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Leben in Hannover „Guerilla Koch“ wetzt im Kino die Messer
Hannover Leben in Hannover „Guerilla Koch“ wetzt im Kino die Messer
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22:00 16.09.2013
Von Andrea Tratner
ER WETZT DIE MESSER: Felix Metzger reiste als Koch-Praktikant durch Asien - der Doku-Film "Guerilla Köche" kommt Donnerstag in die Kinos.
ER WETZT DIE MESSER: Felix Metzger reiste als Koch-Praktikant durch Asien - der Doku-Film "Guerilla Köche" kommt Donnerstag in die Kinos. Quelle: Treblin
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Hannover

Der erste Arbeitstag in Bangkok? „Ich habe noch nie in meinem Leben so geschwitzt“, erinnert sich Felix Metzger (26). Der Hannoveraner hat bei Sternekoch Ernst-August Gehrke in Bad Nenndorfer „La Forge“ seine Ausbildung gemacht, später im Berliner „Margaux“ (ein Stern, 18 Punkte im Gault Millau) gekocht, war von der ersten Stunde im neu gegründeten Restaurant „Reinstoff“ (ein Stern) dabei. Das „T&K Seafood“ in Bangkok war eine improvisierte Garküche, gleich gegenüber vom Hotel. Die erste Station der Asienreise, bei der sich Metzger und sein bester Freund Max Jensen (25) von einem Kamerateam begleiten ließen (gestern war Vorpremiere im Raschplatz-Kino). „Schnell, heiß, laut, eng - und das beste Essen auf der ganzen Reise“, schwärmt er noch heute. „Aber auch der heißeste Job.“ An Feuertonnen grillte er bei 35 Grad am Straßenrand Fleisch. Später folgten Spitzenrestaurants in Hongkong, Singapur, Tokio.

Metzger weiß, was er will, er geht stets den direkten Weg. „Es ging darum, zu lernen. Gearbeitet haben wir gratis - wir sind mit Wissen bezahlt worden.“ Ein toller Lohn. Neugierig auf den spannenden Beruf wurde Metzger schon in der achten Klasse durch ein Praktikum im Hotel Benther Berg. „Das waren raue Typen in der Küche, die leckere, filigrane Sachen gezaubert haben.“

In der Schule war der 26-Jährige „kein Überflieger“, fürs Kochen entwickelte er Leidenschaft und Ehrgeiz. „Man darf aber in dem Job nicht zartbesaitet sein“, sagt er. „Allerdings habe er festgestellt, dass es in asiatischen Küchen ruhiger und entspannter zugehe. „Wer schreit, verliert sein Gesicht.“

Nach der Ausbildung ging der junge Koch für ein Jahr nach Australien. Aus Work & Travel („Ich habe zwei Wochen Weinstöcke geschnitten, das war sooo langweilig“), wurde ein Praktikum im besten Seafood-Restaurant Melbournes. Ein Prinzip, das er zusammen mit seinem „Reinstoff“-Kollegen Jensen („Die Küche war im Keller, wir hatten Ausbruchsgedanken.“) auch auf der Asienreise umsetzte: einfach anklopfen, fragen, mitarbeiten, lernen. Sei es im Gastro-Tempel des chinesischen Spitzenkochs Alvin Leung oder in der Hinterhof-Klitsche, wo Schlangen im Topf landen. Kobrablut, frittierte Tarantel, sie probierten alles aus. „Wir haben so viele Geschmäcker erlebt“, schwärmt der Hannoveraner.

Sind sich die Freunde auf der anstrengenden Reise auch mal auf die Nerven gegangen? Metzger muss lachen. „Die Kameraleute haben immer darauf gewartet, dass es mal zwischen und kracht.“ Es krachte aber nicht. Die beiden saugten Wissen in sich auf: „Das war unser Vier-Augen-System: Zwei sehen doppelt so viel wie einer.“

„Kochen ist wie ein Rausch“, sagen sie im Film. Wochen habe es gedauert, die Geheimnisse einer thailändischen Currypaste zu verstehen - „die Balance aus scharf, süß, sauer und salzig muss stimmen“. Aus dem Land mitgebracht haben sie einen Salat mit Kokosvinaigrette, der bei ihrem Catering-Service „Berlin Cuisine“ der Hit ist. Den haben sie nach ihrer Rückkehr in der Hauptstadt gegründet, der neuen Heimat des Hannoveraners, der einst in der Küche von Ekkehard Reimann (71) sein Taschengeld aufbesserte. Irgendwann will Metzger ein eigenes Restaurant. „Ich möchte einen Platz haben, wo ich Leute bewirte.“