Hannover Haeses Gags für den weiten Horizont
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16:19 27.02.2015
Von Maike Jacobs
STREICHELN ERWÜNSCHT: Die Busenschnecken sind Günter Haeses neuester Streich. Ursprünglich ist der Prototyp für eine Schulhausaufgabe seines Sohnes entstanden. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Er sieht nicht aus wie der typische Manager, schon gar nicht wie der Chef einer Wohnungsbaugenossenschaft. Mit kariertem Hemd und Lederhose und ohne Schlips und Sakko kommt Günter Haese (56) daher. „Ach, der Schlips!“, lacht der großgewachsene Mann, „den habe ich 2007 weggeworfen.“ Es sei ein Tipp von Uri Geller (68) gewesen, den er damals zur Eröffnung seines Vasati-Projektes (Bauen unter Berücksichtigung von Energiestrukturen) eingeladen hatte: „Geller meinte, dass man sich mit negativer Energie belasten würde, wenn man mit so einem Knoten direkt vor der Schilddrüse herumlaufen würde.“

Günter Haese ist ein freier Mensch. Frei von vielen Konventionen, ein Manager, der sich den Luxus erlaubt, anders zu sein. Nur so einer kann die Busenschnecke erfinden, eine Nacktschnecke mit üppiger Brust. „Ein silikonfreies Naturprodukt“, feixt der Erfinder, „ganz ohne Weichmacher“. Es gibt sie in Ferrari-Rot, Schwarz und Weiß. Wer mag, kann sich eine 7,5 Zentimeter lange Busenschnecke in der Zentrale von Gartenheim in der Hildesheimer Straße 142 als Geschenk abholen. Im „Beipackzettel“ heißt es: „Zu ihrem natürlichen Lebensraum gehört ein kreatives, gedanklich offenes, neugieriges und unideologisches Umfeld.“

Die Idee entstand vor 15 Jahren. „Mein Sohn sollte für die Schule etwas mit einer Laubsäge aussägen“, erzählt der Manager, der als Vorlage eine Schnecke zeichnete. „Ist die männlich oder weiblich?“, wollte sein Sohn wissen: „Da malte ich der Schnecke spontan kleine Brüste an.“ Seitdem heißen alle Busenschnecken Dori, nach Haeses Frau Doris.

Das Design hat er vor kurzem überarbeitet, einige Tausend Busenschnecken - finanziert aus dem Werbeetat der Firma - sind in der Welt unterwegs. „Ich habe auch Fotos von Schnecken in Sydney, New York und vom roten Teppich auf der Berlinale zugeschickt bekommen.“ Jazzgitarrist Joscho Stephan (35) hat eine Rhapsodie für die Busenschnecke auf CD eingespielt. Im März bekommt Haese den Promotional Gift Award 2015 verliehen: „Das macht mich schon sehr stolz!“

Nicht Haeses erster Coup. Überall in Hannover stehen sei- ne kleinen Spaßmacher, zum Beispiel die Funghi Lux, kleine Leuchtpilze. Oder die Nanus-Zwerge, die man ebenfalls kostenlos in der GH-Zentrale bekommt (wenn man ein „Rezept“ auf der Webseite herunterlädt). Vor Gartenheim-Wohnungen in der List, Wettbergen und Badenstedt stehen Rammelschafe aus rostendem Blech. „Ich leiste mir den Luxus, all das sollen witzige Tagesgags sein, die keinem wehtun. Ich will mit einem kleinen Witz den Horizont erweitern.“ Derzeit arbeitet er an einer Moosmaschine. Die Ideen entwickelt er mit Mitarbeitern in seinem „DenGh-Zentrum“.

Haeses Weg verlief nicht ganz planmäßig: Der Sohn des Documenta-Künstlers Günter Haese (91) studierte Maschinenbau und Philosophie, war Industriedesigner und arbeitete als Software-Leiter. Als sein Schwiegervater einen Nachfolger für Gartenheim suchte, stieg 1991 Haese ein. Er glaubt, „ordentliche Wohnungswirte“ würden ihn wahrscheinlich als „komischen Vogel“ sehen. Er versuche aber nur, das Unternehmen interessanter, kreativer zu gestalten: „Die Busenschnecken sind kleine Botschafter einer humorvollen Lebensphilosophie.“